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Ein ganz normaler Arbeitstag in Dar

Um 6 Uhr geht die Sonne auf und eigentlich brauche ich hier nicht wirklich einen Wecker. Denn wer bleibt schon im Bett liegen, wenn er von der Sonne wachgeküsst wird? Warme Dusche oder bucket shower, Kaffee und Papaya zum Frühstück. Um 8 Uhr verlasse ich dann das Haus, um spätestens um 10 Uhr in einem der Offices zu sein….und zu warten…auf Kollegen, auf Strom, auf die Möglichkeit was auszudrucken, auf den Fahrer, der uns um 10 Uhr wohin bringen sollte und erst um 12 Uhr auf der Matte steht.

Wenn dann einmal alle bereit sind, geht’s daran Konzepte zu entwickeln, Berichte zu schreiben, die to do’s des letzten Meetings zu checken und neue to do’s zu verteilen. Und schwupp ist es 3 Uhr und wir treten alle den mehr oder minder langen Heimweg an.

Ja, 5 Stunden im Büro hört sich nach recht wenig an. Aber es braucht kein Neid aufzukommen! Ich muss in der Tat gestehen, dass mir, aber auch dem Team 5 Stunden reichen. Ich erwarte und verlange viel für hiesige Verhältnisse, die Schlagzahl ist doch etwas höher wenn ich da bin und die Hitze tut ihr übriges dazu. Aber, Stück für Stück kommen wir dem gesetzten Ziel etwas näher. Langsamer, viel langsamer als in Deutschland, jedoch getreu dem Motto „Haba na haba hujaza kibasa.“

 

Patenkinder und Home visits
In den letzten beiden Woche hatten wir ein wenig Abwechslung zum normalen Projekt- und Büroalltag. Die Patenkinder waren im Office und wir waren auf Home visits.

Am Dienstag waren wir bei ein paar Kindern zuhause. Haben kleine Interviews geführt und qequatscht. Die Zustände zuhause sind für unsere Verhältnisse teils haarsträubend. Auf kleinstem Platz leben viele Familienangehörige zusammen. Teilen sich teilweise zu viert ein Bett, schlafen auf Matratzen, die nicht wirklich Matratzen sind. Es ist immer wieder auch faszinierend – nein, eigentlich ist das nicht das richtige Wort – , wieviel die Kinder im Haushalt helfen müssen und dass sie neben Schule, Haushalt, Wasser holen und auf kleine Geschwister aufpassen, nicht wirklich Zeit für sich oder auch Hobbies haben, so wie es unseren Kindern in Deutschland ermöglicht wird…

Seit 2013 haben 4 Kinder aus unserem AIDS-Waisen Projekt einen persönlichen Paten. 4 Deutsche, die auf Reise in Tanzania waren, haben sich spontan entschlossen, für diese 4 Kinder einer Patenschaft zu übernehmen und unterstützen die Kids und somit das ganze Projekt seither mit 50 Euro im Monat. Damit können wir nicht nur den Schulbesuch und die Betreuung des einzelnen Kindes finanzieren, sondern auch etwas für die Allgemeinheit tun.
Am Donnerstag war nun einmal wieder ein Besuch der Kinder bei uns im Office angesagt. Zusammen mit ihren Vormündern (Mutter, Oma oder Tante) kamen sie zu uns und wir haben ein paar Stunden zusammen verbracht. Probleme und Sorgen kamen zur Sprache, das allgemeine Wohlbefinden wurde abgefragt und die Kinder haben einen kleinen Brief an ihre Paten geschrieben. Es war schön zu sehen, dass es den Kindern trotz all der Sorgen und Nöte gut geht und sie – dank des Projektes und unserer Unterstützung – zu den Besten der Klasse zählen.

50 Euro im Monat sind nicht wirklich viel! Vielleicht hat ja der ein oder andere von euch Lust, einem unserer Kinder für weitere 4 Jahre den Zugang zu Bildung und somit den Einstieg in ein selbstbestimmtes Leben zu geben? Im Hinblick auf Weihnachten, wäre so eine Patenschaft doch auch einmal ein tolles Geschenk oder? Und zwar ein Geschenk für beide Seiten –  Pate und Patenkind!!!!
Gebt euch einen Ruck! 2 T-Shirts weniger pro Monat oder ein Besuch weniger im Restaurant oder einfach 50 Euro weniger für Schnickschnack den eh keiner braucht. Uns macht das nicht wirklich arm, aber ein Kind und seine Familie glücklich! 

Wieviele Zusagen für eine Patenschaft schaffen wir?

Fast auf den Tag genau 6 Jahre später…

2009 war ich das erste Mal in Tanzania. Für geplante 3,5 Monate, aus denen nachher wunderbare 7 Monate wurden, bin ich im August 2009 als Beraterin auf Zeit für ein Projekt der Herrnhuter Missionshilfe nach Dar-es-Salaam in Tanzania ausgereist.

In einem AIDS-Waisen-Projekt, das 200 AIDS-Waisen und Kindern aus schwierigen Verhältnissen den Besuch der Grundschule ermöglichen sollte, habe ich das Projektteam beraten und gecoacht und gemeinsam haben wir es damals geschafft, das Projekt auf sichere Beine zu stellen. In den letzten Jahren war ich in regelmäßigem Kontakt und Austausch mit dem deutschen Projektträger und dem tanzanischen Team. Und es war toll zu sehen, dass ich vielleicht als Mensch dort gefehlt habe, aber nicht als Wissensgeber.

