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Siem Reap/Kambodscha… Ich bleib dann mal länger!

Theoretisch wäre meine Zeit hier bei EGBOK und in Siem Reap inzwischen vorbei. Aber eben nur theoretisch. Praktisch habe ich meinen Aufenthalt hier um weitere 2 Wochen verlängert und meinen Aufenthalt in und um Kambodscha um einen Monat. Im Prinzip ist damit über meine aktuelle Situation und die vergangenen Wochen schon alles gesagt. Ich fühle mich so wohl und gut aufgehoben, dass ich mich entschlossen habe, länger zu bleiben.

Inzwischen ist es im EGBOK Haus sehr ruhig geworden, weil die Studierenden seit knapp 2 Wochen den zweiten Praktikumsteil ihrer Ausbildung absolvieren. D.h. sie sind alle für 3 Monate wahlweise in Hotels oder Restaurants, in denen sie all das praktisch umsetzen können, was sie bisher gelernt haben. In Vorbereitung darauf, wurden „Probe-Interviews“ abgehalten, bei denen immer ein Khmer-sprechender Kollege/Kollegin und ein „westerner“ anwesend sein sollten. Die Studierenden wurden jeweils einzeln in einen Raum gerufen, in dem dann eben u.a. auch ich saß. Ich weiß gar nicht, wer zu Beginn aufgeregter war, weil mir die Führung des Interviews obliegen sollte. Es gab eine Liste mit Fragen auf englisch, die sich auf die bisherige Ausbildung, aber auch auf einige eher persönliche Dinge, wie z.B. Fragen nach Familie, Geschwister bezogen. Diese Fragen hatten die Studierenden vorher auch erhalten und konnten sich entsprechend darauf vorbereiten. Das Ganze sollte dazu dienen, eine solche Situation zu simulieren und den Studierenden ein wenig mehr Selbstsicherheit zu geben. Insgesamt waren die Gespräche auf 3 Tage verteilt mit jeweils ca. 15 minütigen Interviews und einer anschließenden Einschätzung mit der Kollegin oder dem Kollegen. Besonders gut hat mir daran gefallen, dass ich die Möglichkeit hatte, etwas mehr über die Studierenden zu erfahren und ihnen ein wenig „näher“ zu kommen. Und da war die ganze Bandbreite dabei. Von eher schüchtern und nervös auftretenden Jugendlichen, die einfach alle Fragen auswendig gelernt hatten und nun alles runter beteten, was Ihnen im Gedächtnis geblieben war, über relativ entspannte Kandidaten bis hin zu wirklich beeindruckenden Gesprächen. Einige von ihnen erzählten auch sehr persönliche Dinge, wie beispielsweise vom Tod eines oder gar beider Elternteile, Zeiten bei Onkeln und Tanten oder in Heimen. Ich war jedenfalls von jeder und jedem einzelnen tief beeindruckt und wusste einmal mehr, warum ich hier war und von dem Projekt so begeistert bin.

Inzwischen ist meine letzte Woche angebrochen und obwohl ich mich natürlich auch darauf freue, wieder nach Hause zu fahren, fällt mir der Abschied auch sehr schwer. Ich hatte vor ein paar Tagen die Gelegenheit, den Studierenden hier einen kleinen Vortrag über mein Heimatland zu präsentieren und das war definitiv eines der Highlights hier. Zu sehen, mit welcher Begeisterung sie alle Informationen aufgenommen haben, wie interessiert sie nachgefragt haben, war einfach großartig und hat sehr viel Spaß gemacht. Als Höhepunkt des Ganzen habe ich (Klischee…Klischee…) einen Schnellkurs im „Schuhplatteln“ gemacht und die Studierenden und Kolleginnen und Kollegen waren so begeistert, dass sie gar nicht mehr aufhören wollten. Ein tolles Erlebnis und für mich die schönste Art, mich von den Jugendlichen hier zu verabschieden. Es gab natürlich noch viele andere gemeinsame Erlebnisse, die ich hier gar nicht alle aufzählen kann. Jetzt heißt es also Abschied nehmen! Ich werde noch ein bisschen in Asien bleiben bevor ich dann meine Heimreise antrete. Der nächste Beitrag wird dann wohl von Rückkehr und Rückblick handeln.

 

Frankfurt, 3 Grad Celcius

Und so schnell gehen 2,5 Monate rum. Am Montag nachmittag noch bei über 30 Grad in das Flugzeug in Dar-es-Salaam gestiegen und dann das…Frankfurt, 3 Grad Celsius und Zugverspätungen.
Karibu Deutschland, karibu Deutsche Bahn!
Bahnverspätungen stressen mich ja in der Regel nicht, sondern amüsieren mich viel mehr. Ohne ordentliche Winterausrüstung hat es am Dienstag morgen aber ganz schön an meinem Nervenkostüm gezerrt…zugige kalte Bahnhofshallen und Gleise sind nicht so mein Ding. Insbesondere nicht, wenn die passende Winterausrüstung nicht an der frau ist.

Der Abschied war wie erwartet nicht wirklich schön.
Es war eine wunderbare, wenn auch zu kurze Zeit. Aber ist das nicht immer so, wenn man sich wohl fühlt? Und ich habe mich mehr als wohl gefühlt. In den Projekten, in Kigamboni, in Dar-es-Salaam. Mit meinen Projektteams, meinen Nachbarn, meinen alten und neuen Bekannten und Freunden.

