Welches ist das richtige Sabbatical für Sie?

Dem Arbeitsalltag entfliehen und sich eine längere Auszeit gönnen: Immer mehr Berufstätige in Deutschland können sich das vorstellen. Für jeden zweiten klingt die Vorstellung verlockend — und immerhin jeder Fünfte nimmt tatsächlich ein Sabbatical. Zwar sind die Unternehmen nicht dazu verpflichtet, ihren Mitarbeitern eine solche Verschnaufpause zu ermöglichen, bei vielen gehört es mittlerweile aber zur Strategie in Sachen Work-Life-Balance dazu.

Doch wie sollte man die Auszeit nutzen? Für eine Reise, und wenn ja, für welche? Oder doch lieber für ein größeres, eigenes Projekt? Finden Sie im Test heraus, welches Sabbatical zu Ihnen passen könnte.

Zum Test…

 

 

Karibu Tansania!

Katja war für 11 Tage in Tansania, um “mein” Tansania hautnah kennen zu lernen.
Wie es ihr dabei erging und was sie erlebt hat, hat sie für uns zusammengefasst.

 

Karibu Tansania!

Seit mittlerweile über einer Woche bin ich wieder zurück in Deutschland!
Zurück von 11 Tagen Tansania inclusive 3 Tage Safari und 3 Tage Sansibar!

Ich bin sehr dankbar für diese unbeschreiblich schönen und ergreifenden Erlebnisse, die ich nie nie mehr vergessen werde!

The Real Africa , Real Tansania !
Das heißt: Fernab vom Tourismus, die Komfortzone zeitweise verlassen; Projekte besuchen in Kindergärten und Schulen – teils mit daran angeknüpften Hausbesuchen – dabei in meist leuchtende strahlende Kinderaugen blicken und fröhlichen kontaktfreudigen Menschen begegnen. Das hat mich sehr berührt und gerührt ! Hautnah und mittendrin….
Landestypisch und sehr lecker Speisen in einfachen und ehrlichen kleinen Lokalen oder Restaurants;
Öffentliche  Verkehrsmittel wie zum Beispiel Dalla Dalla oder auch Bajaji und Motorradtaxi fahren; sie erfordern zwar Geduld, Zeit und Nerven , gehören aber, wie alles andere auch, zum Alltag unbedingt dazu und prägen dieses afrikanische Abenteuer mit, was ich gut 1 Woche lang auf Kigamboni und in Daressalam sehen und erleben durfte!

Ein ganz herzliches Dankeschön an Elke, die mich – der Landessprache mächtig – sehr souverän, umsichtig, rücksichtsvoll, mit viel Herzblut, großem Engagement und Leidenschaft an ihrem Leben in IHREM geliebten Tansania teilhaben ließ und mir letztendlich diese großartige und fantastische Zeit ermöglicht hat…. Ich bin sehr glücklich!

Ihren Rat, eine Safari in meine Reise zu integrieren, habe ich befolgt und bin für 3 Tage nach Ruaha in ein Camp geflogen! Es war sensationell !!!

Vielen lieben Dank!!!
Asante sana!!!

Katja Laumont

 

Liebe Katja, danke, dass du dich auf dieses Abenteuer eingelassen hast! Auch mir hat es sehr viel Spaß gemacht!
Wer auch einmal Lust auf ein sicheres Abenteuer hat: ab Ende Januar bis bis Mitte April 2017  heisst es wieder Karibu Tanzania!
Mehr Infos… 

 

Let´s work

Gestern fand der alljährliche Kindertag des Waisenkinderprogramms OVC (Orphans and Vulnerable Children) statt. Die Kinder des Förderprogrammes kamen gemeinsam mit ihren Vormündern in die Moravian Church in Mabibo. Die Idee des Kindertages beruht im Wesentlichen auf zwei Bestandteilen: Zum einen werden die Kinder mit Materialien versorgt, wie zum Beispiel Moskitonetzen, Bettwäsche und Hygieneartikeln. Zum anderen soll es ihnen und ihren Vormündern an diesem Tag so richtig gut gehen: Es gab warmes Essen und eine Torte; außerdem gab es eine akrobatische Aufführung des Kigamboni Community Center. Gleichzeitig wird die Gelegenheit genutzt die Daten der Kinder zu aktualisieren.

