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Popp kann sehen

“Ich kann sehen!” so die ersten Worte des kleinen Popp, als er seine neue Brille angepasst bekommen hat.
Der Sohn des Projektleiters der Nursery School Friends of Children in Dar-es-Salaam, Tanzania und Patensohn des Freilassinger Entwicklungshilfeverein-Vorsitzenden war überglücklich.
Und auch wir sind das. Denn mit einer Sehschwäche von – 3,0 und -2,25 war es im Alltag, wie auch in der Schule nicht gerade einfach für Popp. Nun steht dem Grundschulbesuch ab Januar 2017 nichts mehr im Wege!

Zum Artikel, der am 25. August 2016 im Freilassinger Anzeiger erscheinen ist, geht es hier…

Haraka haraka, haina baraka

Ich kann es kaum glauben, dass die Zeit so schnell vergeht. Mein letzter Blog-Eintrag ist schon eine ganze Weile her, die Zeit rast nur so und wenn ich nach vorne blicke…so sind es nur noch 3,5 Wochen, bis ich Tanzania wieder verlassen muss…und meine to-do-Liste aber irgendwie mehr zu- als abnimmt.

Die letzten Wochen waren randvoll. Mein Tag könnte in der Tat mehr als 24h-Tag haben. Haraka haraka, haina baraka – oder No hurry in Africa führen dann dazu, dass das Blog-Schreiben eher in den Hintergrund rückt und ich lieber mal kleine Lebenszeichen in Facebook poste.

 

Kleine Fluchten
Schon 2009 und 2010 war Zanzibar meine kleine Flucht. Nur 1,45 h mit der schnellen Azam-Fähre entfernt liegt die Trauminsel Ungunja, die fälschlicherweise immer als Zanzibar bezeichnet wird. Dabei ist Zanzibar eigentlich der Name des Archipels bestehend aus Ungunja, Pemba, den Latham-Inseln und geographisch gesehen auch Mafia.

Es ist eine andere Welt. Stone-Town mit seinen kleinen, verschlungenen Gassen, den tollen geschnitzten Holztüren und dann die Strände…Ja, die habe ich hier auch vor der Türe…dennoch ist das Wasser dort sauberer, wärmer und von einem unglaublichen blau-grün und man ist einfach weg aus Dar, weg von den Projekten. Um mal was anderes zu machen, hat es mich dieses Mal nach Paje verschlagen, das Paradies für Kitesurfer. Nett, aber nach nur einer Nacht habe ich beschlossen, dass man ein winning system nicht ändern soll und bin dann doch wieder nach Sunset Kendwa. 3 Tage dort, 2 wunderschöne Tauchgänge (bei 30 Grad Wassertemperatur springe sogar ich mit einem Shorty ins Wasser) und der Akku ist wieder aufgeladen.
Auszeit von der Auszeit bzw. vom Projekteinsatz nenne ich das dann auch ;-)

Kurz vor der Heimreise habe ich dann noch unseren Kindergarten in Mwera besucht und nicht schlecht gestaunt, was Pfarrer Siwelwe da so auf die Beine gestellt hat.

 

Die Deutsche Delegation
Pünktlich zu meinem Geburtstag kamen dann auch Fred, Bettina und Linda von der Herrnhuter Missionshilfe aus Deutschland. Wer meinen Blog aus 2009/2010 gelesen hat, der weiß, dass Fred mein Soundboard war und für das Projektteam auch immer das Zauberwort. Für ihn war es die Abschiedstour und für Bettina und Linda, die ich kurzerhand nun zu meinen neuen Soundboards ernannt habe, die Kennenlerntour.

Samstag gab es ein großes Meeting mit meinem OVC-Team und anschliessend haben wir mit einigen der Patenkinder und ihren Vormündern zu Mittag gegessen. In 43 Jahren habe ich das erste Mal an meinem Geburtstag gearbeitet. Dennoch war es ein toller Geburtstag, mit dankbaren Vormündern, lachenden Patenkindern und am Abend einer tollen Band in einem der lokalen Pubs.