In allen 3 Projekten haben wir aus deutscher Sicht und mit deutschem Maßstab gerechnet nicht wirklich alles geschafft, was ich mir vorgenommen habe. Aber, wir haben viel geschafft. Mit einigem habe ich nicht mehr gerechnet und bin super stolz auf die Teammitglieder, dass sie das zum Schluss noch alles irgendwie hinbekommen haben. Hongera sana!

Das Konzept im Aids-Waisenprojekt für die nächsten Jahre steht, jetzt muss nur noch die finale Zusage seitens des Sponsoren zur Übernahme aller Kosten kommen.
Die Sekundarschule in Ifakara wird planmäßig im Januar eröffnet. Wenn gleich auch mit ein paar Einschränkungen baulicher Seite und weniger Schülerinnen als geplant.
Und in der Vorschule kann der Projektleiter nun auf ein ordentliches Berichtswesen zurückgreifen und die monatlich geforderten Abrechnungen liefern. Und die Baumaßnahmen für die Erweiterung haben begonnen.

Spannend ist nun, wie sich alles weiterentwickelt…

Ich für mich habe viel mit der Zeit in 2009 und 2010 verglichen: wie ich heute im Vergleich zu damals reagiere und agiere. Und ich kann in der Tat sagen, dass ich in vielen Dingen einfach ruhiger bin und weniger selbst Hand angelegt habe. Akzeptieren kann, dass Dinge nicht so funktionieren wie es Deutschland gerne hätte, und eine bessere Kulturübersetzerin bin. Denn als Kulturübersetzerin sehe ich letztendlich meine Aufgabe. Ich habe viel mehr das Leben genossen, viele neue Dinge ausprobiert, Sonne, Farben und den Alltag dort aufgesogen…so dass ich bis zum nächsten Mal in Tanzania tatsächlich wieder einen Anker habe, an den ich mich halten kann, wenn es mir in Deutschland zu schnell geht und zu grau ist.

Es sind die Begegnungen mit Menschen,
 die das Leben lebenswert machen und die meinen Einsatz als Beraterin auf Zeit so wunderbar gemacht haben.

Daher gilt mein Dank an Fred Walch, der einmal wieder mein Soundboard war, wenn es in den Projekten gehakt hat.
Danke auch an meinen Mann Olli, der mich wieder einmal hat ziehen lassen. Einfach weil er weiß, dass mir Tanzania am Herzen liegt und so wichtig für mich ist.

Mein größter Dank geht aber…
… an meine Teamkollegen, die mich auch ausserhalb des eigentlichen Projekteinsatzes in ihre Familien integriert haben. Die sich von mir haben antreiben lassen und die ich mit Sicherheit das ein oder andere Mal auch ein wenig überfordert habe. Gemeinsam haben wir wieder einiges bewerkstelligt.
… an all meine Freunde und Bekannte in Tanzania, die mich wieder einmal mit offenen Armen empfangen haben, an ihrem Leben haben teilhaben lassen, die mich ihrer Kultur wieder ein Stückchen näher gebracht haben. Die Sätze zig mal wiederholt haben, weil ich den Satz nicht auf Anhieb verstanden habe, die für mich übersetzt haben, die mit mir unterwegs waren und auch die eine oder andere Nacht durchgetanzt haben. Ihr habt mir einmal wieder gezeigt, was wirklicher Luxus ist. Nämlich Zeit haben und das Leben genießen, ohne Uhr, ohne Druck, ohne den ganzen Schnickschnack hier in Deutschland.
Danke! Und es hat sich wieder einmal gezeigt, dass man aus so einem Einsatz mit viel mehr zurück kommt, als man gegangen ist oder eventuell dort gegeben hat.

Ich werde mit Sicherheit wieder eine Weile zu kämpfen haben, bis ich tatsächlich wieder hier angekommen bin. Das Zurückkommen ist einfach wesentlich schwieriger als das Gehen. Aber ich weiß auch, dass ich irgendwann wieder zurück bin – in Tanzania.

Kweli, unaondoka? Utarudi lini?
Bado sijui. Lakini nitarudi – hivi karibuni! Versprochen!

5 o’clock in the morning, in a pub in Nelson

The smart phone was ringing. It was 4:30 a.m. and it was still dark outside but the chirping birds couldn’t be ignored. They were welcoming the new day. It was time to get up. These days it was all about Rugby, a very important sport in New Zealand like soccer in Germany. The radio program has been dominated by Rugby, at least for days, if not even for weeks. The day might become amazing for New Zealand. It was still Saturday in Europe but already Sunday in New Zealand. The Rugby World Cup Final 2015 was going to be played between New Zealand and Australia in England.

Not quite awake my host family and I took the car, arriving at the pub still in time. The pub was already crowded and we were lucky, having reserved a table in advance. It took me some effort to find my way on crutches through the crowd to our table. Probably, most of the young people have stayed awake the whole night looking forward to the final. There were even some Germans around. At 5:00 o’clock the final started on time. Every attack of the All Blacks, the New Zealand team, was accompanied by great applause, screaming whistles and noisy clapping. After the first half the All Blacks were far ahead but the game was still open. The turning point didn’t come until a few minutes before the game time was over when the All Black got the crucial 7 points through a try and the following conversion. The atmosphere was breathtaking.