Einen Tag später nun ein erstes Résumé: Was ist gut gelaufen, was ist nicht gut gelaufen? Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden mit dem Tag. Ich hatte den Eindruck, dass die meisten Kinder den Tag genießen konnten und zumindest ein wenig Spaß und einen vollen Magen hatten. Aus organisatorischer Sicht ist einiges nicht so gelaufen, wie wir es geplant hatten. Die tansanischen Verantwortlichen für das Projekt kamen zu spät zur Eröffnungsrede, das Aktualisieren der Listen hat sehr lange gedauert, eine Kollegin kam viel zu spät, der Caterer kam zu spät, das Kinderschminken wurde regelrecht boykottiert…. Diese Auflistung könnte ich noch eine Weile fortsetzen. Ich habe mich im Verlauf des Tages über die eine oder andere Sache ziemlich aufgeregt. Auf dem Weg nach Hause war ich in Gedanken versunken. Was war passiert? Eigentlich fand ich den Kindertag doch wirklich schön. Oder nicht? Gestern Abend ist mir bewusst geworden, dass mir meine eigenen Gedanken im Verlauf der letzten Wochen entglitten sind.

Warum bin ich nach Tansania gekommen? Ich bin hier, weil ich mich einbringen wollte. Ich wollte in dieses Land kommen, in diesem Projekt arbeiten, um zu sehen, wo ich gebraucht werde. Ich wollte die Aufgaben, die mir zugewiesen werden, so gut wie möglich meistern.

Was habe ich mir vorgenommen? Ich habe mir fest vorgenommen, es nicht besser zu wissen. Ich habe mir fest vorgenommen, dass ich versuche zu helfen, wo ich gebraucht werde, und nicht selber definiere, wo ich gebraucht werden sollte. Ich habe mir fest vorgenommen, nicht arrogant und herablassend zu sein, sondern meine tansanischen Arbeitskolleginnen mit Respekt und Achtung zu behandeln. Ich wollte sie  nicht bevormunden. Ich habe mir vorgenommen, nicht zu sagen: Ich weiß genau was ihr braucht und wie wir das am besten umsetzen. Ich habe mir fest vorgenommen, im Rahmen meiner Berichterstattung gegenüber Freunden und Familie keine Stereotypen aufzubauen und zu unterstützen. Ich habe mir fest vorgenommen, kein einseitiges Bild von diesem Land und meiner Arbeit zu zeichnen. Ich wollte alles in seiner bunten Vielfalt, in Grautönen und nicht in schwarz-weiß darstellen. Ich habe mir vorgenommen diejenige zu sein, die von den Menschen hier lernt, und nicht diejenige, die ihnen etwas beibringt. Zumindest habe ich mir vorgenommen, dass dieses Lehren und Lernen auf Gegenseitigkeit und Wertschätzung beruht. Ich habe mir fest vorgenommen, nicht darüber zu urteilen, dass viele Menschen hier kein Englisch können, weil ich diejenige bin, die sich dafür schämen sollte, die Landessprache nicht zu beherrschen.

 

Ich habe mir das alles vorgenommen. Und jetzt bin ich hier und stelle plötzlich fest, dass ich diesen Vorsätzen in den letzten Wochen nicht gerecht geworden bin. Ich habe versucht meine persönlichen Vorstellungen von organisierter und effizienter Arbeitsweise durchzusetzen. Ich habe mich über meine tansanischen Kolleginnen lustig gemacht. Ich habe sie nicht ernst genommen. Das ist mir vor zwei Tagen bewusst geworden. Gestern ist mir dann bewusst geworden, dass das nicht schlimm ist. Schlimm wäre, es gar nicht zu bemerken, oder aber es zu bemerken und nicht zu versuchen, es zu ändern. Ich werde mir wieder fest vornehmen, ein Gast zu sein. Solange, bis ich wieder merke, dass es mir mehr und mehr entgleitet. Und dann hoffe ich darauf, dass ich mich selbst oder jemand anderes mich wieder daran erinnert, was ich mir alles vorgenommen habe.

