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Die Sache mit der Uhrzeit

In Tanzania ticken die Uhren anders. Nicht nur langsamer, sondern wirklich anders. So manch einer hat damit seine Schwierigkeiten, denn was bei uns 7 Uhr morgens ist, ist hier saa 1 asubuhi (1 Uhr morgens). 19 Uhr abends ist saa 1 jioni (7 Uhr abends), etc.

Warum? Die Bezugspunkte sind Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Die meisten Swahili-Sprecher leben in der Nähe des Äquators, wo die Sonne zu jeder Jahreszeit zur gleichen Zeit auf- bzw. untergeht. Der Sonnenaufgang ist so konstant, dass man die Uhr danach stellen kann. Um 6 Uhr geht die Sonne auf, also ist sie um 7 Uhr seit einer Stunde zu sehen. Somit ist es 1 Uhr morgens. Um 18 Uhr geht die Sonne unter, somit ist 19 Uhr abends unserer Zeit, eine Stunde nach Sonnenuntergang, also saa 1 jioni.

In der Vorbereitung auf einen Einsatz in Tanzania erzähle ich das immer wieder, und so manch einer meiner Berater auf Zeit stand 6 Stunden zu früh (das ist ja eigentlich nicht so dramatisch) an der Bushaltestelle oder hat vergeblich, bzw. 6 Stunden darauf gewartet, dass der Gegenüber endlich erscheint.

Auch ich muss gestehen, dass ich letzte Woche über eine Stunde auf meinen Projektpartner gewartet, ihn dann um 11 Uhr angerufen habe, um dann festzustellen, dass ich in meiner eMail den Megafehler hatte. Ich habe geschrieben wir treffen uns um „saa 10“, was mein Kollege ganz richtig als 4 Uhr mittags gelesen hat. Dabei meinte ich 10 Uhr morgens. Wakati shiti hits shabiki…

Und was sonst so geschah die letzten Tage…
…Powercuts:
Ich hangle mich mal wieder von Powercut zu Powercut. Es ist gerade echt heftig. Auf der Suche nach Strom und damit auch Internetzugang verbringe ich somit recht viel Zeit in Kijiji Beach, meinem neuen Home-Office, denn da gibt es einen Generator und somit immer Strom. Zuhause sitze ich dann bei Kerzenschein und Solarlämpchen und freue mich, dass wir hier mit Gas kochen. Sonst gäbe es wohl häufiger kalte Küche im wahrsten Sinne des Wortes.
Die häufigen Powercuts verursachen aber auch immer wieder Schäden an elektrischen Geräten. Und so haben wir neulich abends vergeblich auf unsere Pizza gewartet, die uns eigentlich nach 20 Minuten (tanzanischer Zeit ;-) ) serviert werden sollte. Nach über 1 Stunde kam der Koch, um uns mitzuteilen, dass es heute dann doch keine Pizza gibt, weil der Pizzaofen nen Kurzen hat…

… Bajaji-Fahren:
Letzte Woche bin ich dann auch tatsächlich mal Bajaji gefahren. Eigentlich nix neues, denn Bajaji fahre ich ständig. Aber in diesem Fall war es eine Novität, denn ich bin selbst gefahren!!! So genial. Ich glaube, wenn ich mich dann mal hier niederlasse, werde ich Bajaji-Fahrerin. Ich sehe schon jetzt den Aufschrei unter den männlichen tanzanischen Bajaji-Fahrer-Kollegen und dem Rest der Bevölkerung.

…darf ich vorstellen: Nuru!
Für die meisten Tanzanier ist mein Name zu schwierig. Um sich ihn zu merken, oder um ihn richtig auszusprechen. So nennt man mich hier Elk, Ekke, Eleke oder gar Erica. Also habe ich kurzerhand letzte Woche beschlossen, dass ich mir einfach einen tanzanischen Namen gebe. Das macht die Sache einfacher und bringt immer einen Lacher mit sich. Darf ich vorstellen: mein Name ist Nuru. Nuru bedeutet übrigens Licht.

…aehm, kennen wir uns?
Ich kann mir eigentlich recht gut Namen und Gesichter merken. Aber hier habe ich so meine Schwierigkeiten. Und so wird es langsam aber sicher peinlich. Denn die meisten boda-boda Fahrer kennen mich mittlerweile. Ich muss nicht mehr um den Preis feilschen, sie wissen, wo ich wohne und manch einer weiß sogar meinen Namen „Mzungu“, Erica, ähnliches, oder eben seit letzter Woche Nuru. Ich hingegen kann mich in den seltensten Fällen an den Fahrer erinnern. Ich hoere gerade ständig „Twende Kisota“, „Hey, Nuru, twende Ujerumani“ oder, „Weißt du noch wie ich heiße?“ Aehm noe. Hast du mich schon mal gefahren? „Man, erst gestern haben wir zusammen Tomaten oder Wasser eingekauft…wie kannst du dich nicht mehr an mich erinnern?
Asche auf mein Haupt….ich schiebe es jedes Mal auf mein Alter….und auf die Tatsache, dass ich die meiste Zeit ja eh nur den Rücken des boda-boda-Fahrers sehe…

…Susi ist da!
Im Juni und Juli war Susi als Beraterin auf Zeit im Kigamboni Community Center. Berater auf Zeit sind Wiederholungstäter und wer sich einmal in Tanzania verliebt, der kommt auch immer wieder. Und so verbringe ich gerade ein wenig Zeit mit ihr, freue mich, dass ich einmal wieder deutsch mit jemandem reden kann und vermisse sie schon jetzt, denn am Sonntag heisst es dann auch schon wieder Abschied nehmen.