People were hugging each other and stood up, clapping and noisily cheering. What an amazing result. New Zealand, the first team with three rugby world cup victories and even twice in a row. Congratulation, New Zealand.

The rugby rules are a little bit strange. Both teams have 15 players. The goal is to put the ball behind the opposite line. If your team has the ball you can run forward. The opposite team will tackle you to prevent you from getting behind the line. You can pass the ball to one of your team members but only backwards never forward. If you succeed in getting the ball behind the line then your team will immediately get 5 points and a further chance of an additional 2 points. For the additional two points the ball must be kicked from a specific point through the goal posts which means it is something like a goal  in a soccer game.

Die Sache mit der Uhrzeit

In Tanzania ticken die Uhren anders. Nicht nur langsamer, sondern wirklich anders. So manch einer hat damit seine Schwierigkeiten, denn was bei uns 7 Uhr morgens ist, ist hier saa 1 asubuhi (1 Uhr morgens). 19 Uhr abends ist saa 1 jioni (7 Uhr abends), etc.

Warum? Die Bezugspunkte sind Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Die meisten Swahili-Sprecher leben in der Nähe des Äquators, wo die Sonne zu jeder Jahreszeit zur gleichen Zeit auf- bzw. untergeht. Der Sonnenaufgang ist so konstant, dass man die Uhr danach stellen kann. Um 6 Uhr geht die Sonne auf, also ist sie um 7 Uhr seit einer Stunde zu sehen. Somit ist es 1 Uhr morgens. Um 18 Uhr geht die Sonne unter, somit ist 19 Uhr abends unserer Zeit, eine Stunde nach Sonnenuntergang, also saa 1 jioni.

In der Vorbereitung auf einen Einsatz in Tanzania erzähle ich das immer wieder, und so manch einer meiner Berater auf Zeit stand 6 Stunden zu früh (das ist ja eigentlich nicht so dramatisch) an der Bushaltestelle oder hat vergeblich, bzw. 6 Stunden darauf gewartet, dass der Gegenüber endlich erscheint.

Auch ich muss gestehen, dass ich letzte Woche über eine Stunde auf meinen Projektpartner gewartet, ihn dann um 11 Uhr angerufen habe, um dann festzustellen, dass ich in meiner eMail den Megafehler hatte. Ich habe geschrieben wir treffen uns um „saa 10“, was mein Kollege ganz richtig als 4 Uhr mittags gelesen hat. Dabei meinte ich 10 Uhr morgens. Wakati shiti hits shabiki…

Und was sonst so geschah die letzten Tage…
…Powercuts:
Ich hangle mich mal wieder von Powercut zu Powercut. Es ist gerade echt heftig. Auf der Suche nach Strom und damit auch Internetzugang verbringe ich somit recht viel Zeit in Kijiji Beach, meinem neuen Home-Office, denn da gibt es einen Generator und somit immer Strom. Zuhause sitze ich dann bei Kerzenschein und Solarlämpchen und freue mich, dass wir hier mit Gas kochen. Sonst gäbe es wohl häufiger kalte Küche im wahrsten Sinne des Wortes.
Die häufigen Powercuts verursachen aber auch immer wieder Schäden an elektrischen Geräten. Und so haben wir neulich abends vergeblich auf unsere Pizza gewartet, die uns eigentlich nach 20 Minuten (tanzanischer Zeit ;-) ) serviert werden sollte. Nach über 1 Stunde kam der Koch, um uns mitzuteilen, dass es heute dann doch keine Pizza gibt, weil der Pizzaofen nen Kurzen hat…

… Bajaji-Fahren:
Letzte Woche bin ich dann auch tatsächlich mal Bajaji gefahren. Eigentlich nix neues, denn Bajaji fahre ich ständig. Aber in diesem Fall war es eine Novität, denn ich bin selbst gefahren!!! So genial. Ich glaube, wenn ich mich dann mal hier niederlasse, werde ich Bajaji-Fahrerin. Ich sehe schon jetzt den Aufschrei unter den männlichen tanzanischen Bajaji-Fahrer-Kollegen und dem Rest der Bevölkerung.

…darf ich vorstellen: Nuru!
Für die meisten Tanzanier ist mein Name zu schwierig. Um sich ihn zu merken, oder um ihn richtig auszusprechen. So nennt man mich hier Elk, Ekke, Eleke oder gar Erica. Also habe ich kurzerhand letzte Woche beschlossen, dass ich mir einfach einen tanzanischen Namen gebe. Das macht die Sache einfacher und bringt immer einen Lacher mit sich. Darf ich vorstellen: mein Name ist Nuru. Nuru bedeutet übrigens Licht.