Die Arbeit als Beraterin auf Zeit ermöglicht wertvolle Erfahrungen. Erfahrungen, die man in einem anderen Umfeld nicht sammeln kann. Sie bietet die Möglichkeit eines Austausches von verschiedenen Kulturen, Mentalitäten und auch Arbeitsweisen. Dieser Austausch und diese Erfahrungen sind ein Gewinn für beide Seiten. Wir sollten uns alle immer wieder daran erinnern, warum wir hier sind, was wir uns davon erhoffen und auf welche Weise wir uns einbringen möchten.

 

 

 

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Same same but different

Drei Wochen. Heute vor drei Wochen bin ich in Dar es Salaam angekommen. Ich habe das Gefühl, ich bin gerade einmal ein paar wenige Tage hier. Ich habe mir vor meiner Abreise wieder und wieder gesagt, dass ich nicht werten will. Ich habe mir fest vorgenommen, dass ich dieses Land, seine Menschen und seine Kultur wahrnehmen möchte, kennenlernen will, ohne sie gleich auseinanderzunehmen. Ich wollte keine Rangordnung aufstellen, was besser oder schlechter ist, welche Lebenskonzepte die richtigen sind, weil ich fest davon überzeugt bin, dass es keine richtigen Lebenskonzepte gibt. Es gibt viele unterschiedliche Arten zu leben, und keine ist besser oder schlechter als die andere. Soweit die Theorie. Wie das so üblich ist, sieht die Praxis etwas komplizierter aus. Ich hatte heute ein Gespräch über die Rolle der Frauen in Tansania. Meine Gesprächspartnerin hat ihre Sicht der Dinge erzählt, und ich die meinige. In Tansania findet man das, was wir als „klassische Rollenverteilung“ kennen. Die Frau kümmert sich um Haus und Hof, wäscht, kocht, putzt, und geht zusätzlich noch arbeiten. Der Mann kocht nicht. Oft noch nicht mal einen Tee. Falls die Frau auswärts arbeiten geht, muss sie nach Feierabend als erstes ihren Mann versorgen. Natürlich gibt es die tansanische Frau oder den tansanischen Mann nicht – das sind Pauschalisierungen, die in vielen Fällen nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben. Jeder Mensch lebt individuell. Es gibt auch hier unterschiedliche Lebenskonzepte. Bei diesem Thema fällt mir das nicht-werten relativ leicht. Ich kann für mich sagen, dass es nicht mein Lebenskonzept wäre. Dass ich ganz anders leben möchte, als dies hier der Fall ist. Ich kann verstehen, dass meine persönliche Vorstellung der Geschlechterrollen nicht das Mantra für die ganze Welt ist. Sie ist nicht besser oder schlechter als die Vorstellung einer sogenannten klassischen Geschlechterrolle. Sie ist einfach anders. Nicht mehr, und nicht weniger. Ich bin ein Gast in diesem Land. Ich würde nicht auf die Idee kommen, den Männern hier zu sagen, dass sie kochen lernen sollen. Wenn ich von anderen Freiwilligen höre, auf welche Art und Weise gewisse deutsche Organisationen versuchen, westliches Kulturgut an den tansanischen Mann und an die tansanische Frau zu bringen, dann wird mir regelrecht übel. Mit welchem Recht, frage ich mich dann. Was gibt uns das Recht, Lebenskonzepte für die ganze Welt zu definieren? Unsere wirtschaftliche und technische Entwicklung?
Dann gibt es Themen, bei denen es mir schwer fällt, nicht zu werten. Hexenverfolgung, Übergriffe auf Albinos, weibliche Genitalverstümmelung, Korruption. Dann meldet sich mein westliches Kulturverständnis: Wie kann man nur? Aber wo ist die Grenze? Mit meiner Argumentation von oben wäre zum Beispiel Hexenverfolgung ein Thema, das keinesfalls von westlichen Einrichtungen bekämpft werden dürfte. Wenn dagegen angegangen wird, dann sollte die Initiative von Einheimischen kommen. Was aber, wenn diese niemals kommt? An diesem Punkt bleibe ich jedes Mal hängen. Ich komme nicht weiter, stecke quasi fest. Zusehen, nichts machen? Wie kann man zusehen, wenn Menschen aufgrund ihrer wahrgenommenen Hexenkraft getötet werden? Eingreifen, „aufklären“? Was, wenn es wirklich Hexen gibt? Ich glaube nicht daran. Die Person, die das hier gerade liest, sicher auch nicht. Aber – haben wir die Wahrheit etwa für uns gepachtet (falls es überhaupt eine Wahrheit gibt)? Man stelle sich nur einmal vor, eine tansanische Einrichtung würde anfangen in Deutschland workshops anzubieten, in denen erklärt wird, woran man Hexen erkennt und wie man diese unschädlich macht. Undenkbar! Aber genau das passiert. Nur mit vertauschten Rollen.