Montag standen homevisits auf dem Plan und ab Dienstag haben wir einige hundert km per Minibus von Dar-es-Salaam über Ifakara, Iringa, Mbeya, Subawanga, zurück nach Mbeya gerissen und dann ging es für mich mit dem Flugzeug zurück nach Dar-es-Salaam. Eine lange Reise, schlechte Strassen, aber eine gute Gelegenheit um meine neuen Ansprechpartnerin in Deutschland kennen zu lernen und um neben meinen eigenen Projekten auch einige weitere Projekte der HMH zu besuchen.

 

Projektarbeit
In den Projekten läuft es zäh. Pläne sind da, um über den Haufen geworfen zu werden, insbesondere weil ständig unbekannte Faktoren auftauchen, die alles zunichte machen. Kurzfristig angesetzte Meetings der Pfarrer, Malaria, Krankheit oder Tod von Angehörigen, Verkehrschaos, Eheprobleme, Unverständnis, kein Strom etc.

Ich werde immer wieder vor die Zerreißprobe gestellt, war diese Woche auch schon einmal kurz vor dem Aufgeben. Nein, natürlich gebe ich nicht auf. Ich wünsche mir nur, dass ein paar Projektverantwortliche nicht nur den eigenen Benefit (im Sinne von Gehalt) sehen, sondern verstehen, dass das Projekt zum Wohl der Kinder ist. Auch kämpfe ich immer wieder mit der Tatsache, dass man glaubt, dass der Geldstrom aus Deutschland unerschöpflich ist und man selbst nichts dazu tun muss. Naja, ich bzw. wir machen das Beste daraus.

Es gibt aber auch Positives zu vermelden…
Mittlerweile haben wir im OVC-Projekt 103 der bis dato 200 Kinder für die zweite Projektphase registriert. Sie gehen nun mit unserer Unterstützung auf die Sekundarschule und am nächsten Samstag – so der Plan – haben wir eine große Verteilaktion. Von einigen Kindern wissen wir leider nicht, wo sie verblieben sind. Hört sich für deutsche Verhältnisse komisch an. Für tanzanische Verhältnisse ist es aber ganz normal, dass Kinder aufgrund ihrer aktuellen Situation mal eben von der Tante in Dar zur Oma nach Moshi transferiert werden oder, dass wenn Kinder nicht in die Sekundarschule zugelassen wurden, keiner weiß wo sie jetzt sind.

Moses, der Projektleiter der Nursery School hat den Report für Februar komplett alleine erstellt. Könnt ihr euch vorstellen, wie stolz ich bin?

Und in Ifakara geht es polepole voran und wir lassen uns bzgl. ständig neuer und härterer Regularien für Privatschulen nicht unterkriegen.

 

Und sonst so…?

  • Nach ewiger Zeit konnte ich Mary lokalisieren. Sie wird von einem kleinen deutschen Verein unterstützt und kann mit deren Hilfe ein College besuchen. Sprachbarrieren haben dazu geführt, dass die Unterstützung fast abgebrochen wäre. Aber wir sind wieder back on track!
  • Mit der Unterstützung von Paul, einem Ex-Berater auf Zeit konnte ich Osman letzte Woche ein Fahrrad kaufen. Osman wird ab sofort das College besuchen und anstatt jeden Tag Geld in Bustickets zu investieren, ist er nun stolzer Besitzer eines Bob Marley Bikes. Vielen Dank nochmal Paul!
  • Novität im Massai-Dorf!!! Letzten Samstag haben wir in der Tat wohl zum ersten Mal Skype ins Massai-Dorf von Mariki gebracht. Kein Wasser und kein Strom vor Ort. Aber die Masten der Mobilfunkanbieter haben es möglich gemacht zu skypen. Ich weiß nicht, wo die Freude größer war: bei Susi und mir oder im Massai-Dorf.
  • Ende nächster Woche kommt Norbert zu Besuch. Nach seinem 6-monatigen Einsatz als Berater auf Zeit am anderen Ende der Welt in Neuseeland schließt er sein Sabbatical nun hier bei mir in Tanzania ab. Das wird ein krasser Gegensatz sein…aber vielleicht verliebt er sich ja auch in Tanzania ;-)
  • …und ich habe mir zu Ostern eine neue Sim-Card geschenkt! Tigo 4G…wow! Was ist das Netz jetzt hier schnell!