…aehm, kennen wir uns?
Ich kann mir eigentlich recht gut Namen und Gesichter merken. Aber hier habe ich so meine Schwierigkeiten. Und so wird es langsam aber sicher peinlich. Denn die meisten boda-boda Fahrer kennen mich mittlerweile. Ich muss nicht mehr um den Preis feilschen, sie wissen, wo ich wohne und manch einer weiß sogar meinen Namen „Mzungu“, Erica, ähnliches, oder eben seit letzter Woche Nuru. Ich hingegen kann mich in den seltensten Fällen an den Fahrer erinnern. Ich hoere gerade ständig „Twende Kisota“, „Hey, Nuru, twende Ujerumani“ oder, „Weißt du noch wie ich heiße?“ Aehm noe. Hast du mich schon mal gefahren? „Man, erst gestern haben wir zusammen Tomaten oder Wasser eingekauft…wie kannst du dich nicht mehr an mich erinnern?
Asche auf mein Haupt….ich schiebe es jedes Mal auf mein Alter….und auf die Tatsache, dass ich die meiste Zeit ja eh nur den Rücken des boda-boda-Fahrers sehe…

…Susi ist da!
Im Juni und Juli war Susi als Beraterin auf Zeit im Kigamboni Community Center. Berater auf Zeit sind Wiederholungstäter und wer sich einmal in Tanzania verliebt, der kommt auch immer wieder. Und so verbringe ich gerade ein wenig Zeit mit ihr, freue mich, dass ich einmal wieder deutsch mit jemandem reden kann und vermisse sie schon jetzt, denn am Sonntag heisst es dann auch schon wieder Abschied nehmen.

Ein Blog-Beitrag ganz ohne Arbeit…im nächsten Beitrag gehts dann mal wieder um meinen Projekteinsatz – versprochen!

Ausflug nach Ifakara

Ich wusste gar nicht mehr, wie anstrengend und adrenalinreich Überlandfahrten in Tanzania sind. Da sieht man einmal wieder, wie nicht ganz so spannende Ereignisse doch recht schnell verdrängt werden…

Dienstag morgen letzter Woche um 3 Uhr ging es los. Mein Wecker klingelte zu einer Uhrzeit jenseits von gut und böse. Kurz vor 4 Uhr wurde ich vom Taxifahrer meines Vertrauens abgeholt und um 5 saß ich dann im Bus. Um 7 Uhr ging es endlich los. 6-8 Stunden waren von meinen tansanischen Kollegen anvisiert. Im Endeffekt sind wir um 17 Uhr in Ifakara gelandet. Durchgeschüttelt, verschwitzt und leicht dehydriert, denn wir haben mal wieder nur einen Pippi-Stopp eingelegt, was bedeutet, dass ich die Flüssigkeitsaufnahme drastisch reduzieren musste.

Schon beim Einstieg in den Bus wusste ich, dass ich meinen Platz teilen würde. Erica neben mir hat mich zwar freundlicherweise ans Fenster sitzen lassen, dafür aber auch die Hälfte meines Sitzes mit beansprucht und kurz nach der Abfahrt ganz gemütlich an meiner Schulter ein Nickerchen gemacht. Beinfreiheit null, Kopf anlehnen nicht möglich, weil Rückenlehne zu kurz und on top ein Busfahrer, der mir eine vergnügliche und adrenalinreiche Fahrt beschert hat. Aber: wir sind heil angekommen, das ist die Hauptsache.

Besonderes Highlight auf einer Fahrt gen Westen ist, dass man den Mikumi-Nationalpark durchquert und vom Bus aus Elefanten, Zebras, Giraffen und anderes weniger spektakuläres Wild vors Auge bekommt.

Unfassbar hingegen macht mich dann, dass man im Bus zwar einen Mülleimer hat, den aber kurzerhand während der Fahrt im Ruaha-River entleert. So geht Abfallentsorgung!

Auch der Rückweg war spannend. Dieses Mal ein Dreisitzer…Niemals nicht, werde ich den Gangplatz wieder wählen…zwar hatte ich immense Beinfreiheit, die habe ich aber damit bezahlt, dass ich zur Hälfte in der Luft hing und ich mich mit meinem linken Arm ständig auf der gegenüberliegenden Seite versucht habe abzustützen.

Karibu Nyumbani
Ifakara – Ein kleines Städtchen, staubig, heiß, aber total entspannt. Es wäre fast Urlaubsfeeling aufgekommen, wenn nicht mein geliebtes Meer gefehlt hätte. Ifakara ist Hauptort des Kilombero-Distrikts in Tanzania, liegt im Tal des Kilombero-Flusses, rund 400 Kilometer südwestlich von Dar-es-Salaam. Der Ort hat rund 46.000 Einwohner, Vororte eingeschlossen rund 80.000. Ifakara ist Verwaltungszentrum des Kilombero-Distrikts und wichtiges Handelszentrum für das Kilombero-Tal. Schade, dass ich zum Arbeiten hier her gekommen bin und nicht wirklich Zeit hatte die Gegend zu erkunden.