Das nächste Mal schreibe ich endlich was über meine Arbeit hier. Versprochen.

Vom Geben und Nicht-Geben

Nun bin ich seit gut einer Woche in Dar es Salaam. Es sind gerade einmal acht Tage vergangen, und dennoch habe ich schon so viel erleben dürfen. Ich werde für ein halbes Jahr in Tansania bleiben, um bei einem Waisenkinderprogramm der Moravian Church mitzuarbeiten – in wenigen Wochen gemeinsam mit Elke.

Üblicherweise berichtet man in einem Blogeintrag davon, was man erlebt hat. Ich möchte heute diesen Teil ganz überspringen und direkt zu einem anderen Thema übergehen: Es geht um das Geben und Nicht-Geben. Gestern wurde ich auf meinem Heimweg von einem Mann angesprochen, der um etwas Geld bat. Er trug abgerissene Kleidung und sah verwahrlost aus. Ich habe ihm nichts gegeben. Obwohl ich genügend Geld in meiner Tasche hatte und eine Stunde zuvor in einem Restaurant lecker essen war. Ich habe ihm bewusst nichts gegeben. Als ich in meinem Zimmer ankam, war ich den Tränen nahe. Ich habe mich gehasst dafür, dass ich ihm nichts gegeben habe – ich tue es immer noch. Warum also habe ich ihm nichts gegeben? Wenigstens ein paar Cent? Was hätte das mir schon ausgemacht? Ich habe einen Grund dafür, eine Erklärung, auch wenn ich mich für diese Erklärung vor mir selbst schäme. Ich möchte nicht Teil dieses Kreislaufs sein. Wenn Weiße in Ländern wie Tansania unterwegs sind, wird ihnen automatisch unterstellt, dass sie reich sind. Wir konnten in dieses Land reisen – wenn man sich ein Flugticket leisten kann, ist man reich. Das leuchtet ein. Oft sind die Menschen erstaunt, wenn ich ihnen erzähle, wie viel in Deutschland gearbeitet wird, oder wie gravierend psychische Probleme wie Depressionen sind. Doch darum soll es heute nicht gehen. Nehmen wir also an, es wäre wahr, dass alle Deutschen unermesslich reich sind. Was passiert in dem Moment, in dem ich einer bettelnden Person in Dar es Salaam Geld gebe? Ich helfe ihr durch den Tag, vielleicht kauft sie mit dem Geld Essen, vielleicht Alkohol, vielleicht Zigaretten. Vielleicht ist die Person gar nicht arm. Vielleicht hat sie seit Tagen nichts gegessen. Ich weiß es nicht. Alles was ich weiß ist, dass ich in dem Moment, in dem ich ihr Geld gebe, zu dem nie endenden Kreislauf beitrage: Polemisch formuliert könnte man sagen, die Weißen kommen und geben. Ich lindere vielleicht für den Moment das Leid dieser einen Person. Doch dieser Person werden Hundert andere folgen. Um es auf den Punkt zu bringen: Es ist nicht nachhaltig, Geld zu geben. Selbst etwas zu essen zu kaufen und der Person zu geben, wäre in diesem Sinne nicht nachhaltig. Wenn ich für zehn Jahre hier leben würde – ich würde Geld geben. Weil ich hierbleiben würde. Aber so bin ich hier, einige wenige Monate, und werde danach verschwinden. Dieses Land muss sich um seine Menschen kümmern. Nicht ich. Weil ich ihnen für den Moment helfen würde, aber nicht langfristig. Das ist wie wenn man einen abgemagerten Welpen von Hundeschmugglern abkauft – man hat ihn gerettet, aber ihm werden Tausende folgen. Asozial? Auf jeden Fall. Zynisch, makaber? Ganz bestimmt. Bin ich mir mit dieser Meinung sicher? Auf keinen Fall. Jeden Tag zweifle ich daran. Ständig frage ich mich, wie man so denken kann. Wie kann man einen hungrigen Menschen sehen und ihm nicht helfen, obwohl man es könnte? Wie kann man so sein? Vielleicht bin ich auch einfach besonders herzlos. Ich weiß es nicht. Ich möchte nur, dass dieser Kreislauf aufhört.