Ich wünsche euch allen ein wunderschönes Osterfest und ein paar entspannte und erholsame Feiertage!

Heat, Dust and Dreams

Mit meiner Abreise letztes Jahr am 2. November 2015 stand eigentlich auch schon wieder fest, dass ich bald zurück kommen würde. Alleine das Reisedatum war noch nicht fixiert und so habe ich meinen Koffer samt Inhalt direkt hier gelassen.
Tanzania macht süchtig. Das brauche ich wohl niemandem mehr zu erklären.

Knapp 2,5 Monate später bin ich also wieder in den Flieger gestiegen. Und in der Hitze und dem Staub Tanzanias lebe ich seit nun fast schon wieder 4 Wochen meinen afrikanischen Traum.
Auch wenn hier alles pole pole geht, so rast die Zeit einfach nur dahin. Die Tage scheinen mir manchmal kürzer als in Deutschland. Wobei das mit Sicherheit der Tatsache geschuldet ist, dass ich für viele Dinge, die ich in Deutschland mal eben kurz mache hier den halben Tag brauche. Ich komme aktuell kaum zum Schreiben, daher gibt es heute nur ein kurzes Lebenszeichen:

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Am Tag als der Regen kam…

…kam auch hier hier an. Dabei hatte ich so früh noch gar nicht mit der Regenzeit gerechnet. Dem Land tut der Regen gut, den Strassen jedoch nicht wirklich und so fahren wir momentan eher Umwege statt shortcuts um von A nach B und insbesondere Nachhause zu kommen.

 

 

 

 

Shule ya Secondaria in Ifakara
Gleich in der zweiten Woche bin ich nach Ifakara aufgebrochen, um nach unserer Sekundarschule zu sehen. Leider haben wir nicht im Januar eröffnen können. Denn seitens der Regierung gibt es immer wieder neue Auflagen, die wir einhalten müssen um die finale Registrierung zu bekommen. Hapa kazi tu – unser neuer Präsident Magufuli greift ganz schön durch. Mit all seinen positiven Seiten und Aspekten, die ich sehr begrüße, hat es aber in Bezug auf den Schulbau für uns gerade eher ein paar negative Aspekte. Somit heisst es durchhalten, Auflagen erfüllen, weiterbauen, um dann hoffentlich bald die Registrierung zu bekommen. Spaß hatten Erica und ich dennoch!

 

Mein OVC-Projekt
Aktuell habe wir viel Besuch im Projektbüro, denn unsere 200 Kinder aus dem Projekt müssen sich melden, ihre Schuleinschreibung und die letzten Zeugnisse vorbeibringen, um dann in Phase 2 des Projektes aufgenommen zu werden. So ganz nebenbei wird Mama Mwaiseje auch dem Papierchaos Herr – wie sie das macht, ich weiß es nicht. Aber sie hat das Chaos fest im Griff.

 

Und zu guter letzt, einfach weil sie so süß sind meine Kids…noch ein paar Bilder aus Projekt 3, der Nursery School

 

 

 

 

Frankfurt, 3 Grad Celcius

Und so schnell gehen 2,5 Monate rum. Am Montag nachmittag noch bei über 30 Grad in das Flugzeug in Dar-es-Salaam gestiegen und dann das…Frankfurt, 3 Grad Celsius und Zugverspätungen.
Karibu Deutschland, karibu Deutsche Bahn!
Bahnverspätungen stressen mich ja in der Regel nicht, sondern amüsieren mich viel mehr. Ohne ordentliche Winterausrüstung hat es am Dienstag morgen aber ganz schön an meinem Nervenkostüm gezerrt…zugige kalte Bahnhofshallen und Gleise sind nicht so mein Ding. Insbesondere nicht, wenn die passende Winterausrüstung nicht an der frau ist.

Der Abschied war wie erwartet nicht wirklich schön.
Es war eine wunderbare, wenn auch zu kurze Zeit. Aber ist das nicht immer so, wenn man sich wohl fühlt? Und ich habe mich mehr als wohl gefühlt. In den Projekten, in Kigamboni, in Dar-es-Salaam. Mit meinen Projektteams, meinen Nachbarn, meinen alten und neuen Bekannten und Freunden.