Großes Hallo dann bei Erica Zuhause: Faustin – Ericas Mann hatte ich das letzte Mal in 2009 gesehen – der Stiefsohn, samt Freunden und der ganzen Nachbarschaft. Mir scheint, halb Ifakara hat sich im Hof von Ludelas die Hand gegeben, denn nicht alle Tage sitzt da eine mzungu. Und wenn sie dann auch noch lustig swahili vor sich hin plappert, mit Faustin kocht und in der Nachbarschaft Wasser einkaufen geht, dann ist Trubel angesagt. Jeden Abend gab es lecker Fisch, Reis und Gemüse und Chachandu – eine Tomatensauce -, die so lecker schmeckt, dass ich Fisch und Gemüse nicht wirklich gebraucht hätte. Am Donnerstag haben wir dann auch den Kilombero-River angeschaut. Hm, ja, hätte ich besser nicht gesehen, weil man sich dann schon fragt, wieso man den Fisch aus dem Dreckwasser isst…und der auch noch lecker schmeckt.

Erica und ihr Familie haben auf jeden Fall dafür gesorgt, dass ich mich bei ihnen wie zuhause gefühlt habe. Übernachtet habe ich dennoch in einem kleinen Gästehaus in der Nachbarschaft. Die Aussicht mit Erica und Faustin das Bett zu teilen und quasi 24 Stunden on duty zu sein erschien mir dann doch nicht so spaßig.

 

Pole kwa kazi
Der Grund meines Ausflugs nach Ifakara war aber nicht lustig durch die Gegend zu fahren und mich satt zu essen, sondern Arbeit stand auf dem Plan. Kazi kubwa sozusagen.

Am Mittwoch und Donnerstag stand der Besuch der Sekundarschule an, die offiziell im Januar eröffnet werden und an der ab Oktober bereits die pre-form one stattfinden soll. Ich wusste, dass die tanzanische Definition, von „die Schule ist fertig und wir können mit dem Unterricht starten“, womöglich nicht ganz mit meiner übereinstimmen würde. Dennoch war ich, sagen wir mal – positiv formuliert – überrascht, wie stark das, was ich sehen musste von meiner Vorstellung abwich….ich stand quasi vor 2 Rohbauten. Wir müssen uns also ganz schön warm anziehen und auf das Nötigste kürzen, um die Schule tatsächlich planmäßig eröffnen zu können.

Aber, wenn das ganze Bauvorhaben fertig ist, also deutsch-tanzanisch fertig, wird es toll werden. 9 km von Ifakara entfernt, 2 km bis zur „besseren“ Strasse und umgeben von Cashew-Bäumen, Mango-Bäumen und Bergen. Da lässt es sich mit Sicherheit gut lernen.

Ich muss mich also weiterhin in Geduld üben, bis die Registrierung durch ist, die Anmeldeformulare fertig sind, wir nächsten Montag nochmal das Budget durchkauen und dem Bauherrn klar machen, was er bauen soll und was noch warten muss, bis wieder Geld in der Kasse ist.

Mal wieder eine harte Probe für mich, denn das, was für mich irgendwie klar erscheint, und Grundstock eines jeden Bauvorhabens ist, ist hier Neuland. Keine klare Planung, keine Budgetaufstellung und für den dann bald laufenden Betrieb keine Cash-Flow Aufstellung…Aber mit meiner Zuversicht und Beharrlichkeit und der Kreativität meiner tanzanischen Kollegen werden wir die Schule schon noch rocken! Da bin ich mir sicher.

Goeie more Paul!

…und noch einmal ertönt die Begrüßung eines Beraters auf Zeit in Afrikaans.

Paul ist heute in Camphill Village, Südafrika angekommen. Im Western Cape gelegen, werden im Village über 80 Menschen mit intellektuellen Defiziten betreut und individuell gefördert. Einnahmen werden erzielt aus dem Betrieb einer Farm (aufgebaut auf organischen und biodynamischen Prinzipien), einer Molkerei sowie weiterer Kleinunternehmen wie einer Bäckerei und einer Kosmetikherstellung.

Und genau da setzt auch Paul Arbeitsauftrag an: er wird in den nächsten 3 Monaten gemeinsam mit dem Team das Buchhaltungssystem durchleuchten und für jedes Social Enterprise ein Monitoring-System aufstellen.

Wir wünschen dir viel Spaß! Lass bald einmal von dir hören!

Rays-Front

Kia Ora!

Kia Ora ist eine der traditionellen Begrüßungen der Māori, des indigenen Volkes Neuseelands. Die Wendung ist heute selbstverständlicher Bestandteil der Alltagssprache und wird sowohl zur Begrüßung als auch zum Abschied verwendet. Wörtlich bedeutet Kia ora in etwa Mögest du gesund sein oder möge es dir gutgehen.
Und genau das wünschen wir Norbert, unserem ersten Berater auf Zeit in Nelson, Neuseeland:
Eine wunderbare Zeit in Neuseeland mit einem Sprachkurs zum Auftakt und dann weiteren 3 Monaten in einem Projekt!

Wir freuen uns auf deine Berichte!

 

 

Karibu tena Tanzania

Kaum zu glauben, mein erste Woche in Tanzania ist schon rum und das, obwohl sich die Zeiger an der Uhr hier etwas langsamer bewegen.
Die Woche war gefüllt mit dem Wiedersehen alter Freunde und Bekannte, mit den Projektteams, mit den Kindern in den Projekten, mit langen Fahrten im dalla-dalla, mit dem Verschaffen eines ersten Überblicks in den drei Teilprojekten und mit dem Planen der nächsten Wochen. Mit Tangawizi – meinem Lieblings-Soda, Chipsi Kuku (Hühnchen mit Pommes und Tomatensalat) und anderen Leckereien wie dagaa (kleinen getrockneten Sardinen, die man zum Maismehlbrei Ugali ist), Chapati (kleine Pfannkuchen zum Frühstück) und Seafood, aber auch Magenzoten-Suppe…mh…
Ach ja und mit wunderbaren Feierabenden am Strand. So kann Arbeit auch aussehen.