Manch einer fragt sich jetzt, was tut sie dann in Tansania? Ich gebe mich nicht der Illusion hin, dass ich hier etwas Gutes tun könnte. Ich bin hier für mich. Und ganz bestimmt nicht, weil ich glaube „etwas bewegen zu können“. Dafür müsste ich länger hier sein oder öfter wiederkommen, um Sprache und Kultur wirklich verstehen zu können (was ja vielleicht der Fall sein wird, man weiß es nicht…). Warum ich dann nicht einen Freiwilligendienst in Deutschland mache? Die Antwort ist simpel: Mir gefällt es hier wahnsinnig gut.

Haraka haraka, haina baraka

Ich kann es kaum glauben, dass die Zeit so schnell vergeht. Mein letzter Blog-Eintrag ist schon eine ganze Weile her, die Zeit rast nur so und wenn ich nach vorne blicke…so sind es nur noch 3,5 Wochen, bis ich Tanzania wieder verlassen muss…und meine to-do-Liste aber irgendwie mehr zu- als abnimmt.

Die letzten Wochen waren randvoll. Mein Tag könnte in der Tat mehr als 24h-Tag haben. Haraka haraka, haina baraka – oder No hurry in Africa führen dann dazu, dass das Blog-Schreiben eher in den Hintergrund rückt und ich lieber mal kleine Lebenszeichen in Facebook poste.

 

Kleine Fluchten
Schon 2009 und 2010 war Zanzibar meine kleine Flucht. Nur 1,45 h mit der schnellen Azam-Fähre entfernt liegt die Trauminsel Ungunja, die fälschlicherweise immer als Zanzibar bezeichnet wird. Dabei ist Zanzibar eigentlich der Name des Archipels bestehend aus Ungunja, Pemba, den Latham-Inseln und geographisch gesehen auch Mafia.

Es ist eine andere Welt. Stone-Town mit seinen kleinen, verschlungenen Gassen, den tollen geschnitzten Holztüren und dann die Strände…Ja, die habe ich hier auch vor der Türe…dennoch ist das Wasser dort sauberer, wärmer und von einem unglaublichen blau-grün und man ist einfach weg aus Dar, weg von den Projekten. Um mal was anderes zu machen, hat es mich dieses Mal nach Paje verschlagen, das Paradies für Kitesurfer. Nett, aber nach nur einer Nacht habe ich beschlossen, dass man ein winning system nicht ändern soll und bin dann doch wieder nach Sunset Kendwa. 3 Tage dort, 2 wunderschöne Tauchgänge (bei 30 Grad Wassertemperatur springe sogar ich mit einem Shorty ins Wasser) und der Akku ist wieder aufgeladen.
Auszeit von der Auszeit bzw. vom Projekteinsatz nenne ich das dann auch ;-)

Kurz vor der Heimreise habe ich dann noch unseren Kindergarten in Mwera besucht und nicht schlecht gestaunt, was Pfarrer Siwelwe da so auf die Beine gestellt hat.

 

Die Deutsche Delegation
Pünktlich zu meinem Geburtstag kamen dann auch Fred, Bettina und Linda von der Herrnhuter Missionshilfe aus Deutschland. Wer meinen Blog aus 2009/2010 gelesen hat, der weiß, dass Fred mein Soundboard war und für das Projektteam auch immer das Zauberwort. Für ihn war es die Abschiedstour und für Bettina und Linda, die ich kurzerhand nun zu meinen neuen Soundboards ernannt habe, die Kennenlerntour.