In allen 3 Projekten haben wir aus deutscher Sicht und mit deutschem Maßstab gerechnet nicht wirklich alles geschafft, was ich mir vorgenommen habe. Aber, wir haben viel geschafft. Mit einigem habe ich nicht mehr gerechnet und bin super stolz auf die Teammitglieder, dass sie das zum Schluss noch alles irgendwie hinbekommen haben. Hongera sana!

Das Konzept im Aids-Waisenprojekt für die nächsten Jahre steht, jetzt muss nur noch die finale Zusage seitens des Sponsoren zur Übernahme aller Kosten kommen.
Die Sekundarschule in Ifakara wird planmäßig im Januar eröffnet. Wenn gleich auch mit ein paar Einschränkungen baulicher Seite und weniger Schülerinnen als geplant.
Und in der Vorschule kann der Projektleiter nun auf ein ordentliches Berichtswesen zurückgreifen und die monatlich geforderten Abrechnungen liefern. Und die Baumaßnahmen für die Erweiterung haben begonnen.

Spannend ist nun, wie sich alles weiterentwickelt…

Ich für mich habe viel mit der Zeit in 2009 und 2010 verglichen: wie ich heute im Vergleich zu damals reagiere und agiere. Und ich kann in der Tat sagen, dass ich in vielen Dingen einfach ruhiger bin und weniger selbst Hand angelegt habe. Akzeptieren kann, dass Dinge nicht so funktionieren wie es Deutschland gerne hätte, und eine bessere Kulturübersetzerin bin. Denn als Kulturübersetzerin sehe ich letztendlich meine Aufgabe. Ich habe viel mehr das Leben genossen, viele neue Dinge ausprobiert, Sonne, Farben und den Alltag dort aufgesogen…so dass ich bis zum nächsten Mal in Tanzania tatsächlich wieder einen Anker habe, an den ich mich halten kann, wenn es mir in Deutschland zu schnell geht und zu grau ist.

Es sind die Begegnungen mit Menschen,
 die das Leben lebenswert machen und die meinen Einsatz als Beraterin auf Zeit so wunderbar gemacht haben.

Daher gilt mein Dank an Fred Walch, der einmal wieder mein Soundboard war, wenn es in den Projekten gehakt hat.
Danke auch an meinen Mann Olli, der mich wieder einmal hat ziehen lassen. Einfach weil er weiß, dass mir Tanzania am Herzen liegt und so wichtig für mich ist.

Mein größter Dank geht aber…
… an meine Teamkollegen, die mich auch ausserhalb des eigentlichen Projekteinsatzes in ihre Familien integriert haben. Die sich von mir haben antreiben lassen und die ich mit Sicherheit das ein oder andere Mal auch ein wenig überfordert habe. Gemeinsam haben wir wieder einiges bewerkstelligt.
… an all meine Freunde und Bekannte in Tanzania, die mich wieder einmal mit offenen Armen empfangen haben, an ihrem Leben haben teilhaben lassen, die mich ihrer Kultur wieder ein Stückchen näher gebracht haben. Die Sätze zig mal wiederholt haben, weil ich den Satz nicht auf Anhieb verstanden habe, die für mich übersetzt haben, die mit mir unterwegs waren und auch die eine oder andere Nacht durchgetanzt haben. Ihr habt mir einmal wieder gezeigt, was wirklicher Luxus ist. Nämlich Zeit haben und das Leben genießen, ohne Uhr, ohne Druck, ohne den ganzen Schnickschnack hier in Deutschland.
Danke! Und es hat sich wieder einmal gezeigt, dass man aus so einem Einsatz mit viel mehr zurück kommt, als man gegangen ist oder eventuell dort gegeben hat.

Ich werde mit Sicherheit wieder eine Weile zu kämpfen haben, bis ich tatsächlich wieder hier angekommen bin. Das Zurückkommen ist einfach wesentlich schwieriger als das Gehen. Aber ich weiß auch, dass ich irgendwann wieder zurück bin – in Tanzania.

Kweli, unaondoka? Utarudi lini?
Bado sijui. Lakini nitarudi – hivi karibuni! Versprochen!