Gleich am Samstag war ich zu einer Hochzeit eingeladen…irgendjemand hat mal eine Packliste für Berater auf Zeit geschrieben und es bei jedem Vorbereitungsworkshop von Manager für Menschen nochmal betont: für jegliche Einsätze darf im Koffer nie etwas Nettes zum Anziehen fehlen, weil man mit Sicherheit auf eine Hochzeit oder ein anderes Fest eingeladen wird. Hm, ja…weiße Bluse und Jeans haben es dann auch getan.

Hamna
Auch mein altes Lieblingswort hamna hat sich direkt schon wieder in den alltäglichen Sprachgebrauch eingeschlichen.
Hamna umeme, hamna maji, hamna Internet und davon genug! An 2 Tagen dieser Woche hatten wir komplett kein Wasser, weil die Pumpe kaputt war , der Strom hat sich in regelmäßigen Abständen verabschiedet und demnach war auch das Netz ein wenig angeschlagen. Und so lerne ich schnell wieder Akkus aufzuladen, auch wenn sie noch halbvoll sind und die warme Dusche zu geniessen und Wasserflaschen aufzufüllen für die Katzenwäsche im Notfall. Jetzt weiß ich auch wieder, warum meine Haare so kurz sind!

 

Und was steht die nächsten Wochen an?
Teilprojekt Orphans and Vulnerable Children:
Ende des Jahres werden nun fast alle restlichen Kinder die Grundschule beenden. Es braucht nun ein Konzept, wie wir die 200 Kinder weiterhin betreuen. Sekundarschule oder Ausbildung? Wie finanzieren wir die Unterstützung? Wie stellen wir sicher, dass das in den letzten 7 Jahren aufgebaute Wir-Gefühl bestehen bleibt, auch wenn alle über viele Schulen verstreut sein werden? Und wie können wir Abläufe im Projektteam verbessern und nachhaltiger gestalten?

Teilprojekt Sekundarschule in Ifakara:
Der große Traum einer Projektmitarbeiterin soll Anfang Januar 2016 endlich Realität werden. Eine weitere private Sekundarschule für Mädchen. Ein Teil der Gebäude steht bereits. Was aber noch fehlt ist die Registrierung, Lehrpläne und Lehrer, die Einrichtung und nicht zuletzt die Schüler. Mitte September sollen die Aufnahmeprüfungen stattfinden für den ersten Roll-Out mit 2 Klassen a 45 Mädchen. Noch wird die Schule nicht beworben…Wenn wir tatsächlich im Januar eröffnen wollen, müssen wir uns warm anziehen die nächsten Wochen und weiterhin hart arbeiten, damit Erica Ludelas Traum wahr wird.

Teilprojekt Pre-School in Chamazi:
Auch hier hat sich seit meinem letzten Besuch im Juni einiges getan. Die Anzahl Kinder steigt, das Gebäude platzt aus allen Nähten. Die eh schon geringen Schulgebühren können nicht von allen Eltern bezahlt werden und so reichen die Einnahmen gerade mal für die Verpflegung der Kinder (Uji – Porridge am Morgen und Ugali oder Reis mit Bohnen am Mittag). Es bedarf dringend einer Überarbeitung des Berichtswesens und eines Konzepts, wie wir die weiteren Ausgaben decken können. Eine Idee ist der Verkauf oder die Vermietung von Solarlampen für ein Extra-Einkommen und das Ankurbeln der Schneiderei.

Mir wird also gewiss nicht langweilig werden die nächsten Wochen. Insbesondere weil mein Ziel, mit allem soweit durch zu sein der 23. Oktober ist. Am 25. Oktober sind Wahlen und meine Projektteams fürchten schon jetzt Aufstände. Somit muss ich gewappnet sein, denn wenn es tatsächlich dazu kommt, werde ich als Mzungu mit Sicherheit nicht in den Vierteln Kariakoo und Mbagala unterwegs zu sein, die jeden Tag zu meinem Arbeitsweg gehören.

Nun ist aber erst einmal Wochenende! Week-endi njema!

Block B und die Baswa Mamas

Heute (20.8.2015) also ein Vormittag in Mabopane mit der Baswa Mama-Gruppe (Teenage-Pregnanacy-Programm).

BASWA MAMA PROJECT: The programme was designed to fight the growing trend of  pregnancies within Mabopane. We do this by using the teenage pregnancy PAIP within the 7 High Schools and 4 of the Primary Schools in Mabopane. This includes information around goal setting, self confidence, contraception, relationship and children’s rights, focussing on learners between 9 and 22 years. We also support young girls who are already mothers or pregnant, holding support groups and events around breast feeding, baby health and hygene, safe care, adequate nutrition and self confidence building.