Bereits Ende letzten Jahres haben 40 Kinder die 7-jährige Grundschulzeit erfolgreich abgeschlossen. Im Dezember werden weitere 160 Kinder folgen. Phase 1 des Projektes ist dann also abgeschlossen. Nun geht es darum ein Konzept zu entwickeln, was mit den Kindern weiterhin geschieht. Sekundarschule, privat oder öffentlich, oder eine Ausbildung, wenn ja welche und wo. Und die große Frage der Finanzierung ist auch noch nicht geklärt. Weiterhin muss auch der abgebrochene Kontakt zu den Rotariern in Dar-es-Salaam wieder aufgebaut werden.

Und nun komme ich wieder ins Spiel…Bei meinem Besuch im Juni stellte sich schnell heraus, dass das lokale Team hierbei ein wenig Unterstützung braucht. Und ich musste nicht wirklich lange überlegen, ob ich den Einsatz ausschreibe, einen Berater auf Zeit suche, oder doch selbst gehe…

 

Impressionen aus 2009 und 2010

 

Fast auf den Tag genau 6 Jahre später…
…sitze ich also nun hier, schreibe den letzten Blog-Beitrag vor meiner Ausreise. Morgen geht mein Flieger. Die Koffer sind noch nicht gepackt, aber die Stapel werden immer größer. Wie immer machen meine Klamotten den geringsten Anteil aus, dafür liegen Mitbringsel für Freunde und Bekannte bereit, Projektunterlagen, Brillen, Solarlampen…

Ich bin weniger aufgeregt, als vor 6 Jahren, als es doch eine Reise ins Ungewisse war, ich nicht wusste, was auf mich zukommt, keinen kannte, die Sprache nicht verstand. Ich am liebsten kurz vor knapp alles abgebrochen hätte, nicht geflogen wäre, weil ich plötzlich Angst vor meiner eigenen Courage hatte. All meinen Mut zusammengenommen und es dann doch durchgezogen und in Summe die beste Zeit meines Lebens dort verbracht habe. Eine Zeit, die mich nachhaltig verändert hat und die zur besten Entscheidung meines Lebens zählt.

Die große Aufgeregtheit weicht dieses Mal der Freude. Freude, alte Bekannte und Freunde wieder zu sehen. Mehr als nur 2 Wochen am Stück in Tanzania zu sein, gemeinsam mit dem Team an einer Lösung zu arbeiten. Mit meinem Wissen zu unterstützen, aber noch viel mehr Wissen und Erfahrung vom Team und meinen tanzanischen Umfeld aufzusaugen. Gemeinsam voneinander zu lernen. Ich freue mich noch mehr in den Alltag in Tanzania einzutauchen, denn ich werde dieses Mal nicht bei den katholischen Schwestern im Msimbazi-Center wohnen, sondern auf Kigamboni. Der morgendliche Weg zum Büro wird dann zwar etwas länger sein und vom Heimweg rede ich erst gar nicht, aber das nehme ich gerne in Kauf. Auf Kigamboni ist es ländlicher, ruhiger, besser für die Seele. Ich bin glücklich, dass ich mir erneut meinen großen Wunsch erfüllen kann und für 2,5 Monate wieder in meinem alten Projekt, wieder in Tanzania sein kann.
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg…so habe ich meinen Blog-Beitrag nach meiner Rückkehr aus Tanzania im Juni abgeschlossen. Und genau so ist es.

 

Die große Frage lautet also dieses Mal: Was werde ich anders machen?
In meinem Abschlussbericht im Juni 2010 habe ich auf diese Frage eines Bekannten wie folgt geantwortet:
„Ich würde alles genau so wieder machen wie ich es gemacht habe. Vielleicht würde ich noch mehr genießen, noch mehr aufsaugen und noch mehr Farben, Fröhlichkeit, Zufriedenheit und buntes Treiben in meinen Rucksack nach Hause einpacken, denn trotz der Schönheit Deutschlands geht mir jetzt doch schon einiges hier wieder ab.“

Ja, genau das werde ich tun. Und ich streiche das Wörtchen vielleicht. Ich werde noch mehr genießen, noch mehr unternehmen, noch mehr Druck rausnehmen, alles auf mich zukommen lassen. Meinen deutschen Maßstab nicht mit in den Koffer packen. Auch weil ich weiß, dass meine deutschen Ideen auch nur in Deutschland zielführend sind. Ich weiß heute, dass man auch mit weniger Geschwindigkeit und Hektik ans Ziel kommt. Und dass für uns vermeintlich kleine Schritte, dort gar nicht so klein sind.

Ich freue mich auf das Warten, auf Stromausfälle – ja, die sind gerade mehr als nur ein bisschen auf der Tagesordnung –  und darauf, einmal nicht permanent erreichbar zu sein. Ich freue mich darauf, mal wieder einen Gang runter zu schalten und jeden Tag aufs neue zu sehen, was wirklich wichtig im Leben ist.

Ich habe JETZT die Chance das, was ich beim letzten Mal vielleicht nicht getan habe, nicht nachzuholen, sondern besser zu machen…Tanzania – ich freue mich auf dich!