Die letzten Wochen im Schnelldurchlauf…

Haraka, haraka, haina baraka…Eile mit Weile…Die letzten paar Tage und Wochen hat das leider nicht so wirklich zugetroffen. Wenn man merkt, dass die Zeit immer schneller vergeht und die eigenen Tage in Tanzania gezählt sind, dann versucht man doch immer noch alles unter einen Hut zu bekommen, nochmal alle zu sehen, Teilprojekte zum Abschluss oder auf einen guten Weg zu bringen und fragt sich, wo nur 2,5 Monate geblieben sind.

Daher gibt es heute im Schnelldurchlauf die letzten Tage und Wochen:

Ekke ist da
Es ist unglaublich aber wahr. Mein ehemaliger Arbeitskollege bei hansgrohe, der nur ca. 40km von mir zuhause entfernt wohnt und den ich in Deutschland so gut wie nie sehe, war einmal wieder in Tanzania! Einmal wieder, denn das letzte Mal haben wir uns vermutlich in 2009 auch hier in Tanzania gesehen.
Siehe auch Versprich dem Ekke nichts, was du nicht halten kannst

 

Sherehe ya watoto
Am 10. Oktober war es endlich soweit! Seit mehreren Jahren veranstaltet mein OVC-Projekt einen Kindertag, an dem alle Kinder, Vormünder und Schüler zu einer kleinen Feier eingeladen sind. Es gibt Essen und Trinken, die besten Schüler werden ausgezeichnet und jedes der Kinder erhält ein paar kleine Geschenke. 120 Kinder waren dieses Mal da. Die Kirche in Mabibo war gut gefüllt und wir hatten einen recht lustigen Tag. Ich hatte nun das erste Mal das Glück, am Kindertag mit dabei zu sein. Neben den Homevisits die wir gemacht haben, eine weitere Möglichkeit viele der Kinder von früher wieder zu sehen. Naja, Kinder sind es ja nicht mehr wirklich. Es sind junge Erwachsene geworden und es war schön zu sehen, dass es ihnen gut geht und dass die Unterstützung durch uns sie tatsächlich erreicht und ihnen die Schulausbildung ermöglicht.

 

Geburtstagsfeier in der Shelter
Mapikipiki ist 25 geworden! Er ist einer der großen Jungs in der Shelter von KCC. Und weil viele der kleinen Jungs, die dort wohnen nicht wissen, wann sie geboren sind, hat Mapikipiki kurzerhand seinen Geburtstag zum Geburtstag aller dort lebenden Kinder erklärt. Noch ein Nachmittag mit Kuchen, Huhn, Soda und Tanz!

 

Noch mehr home-visits
Ich bin leider? mittlerweile ziemlich abestumpft, was Leid und Elend angeht. Dennoch lassen mich manche Geschichten dann doch nicht kalt. Die home-visits in der ersten Runde waren gelinde gesagt nichts, gegen das, was ich dieses Mal gesehen habe. Und doch treffe ich dann inmitten des Elends Kinder an, die Klassenbeste sind, die selbstbewusst sind und die es irgendwie schaffen, im heillosen Durcheinander und inmitten betrunkener Nachbarn und Angehöriger zu lachen und an ihrer eigenen besseren Zukunft arbeiten.

 

Erection Day in Tanzania
Die letzten Wochen gab es hier nur ein Thema: die Wahlen! Und so hat dann auch ein boda-boda Fahrer letzten Samstag zu mir gesagt „Tomorrow is erection day in Tanzania!“. Da konnte ich nur darauf antworten: „ Aha! I am very much looking forward to it!“

So viel zu der spaßigen Seite der Wahlen…

Die nicht so spaßige Seite haben schon ein paar Tage vor den Wahlen angefangen. Lebensmittel- und Wasservorräte sollten aufgefüllt werden, es wurde zu erhöhter Vorsicht geraten. Am Samstag, dem Vortag des Wahltags gab es ab 18 Uhr Versammlungsverbot und alle Kneipen haben gegen 23 Uhr dicht gemacht. Es war Totenstille in der Nacht! Tanzanier, die sich für die Wahl registriert haben, haben sich am Sonntag nicht auf den Wahllisten wiedergefunden. Die Uni wurde dicht gemacht. Wer sich also dort registriert hatte, konnte nicht wählen. Auch am Montag waren fast alle Geschäfte hier auf Kigamboni geschlossen, Büros waren zu und am Strand war es herrlich leer.