Wir fahren kreuz und quer durch den Bezirk und ich lerne Block B näher kennen: Da gibt es Straßen mit hübschen, teilweise herausgeputzten Häusern. Ordentlich verputzt mit Zaun und Vorgarten wirkt das fasst kleinbürgerlich. Ab und an sogar 2-geschossige Einfamilienhäuser, die richtig protzig wirken. Aber dann auch wieder die üblichen kleinen Hütten, nicht aus Blech und Müll gezimmert, aber doch so einfach, dass man sich ungefähr vorstellen kann, wie hart und mühsam ein Leben darin ist. Und es fehlt fast jede Infrastruktur; Ab und an eine kleine Bude, in der irgendwas verkauft wird, eine paar undefinierbare Gesundheitseinrichtungen, aber keine Plätze, Ecken, wo man sich treffen könnte. Staubige Strassen mit bepackten Frauen prägen das Bild.

Vor der Schule fallen mir dann drei große Busse auf. Es stellt sich heraus, dass dies die Fahrdienste für die Kinder der bessergestellten Familien sind, die ihre Kinder nicht in dieser nächstgelegenen Highschool mit „gemischtem Publikum“ unterrichten lassen. Soziale Segregation at its best. Funktioniert also auch hier.

Unser Ziel ist eine Highschool, in der heute einige betreute Schülerinnen des Baswa Mama Programms besucht werden. Dies geschieht regelmäßig in Kooperation mit der Schulleitung. Dazu muss man wissen, dass in Südafrika, insbesondere in den Townships, Teenagerschwangerschaften keine Seltenheit sind. Ob durch Vergewaltigungen im häuslichen Umfeld, durch Unwissenheit über Verhütung und Empfängnis, oder durch den Machsimo der schwarzafrikanischen Kultur, es kommt viel zu oft vor. Einher geht dies leider oft mit HIV-Übertragungen auf die Mutter und das ungeborene Kind. Ein Teufelskreis. Umso erfreulicher, dass die Arbeit der Baswa Mama Group Früchte trägt: Seit deren Arbeitsaufnahme sind in den teilnehmenden Schulen die Teenager-Schwangerschaften um 60% zurückgegangen. Das ist ein großartiger Erfolg für die Gruppe. Aber damit geben sich die tapferen Baswa Mamas nicht zufrieden.

Das nächste größere Ziel ist die Einrichtung eines geschützten Wohnhauses für bedrohte Frauen und Mädchen. Hier soll unter Obhut einer Erwachsenen Wohnraum für bis zu 6 Frauen/Mädchen mit Kindern und auch Platz  für akute Notfälle geschaffen werden. Camuchele, eine der führenden Köpfe, hat schon ein Objekt im Visier, jetzt geht es um die Finanzierung. Ich finde, dass die Gruppe das sehr souverän handhabt, die wissen was geht und was ein Wunschtraum bleiben wird.

Ein weiteres Projekt ist die Planung eines Tagesausflugs für Mütter und Kinder. Ich lerne, dass viele von diesen Kind-Müttern noch nie wirklich rausgekommen sind aus Mabopane, keine Vorstellung von Pretoria oder anderen Ausflugszielen haben. Man will sie einfach mal entführen aus dem recht trostlosen Alltag und ihnen einen schönen, sorglosen Tag nur fürs Vergnügen bereiten. Geplant ist ein Besuch im Pretoria Zoo. Puh, die Umstände und Hintergründe  sind einerseits bedrückend, aber der Enthusiasmus und die Findigkeit der Baswa Mamas, den Plan in die Tat umzusetzen einfach mitreißend. Es gibt kein Budget, keinen Sponsor und es werden alle Register gezogen, private Netzwerke einzuspannen, um diesen Tag zu gestalten. Ich frage nach der Motivation für so viel privaten Einsatz und höre die Lebensgeschichte einiger Baswa Mamas, die selbst einen sehr harten Weg gehen mussten. Das hat sie geprägt und zu unermüdlichen Kämpfern für eine gute Sache gemacht. Bitterkeit kommt auf, als sie darüber sprechen, dass es keine Unterstützung im Township durch die wohlhabenden Mitbürger gibt. Geld wäre ja schon da, aber das soziale Gewissen scheint in Block B (und bestimmt nicht nur hier!) wenig ausgeprägt zu sein.

Und mein Auftrag für heute? Zuhören, beobachten und Ideen entwickeln, wie man die Arbeit der Baswa Mamas dauerhaft ermöglichen kann.  Sponsors are more than welcome!

Fast auf den Tag genau 6 Jahre später…

2009 war ich das erste Mal in Tanzania. Für geplante 3,5 Monate, aus denen nachher wunderbare 7 Monate wurden, bin ich im August 2009 als Beraterin auf Zeit für ein Projekt der Herrnhuter Missionshilfe nach Dar-es-Salaam in Tanzania ausgereist.

In einem AIDS-Waisen-Projekt, das 200 AIDS-Waisen und Kindern aus schwierigen Verhältnissen den Besuch der Grundschule ermöglichen sollte, habe ich das Projektteam beraten und gecoacht und gemeinsam haben wir es damals geschafft, das Projekt auf sichere Beine zu stellen. In den letzten Jahren war ich in regelmäßigem Kontakt und Austausch mit dem deutschen Projektträger und dem tanzanischen Team. Und es war toll zu sehen, dass ich vielleicht als Mensch dort gefehlt habe, aber nicht als Wissensgeber.