Samstag gab es ein großes Meeting mit meinem OVC-Team und anschliessend haben wir mit einigen der Patenkinder und ihren Vormündern zu Mittag gegessen. In 43 Jahren habe ich das erste Mal an meinem Geburtstag gearbeitet. Dennoch war es ein toller Geburtstag, mit dankbaren Vormündern, lachenden Patenkindern und am Abend einer tollen Band in einem der lokalen Pubs.

Montag standen homevisits auf dem Plan und ab Dienstag haben wir einige hundert km per Minibus von Dar-es-Salaam über Ifakara, Iringa, Mbeya, Subawanga, zurück nach Mbeya gerissen und dann ging es für mich mit dem Flugzeug zurück nach Dar-es-Salaam. Eine lange Reise, schlechte Strassen, aber eine gute Gelegenheit um meine neuen Ansprechpartnerin in Deutschland kennen zu lernen und um neben meinen eigenen Projekten auch einige weitere Projekte der HMH zu besuchen.

 

Projektarbeit
In den Projekten läuft es zäh. Pläne sind da, um über den Haufen geworfen zu werden, insbesondere weil ständig unbekannte Faktoren auftauchen, die alles zunichte machen. Kurzfristig angesetzte Meetings der Pfarrer, Malaria, Krankheit oder Tod von Angehörigen, Verkehrschaos, Eheprobleme, Unverständnis, kein Strom etc.

Ich werde immer wieder vor die Zerreißprobe gestellt, war diese Woche auch schon einmal kurz vor dem Aufgeben. Nein, natürlich gebe ich nicht auf. Ich wünsche mir nur, dass ein paar Projektverantwortliche nicht nur den eigenen Benefit (im Sinne von Gehalt) sehen, sondern verstehen, dass das Projekt zum Wohl der Kinder ist. Auch kämpfe ich immer wieder mit der Tatsache, dass man glaubt, dass der Geldstrom aus Deutschland unerschöpflich ist und man selbst nichts dazu tun muss. Naja, ich bzw. wir machen das Beste daraus.

Es gibt aber auch Positives zu vermelden…
Mittlerweile haben wir im OVC-Projekt 103 der bis dato 200 Kinder für die zweite Projektphase registriert. Sie gehen nun mit unserer Unterstützung auf die Sekundarschule und am nächsten Samstag – so der Plan – haben wir eine große Verteilaktion. Von einigen Kindern wissen wir leider nicht, wo sie verblieben sind. Hört sich für deutsche Verhältnisse komisch an. Für tanzanische Verhältnisse ist es aber ganz normal, dass Kinder aufgrund ihrer aktuellen Situation mal eben von der Tante in Dar zur Oma nach Moshi transferiert werden oder, dass wenn Kinder nicht in die Sekundarschule zugelassen wurden, keiner weiß wo sie jetzt sind.

Moses, der Projektleiter der Nursery School hat den Report für Februar komplett alleine erstellt. Könnt ihr euch vorstellen, wie stolz ich bin?

Und in Ifakara geht es polepole voran und wir lassen uns bzgl. ständig neuer und härterer Regularien für Privatschulen nicht unterkriegen.

 

Und sonst so…?

  • Nach ewiger Zeit konnte ich Mary lokalisieren. Sie wird von einem kleinen deutschen Verein unterstützt und kann mit deren Hilfe ein College besuchen. Sprachbarrieren haben dazu geführt, dass die Unterstützung fast abgebrochen wäre. Aber wir sind wieder back on track!
  • Mit der Unterstützung von Paul, einem Ex-Berater auf Zeit konnte ich Osman letzte Woche ein Fahrrad kaufen. Osman wird ab sofort das College besuchen und anstatt jeden Tag Geld in Bustickets zu investieren, ist er nun stolzer Besitzer eines Bob Marley Bikes. Vielen Dank nochmal Paul!
  • Novität im Massai-Dorf!!! Letzten Samstag haben wir in der Tat wohl zum ersten Mal Skype ins Massai-Dorf von Mariki gebracht. Kein Wasser und kein Strom vor Ort. Aber die Masten der Mobilfunkanbieter haben es möglich gemacht zu skypen. Ich weiß nicht, wo die Freude größer war: bei Susi und mir oder im Massai-Dorf.
  • Ende nächster Woche kommt Norbert zu Besuch. Nach seinem 6-monatigen Einsatz als Berater auf Zeit am anderen Ende der Welt in Neuseeland schließt er sein Sabbatical nun hier bei mir in Tanzania ab. Das wird ein krasser Gegensatz sein…aber vielleicht verliebt er sich ja auch in Tanzania ;-)
  • …und ich habe mir zu Ostern eine neue Sim-Card geschenkt! Tigo 4G…wow! Was ist das Netz jetzt hier schnell!