Heute soll nun eigentlich das Ergebnis verkündet werden….in einigen Teilen des Landes ging es die letzten Tage hoch her. Brennende Wahlurnen, Tränengas im Einsatz, ein paar Tote. In Kigamboni ist es weiterhin ruhig. Auf Zanzibar ist gestern die Wahl für ungültig erklärt worden. „Shida!“, so die Aussage vieler Tanzanier. Ich will mich dazu gar nicht äussern, ausser dass die ganze Veranstaltung eher einer Farce, als einer demokratischen Wahl gleicht. Ich bin gespannt, was heute verkündet wird und wie sich die Lage hier weiter entwickelt.

Den Text gestern morgen geschrieben, dann kein ordentliches Internet. Somit geht der Post mit einem Tag Verspätung on air und ich kann nun heute verkünden: wir haben einen neuen Präsidenten. CCM hat das Rennen mal wieder gemacht. Wer hätte das gedacht?!?

 

Erste Abschiedsrunden…

Ausflug nach Ifakara

Ich wusste gar nicht mehr, wie anstrengend und adrenalinreich Überlandfahrten in Tanzania sind. Da sieht man einmal wieder, wie nicht ganz so spannende Ereignisse doch recht schnell verdrängt werden…

Dienstag morgen letzter Woche um 3 Uhr ging es los. Mein Wecker klingelte zu einer Uhrzeit jenseits von gut und böse. Kurz vor 4 Uhr wurde ich vom Taxifahrer meines Vertrauens abgeholt und um 5 saß ich dann im Bus. Um 7 Uhr ging es endlich los. 6-8 Stunden waren von meinen tansanischen Kollegen anvisiert. Im Endeffekt sind wir um 17 Uhr in Ifakara gelandet. Durchgeschüttelt, verschwitzt und leicht dehydriert, denn wir haben mal wieder nur einen Pippi-Stopp eingelegt, was bedeutet, dass ich die Flüssigkeitsaufnahme drastisch reduzieren musste.

Schon beim Einstieg in den Bus wusste ich, dass ich meinen Platz teilen würde. Erica neben mir hat mich zwar freundlicherweise ans Fenster sitzen lassen, dafür aber auch die Hälfte meines Sitzes mit beansprucht und kurz nach der Abfahrt ganz gemütlich an meiner Schulter ein Nickerchen gemacht. Beinfreiheit null, Kopf anlehnen nicht möglich, weil Rückenlehne zu kurz und on top ein Busfahrer, der mir eine vergnügliche und adrenalinreiche Fahrt beschert hat. Aber: wir sind heil angekommen, das ist die Hauptsache.

Besonderes Highlight auf einer Fahrt gen Westen ist, dass man den Mikumi-Nationalpark durchquert und vom Bus aus Elefanten, Zebras, Giraffen und anderes weniger spektakuläres Wild vors Auge bekommt.

Unfassbar hingegen macht mich dann, dass man im Bus zwar einen Mülleimer hat, den aber kurzerhand während der Fahrt im Ruaha-River entleert. So geht Abfallentsorgung!

Auch der Rückweg war spannend. Dieses Mal ein Dreisitzer…Niemals nicht, werde ich den Gangplatz wieder wählen…zwar hatte ich immense Beinfreiheit, die habe ich aber damit bezahlt, dass ich zur Hälfte in der Luft hing und ich mich mit meinem linken Arm ständig auf der gegenüberliegenden Seite versucht habe abzustützen.

Karibu Nyumbani
Ifakara – Ein kleines Städtchen, staubig, heiß, aber total entspannt. Es wäre fast Urlaubsfeeling aufgekommen, wenn nicht mein geliebtes Meer gefehlt hätte. Ifakara ist Hauptort des Kilombero-Distrikts in Tanzania, liegt im Tal des Kilombero-Flusses, rund 400 Kilometer südwestlich von Dar-es-Salaam. Der Ort hat rund 46.000 Einwohner, Vororte eingeschlossen rund 80.000. Ifakara ist Verwaltungszentrum des Kilombero-Distrikts und wichtiges Handelszentrum für das Kilombero-Tal. Schade, dass ich zum Arbeiten hier her gekommen bin und nicht wirklich Zeit hatte die Gegend zu erkunden.