Bereits Ende letzten Jahres haben 40 Kinder die 7-jährige Grundschulzeit erfolgreich abgeschlossen. Im Dezember werden weitere 160 Kinder folgen. Phase 1 des Projektes ist dann also abgeschlossen. Nun geht es darum ein Konzept zu entwickeln, was mit den Kindern weiterhin geschieht. Sekundarschule, privat oder öffentlich, oder eine Ausbildung, wenn ja welche und wo. Und die große Frage der Finanzierung ist auch noch nicht geklärt. Weiterhin muss auch der abgebrochene Kontakt zu den Rotariern in Dar-es-Salaam wieder aufgebaut werden.

Und nun komme ich wieder ins Spiel…Bei meinem Besuch im Juni stellte sich schnell heraus, dass das lokale Team hierbei ein wenig Unterstützung braucht. Und ich musste nicht wirklich lange überlegen, ob ich den Einsatz ausschreibe, einen Berater auf Zeit suche, oder doch selbst gehe…

 

Impressionen aus 2009 und 2010

 

Fast auf den Tag genau 6 Jahre später…
…sitze ich also nun hier, schreibe den letzten Blog-Beitrag vor meiner Ausreise. Morgen geht mein Flieger. Die Koffer sind noch nicht gepackt, aber die Stapel werden immer größer. Wie immer machen meine Klamotten den geringsten Anteil aus, dafür liegen Mitbringsel für Freunde und Bekannte bereit, Projektunterlagen, Brillen, Solarlampen…

Ich bin weniger aufgeregt, als vor 6 Jahren, als es doch eine Reise ins Ungewisse war, ich nicht wusste, was auf mich zukommt, keinen kannte, die Sprache nicht verstand. Ich am liebsten kurz vor knapp alles abgebrochen hätte, nicht geflogen wäre, weil ich plötzlich Angst vor meiner eigenen Courage hatte. All meinen Mut zusammengenommen und es dann doch durchgezogen und in Summe die beste Zeit meines Lebens dort verbracht habe. Eine Zeit, die mich nachhaltig verändert hat und die zur besten Entscheidung meines Lebens zählt.

Die große Aufgeregtheit weicht dieses Mal der Freude. Freude, alte Bekannte und Freunde wieder zu sehen. Mehr als nur 2 Wochen am Stück in Tanzania zu sein, gemeinsam mit dem Team an einer Lösung zu arbeiten. Mit meinem Wissen zu unterstützen, aber noch viel mehr Wissen und Erfahrung vom Team und meinen tanzanischen Umfeld aufzusaugen. Gemeinsam voneinander zu lernen. Ich freue mich noch mehr in den Alltag in Tanzania einzutauchen, denn ich werde dieses Mal nicht bei den katholischen Schwestern im Msimbazi-Center wohnen, sondern auf Kigamboni. Der morgendliche Weg zum Büro wird dann zwar etwas länger sein und vom Heimweg rede ich erst gar nicht, aber das nehme ich gerne in Kauf. Auf Kigamboni ist es ländlicher, ruhiger, besser für die Seele. Ich bin glücklich, dass ich mir erneut meinen großen Wunsch erfüllen kann und für 2,5 Monate wieder in meinem alten Projekt, wieder in Tanzania sein kann.
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg…so habe ich meinen Blog-Beitrag nach meiner Rückkehr aus Tanzania im Juni abgeschlossen. Und genau so ist es.

 

Die große Frage lautet also dieses Mal: Was werde ich anders machen?
In meinem Abschlussbericht im Juni 2010 habe ich auf diese Frage eines Bekannten wie folgt geantwortet:
„Ich würde alles genau so wieder machen wie ich es gemacht habe. Vielleicht würde ich noch mehr genießen, noch mehr aufsaugen und noch mehr Farben, Fröhlichkeit, Zufriedenheit und buntes Treiben in meinen Rucksack nach Hause einpacken, denn trotz der Schönheit Deutschlands geht mir jetzt doch schon einiges hier wieder ab.“

Ja, genau das werde ich tun. Und ich streiche das Wörtchen vielleicht. Ich werde noch mehr genießen, noch mehr unternehmen, noch mehr Druck rausnehmen, alles auf mich zukommen lassen. Meinen deutschen Maßstab nicht mit in den Koffer packen. Auch weil ich weiß, dass meine deutschen Ideen auch nur in Deutschland zielführend sind. Ich weiß heute, dass man auch mit weniger Geschwindigkeit und Hektik ans Ziel kommt. Und dass für uns vermeintlich kleine Schritte, dort gar nicht so klein sind.

Ich freue mich auf das Warten, auf Stromausfälle – ja, die sind gerade mehr als nur ein bisschen auf der Tagesordnung –  und darauf, einmal nicht permanent erreichbar zu sein. Ich freue mich darauf, mal wieder einen Gang runter zu schalten und jeden Tag aufs neue zu sehen, was wirklich wichtig im Leben ist.

Ich habe JETZT die Chance das, was ich beim letzten Mal vielleicht nicht getan habe, nicht nachzuholen, sondern besser zu machen…Tanzania – ich freue mich auf dich!