Ein Blog-Beitrag ganz ohne Arbeit…im nächsten Beitrag gehts dann mal wieder um meinen Projekteinsatz – versprochen!

Habari wa Tanzania – Zeit für ein Update aus Tanzania

Mittlerweile bin ich schon 3 Wochen hier. Die Zeit vergeht wie im Flug.
Die zweite Woche lag ich erst mal mit Fieber flach und war nur 2 Tage am arbeiten. Der kuehle Wind – ja es ist gerade recht chilly hier – , das Runterkommen, keine Ahnung was es war. Auf jeden Fall wurde ich erst einmal gut ausgebremst…

Diese Woche war nun wieder gefüllt mit Projektarbeit. Es gestaltet sich in allen 3 Projekten ziemlich zaeh. Entweder ich komme ins Büro und man sagt mir, dass man heute nur bis 11 Uhr im Büro ist (ich bin um 10.30 Uhr angekommen, nicht wie verabredet um 10 Uhr), oder man muss auf eine Beerdigung, oder erscheint erst gar nicht. Gut, ich fahre ja gerne 2 Stunden zur Arbeit, um diese Neuigkeiten zu erfahren…und dann wieder den Heimweg anzutreten.

In Projekt 2 lief diese Woche gar nichts, weil großes Frauentreffen ist.

In Projekt 3 herrscht das große Problem, dass man vor Ort nicht wirklich arbeiten kann, weil kein Büro, dafür aber 80 schreiende Kinder und kein Strom. Unser Treffen am Mittwoch – das Meeting fand aus gegebenem Anlass in einer Beach Lodge am Strand statt – war sehr produktiv, dafür dann gestern am Projektstandort dann das komplette Gegenteil.

Den gestrigen Tag habe ich nun in „meinem neuen Büro“ verbracht. Freies W-LAN, Strom satt, ein kühles Tangawizi und diese Aussicht….mehr brauche ich wohl nicht sagen.

Da sind die ständigen Powercuts – am Montag wurde ein 7-tägiger Powercut angekündigt – doch recht gut zu ertragen. Einzig und allein unserem Kühlschrank gefällt es nicht so wirklich gut und auch ich finde es am Morgen recht unertraeglich, wenn ich zwar tolle Kaffeebohnen habe, aber keinen Strom um diese zu mahlen…Ich mahle also vor…auch wenn das dem Aroma nicht gerade zuträglich ist. Jammern auf hohem Niveau!

Wie komme ich eigentlich zur Arbeit?
Die Fahrt in die Stadt ins OVC-Büro, aber auch ins Büro nach Chamazi nimmt zwar jeden Tag viel Zeit in Anspruch. Der einfache Weg ist – wenn alles gut geht – eine Stunde, meist ende ich aber bei 2 Stunden. Der Verkehr ist abartig und eines der Verkehrsmittel hat mit Sicherheit einen Aussetzer oder wird von der Polizei geräumt, weil der Kohlesack, den jemand mit an Bord genommen hat, zu groß ist und das Bakshish wohl für den Polizei-Freak zu wenig. So geschehen gestern irgendwo zwischen Mbagala und Chamazi. Und ich glücklich, das richtige dala-dala im Trubel von Mbagala gefunden zu habe, musste dann wieder aufs Neue suchen. Zwei Stunden hören sich zwar lang an, aber ich wechsle so oft das Fahrzeug, dass es nie langweilig wird. Und die Fahrt lohnt sich allemal, um am Abend wieder hier auf Kigamboni zu sein, wo das Leben so viel entspannter ist, als im lauten, staubigen und überfüllten Dar-es-Salaam.

So habe ich jeden Morgen 5 Minuten Fußmarsch zum boda-boda Stand (Motorradtaxi), das mich an die Hauptstrasse bringt. Von dort aus geht es im dala-dala weiter. Bis nach Chamazi wechsle ich das dala-dala noch einmal in Kongowe und in Mbagala, bevor ich endlich in Msambarauni oder Stendi Kanisani ankomme und noch 10 Minuten ins Büro laufe.

Wenn es nach Dar rein geht, ist es sogar noch abwechslungsreicher:
Das boda-boda bringt mich zur Hauptstrasse, das dala-dala zur Fähre. Mit der Fähre geht’s dann rüber nach Dar. Dort nehme ich ein shared bajaji (ein tuktuk) bis Mnasi-Moja weil es einfach schneller durch den Stau kommt und ein dala-dala bis direkt vors Büro.

Nächste Woche geht’s nun per Überlandbus nach Ifakara, um einmal den Status in Projekt 2 – die Sekundarschule für Mädchen – in der Realität zu sehen. Wenn alles gut geht, nur 6-8 Stunden Fahrzeit… ich freu mich jetzt schon drauf…Busfahren ist ja nun gar nicht meins….