Großes Hallo dann bei Erica Zuhause: Faustin – Ericas Mann hatte ich das letzte Mal in 2009 gesehen – der Stiefsohn, samt Freunden und der ganzen Nachbarschaft. Mir scheint, halb Ifakara hat sich im Hof von Ludelas die Hand gegeben, denn nicht alle Tage sitzt da eine mzungu. Und wenn sie dann auch noch lustig swahili vor sich hin plappert, mit Faustin kocht und in der Nachbarschaft Wasser einkaufen geht, dann ist Trubel angesagt. Jeden Abend gab es lecker Fisch, Reis und Gemüse und Chachandu – eine Tomatensauce -, die so lecker schmeckt, dass ich Fisch und Gemüse nicht wirklich gebraucht hätte. Am Donnerstag haben wir dann auch den Kilombero-River angeschaut. Hm, ja, hätte ich besser nicht gesehen, weil man sich dann schon fragt, wieso man den Fisch aus dem Dreckwasser isst…und der auch noch lecker schmeckt.

Erica und ihr Familie haben auf jeden Fall dafür gesorgt, dass ich mich bei ihnen wie zuhause gefühlt habe. Übernachtet habe ich dennoch in einem kleinen Gästehaus in der Nachbarschaft. Die Aussicht mit Erica und Faustin das Bett zu teilen und quasi 24 Stunden on duty zu sein erschien mir dann doch nicht so spaßig.

 

Pole kwa kazi
Der Grund meines Ausflugs nach Ifakara war aber nicht lustig durch die Gegend zu fahren und mich satt zu essen, sondern Arbeit stand auf dem Plan. Kazi kubwa sozusagen.

Am Mittwoch und Donnerstag stand der Besuch der Sekundarschule an, die offiziell im Januar eröffnet werden und an der ab Oktober bereits die pre-form one stattfinden soll. Ich wusste, dass die tanzanische Definition, von „die Schule ist fertig und wir können mit dem Unterricht starten“, womöglich nicht ganz mit meiner übereinstimmen würde. Dennoch war ich, sagen wir mal – positiv formuliert – überrascht, wie stark das, was ich sehen musste von meiner Vorstellung abwich….ich stand quasi vor 2 Rohbauten. Wir müssen uns also ganz schön warm anziehen und auf das Nötigste kürzen, um die Schule tatsächlich planmäßig eröffnen zu können.

Aber, wenn das ganze Bauvorhaben fertig ist, also deutsch-tanzanisch fertig, wird es toll werden. 9 km von Ifakara entfernt, 2 km bis zur „besseren“ Strasse und umgeben von Cashew-Bäumen, Mango-Bäumen und Bergen. Da lässt es sich mit Sicherheit gut lernen.

Ich muss mich also weiterhin in Geduld üben, bis die Registrierung durch ist, die Anmeldeformulare fertig sind, wir nächsten Montag nochmal das Budget durchkauen und dem Bauherrn klar machen, was er bauen soll und was noch warten muss, bis wieder Geld in der Kasse ist.

Mal wieder eine harte Probe für mich, denn das, was für mich irgendwie klar erscheint, und Grundstock eines jeden Bauvorhabens ist, ist hier Neuland. Keine klare Planung, keine Budgetaufstellung und für den dann bald laufenden Betrieb keine Cash-Flow Aufstellung…Aber mit meiner Zuversicht und Beharrlichkeit und der Kreativität meiner tanzanischen Kollegen werden wir die Schule schon noch rocken! Da bin ich mir sicher.

Habari wa Tanzania – Zeit für ein Update aus Tanzania

Mittlerweile bin ich schon 3 Wochen hier. Die Zeit vergeht wie im Flug.
Die zweite Woche lag ich erst mal mit Fieber flach und war nur 2 Tage am arbeiten. Der kuehle Wind – ja es ist gerade recht chilly hier – , das Runterkommen, keine Ahnung was es war. Auf jeden Fall wurde ich erst einmal gut ausgebremst…

Diese Woche war nun wieder gefüllt mit Projektarbeit. Es gestaltet sich in allen 3 Projekten ziemlich zaeh. Entweder ich komme ins Büro und man sagt mir, dass man heute nur bis 11 Uhr im Büro ist (ich bin um 10.30 Uhr angekommen, nicht wie verabredet um 10 Uhr), oder man muss auf eine Beerdigung, oder erscheint erst gar nicht. Gut, ich fahre ja gerne 2 Stunden zur Arbeit, um diese Neuigkeiten zu erfahren…und dann wieder den Heimweg anzutreten.

In Projekt 2 lief diese Woche gar nichts, weil großes Frauentreffen ist.

In Projekt 3 herrscht das große Problem, dass man vor Ort nicht wirklich arbeiten kann, weil kein Büro, dafür aber 80 schreiende Kinder und kein Strom. Unser Treffen am Mittwoch – das Meeting fand aus gegebenem Anlass in einer Beach Lodge am Strand statt – war sehr produktiv, dafür dann gestern am Projektstandort dann das komplette Gegenteil.

Den gestrigen Tag habe ich nun in „meinem neuen Büro“ verbracht. Freies W-LAN, Strom satt, ein kühles Tangawizi und diese Aussicht….mehr brauche ich wohl nicht sagen.

Da sind die ständigen Powercuts – am Montag wurde ein 7-tägiger Powercut angekündigt – doch recht gut zu ertragen. Einzig und allein unserem Kühlschrank gefällt es nicht so wirklich gut und auch ich finde es am Morgen recht unertraeglich, wenn ich zwar tolle Kaffeebohnen habe, aber keinen Strom um diese zu mahlen…Ich mahle also vor…auch wenn das dem Aroma nicht gerade zuträglich ist. Jammern auf hohem Niveau!

Wie komme ich eigentlich zur Arbeit?
Die Fahrt in die Stadt ins OVC-Büro, aber auch ins Büro nach Chamazi nimmt zwar jeden Tag viel Zeit in Anspruch. Der einfache Weg ist – wenn alles gut geht – eine Stunde, meist ende ich aber bei 2 Stunden. Der Verkehr ist abartig und eines der Verkehrsmittel hat mit Sicherheit einen Aussetzer oder wird von der Polizei geräumt, weil der Kohlesack, den jemand mit an Bord genommen hat, zu groß ist und das Bakshish wohl für den Polizei-Freak zu wenig. So geschehen gestern irgendwo zwischen Mbagala und Chamazi. Und ich glücklich, das richtige dala-dala im Trubel von Mbagala gefunden zu habe, musste dann wieder aufs Neue suchen. Zwei Stunden hören sich zwar lang an, aber ich wechsle so oft das Fahrzeug, dass es nie langweilig wird. Und die Fahrt lohnt sich allemal, um am Abend wieder hier auf Kigamboni zu sein, wo das Leben so viel entspannter ist, als im lauten, staubigen und überfüllten Dar-es-Salaam.

So habe ich jeden Morgen 5 Minuten Fußmarsch zum boda-boda Stand (Motorradtaxi), das mich an die Hauptstrasse bringt. Von dort aus geht es im dala-dala weiter. Bis nach Chamazi wechsle ich das dala-dala noch einmal in Kongowe und in Mbagala, bevor ich endlich in Msambarauni oder Stendi Kanisani ankomme und noch 10 Minuten ins Büro laufe.

Wenn es nach Dar rein geht, ist es sogar noch abwechslungsreicher:
Das boda-boda bringt mich zur Hauptstrasse, das dala-dala zur Fähre. Mit der Fähre geht’s dann rüber nach Dar. Dort nehme ich ein shared bajaji (ein tuktuk) bis Mnasi-Moja weil es einfach schneller durch den Stau kommt und ein dala-dala bis direkt vors Büro.

Nächste Woche geht’s nun per Überlandbus nach Ifakara, um einmal den Status in Projekt 2 – die Sekundarschule für Mädchen – in der Realität zu sehen. Wenn alles gut geht, nur 6-8 Stunden Fahrzeit… ich freu mich jetzt schon drauf…Busfahren ist ja nun gar nicht meins….

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