Ich wünsche euch allen ein wunderschönes Osterfest und ein paar entspannte und erholsame Feiertage!

Heat, Dust and Dreams

Mit meiner Abreise letztes Jahr am 2. November 2015 stand eigentlich auch schon wieder fest, dass ich bald zurück kommen würde. Alleine das Reisedatum war noch nicht fixiert und so habe ich meinen Koffer samt Inhalt direkt hier gelassen.
Tanzania macht süchtig. Das brauche ich wohl niemandem mehr zu erklären.

Knapp 2,5 Monate später bin ich also wieder in den Flieger gestiegen. Und in der Hitze und dem Staub Tanzanias lebe ich seit nun fast schon wieder 4 Wochen meinen afrikanischen Traum.
Auch wenn hier alles pole pole geht, so rast die Zeit einfach nur dahin. Die Tage scheinen mir manchmal kürzer als in Deutschland. Wobei das mit Sicherheit der Tatsache geschuldet ist, dass ich für viele Dinge, die ich in Deutschland mal eben kurz mache hier den halben Tag brauche. Ich komme aktuell kaum zum Schreiben, daher gibt es heute nur ein kurzes Lebenszeichen:

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Am Tag als der Regen kam…

…kam auch hier hier an. Dabei hatte ich so früh noch gar nicht mit der Regenzeit gerechnet. Dem Land tut der Regen gut, den Strassen jedoch nicht wirklich und so fahren wir momentan eher Umwege statt shortcuts um von A nach B und insbesondere Nachhause zu kommen.

 

 

 

 

Shule ya Secondaria in Ifakara
Gleich in der zweiten Woche bin ich nach Ifakara aufgebrochen, um nach unserer Sekundarschule zu sehen. Leider haben wir nicht im Januar eröffnen können. Denn seitens der Regierung gibt es immer wieder neue Auflagen, die wir einhalten müssen um die finale Registrierung zu bekommen. Hapa kazi tu – unser neuer Präsident Magufuli greift ganz schön durch. Mit all seinen positiven Seiten und Aspekten, die ich sehr begrüße, hat es aber in Bezug auf den Schulbau für uns gerade eher ein paar negative Aspekte. Somit heisst es durchhalten, Auflagen erfüllen, weiterbauen, um dann hoffentlich bald die Registrierung zu bekommen. Spaß hatten Erica und ich dennoch!

 

Mein OVC-Projekt
Aktuell habe wir viel Besuch im Projektbüro, denn unsere 200 Kinder aus dem Projekt müssen sich melden, ihre Schuleinschreibung und die letzten Zeugnisse vorbeibringen, um dann in Phase 2 des Projektes aufgenommen zu werden. So ganz nebenbei wird Mama Mwaiseje auch dem Papierchaos Herr – wie sie das macht, ich weiß es nicht. Aber sie hat das Chaos fest im Griff.

 

Und zu guter letzt, einfach weil sie so süß sind meine Kids…noch ein paar Bilder aus Projekt 3, der Nursery School

 

 

 

 

Frankfurt, 3 Grad Celcius

Und so schnell gehen 2,5 Monate rum. Am Montag nachmittag noch bei über 30 Grad in das Flugzeug in Dar-es-Salaam gestiegen und dann das…Frankfurt, 3 Grad Celsius und Zugverspätungen.
Karibu Deutschland, karibu Deutsche Bahn!
Bahnverspätungen stressen mich ja in der Regel nicht, sondern amüsieren mich viel mehr. Ohne ordentliche Winterausrüstung hat es am Dienstag morgen aber ganz schön an meinem Nervenkostüm gezerrt…zugige kalte Bahnhofshallen und Gleise sind nicht so mein Ding. Insbesondere nicht, wenn die passende Winterausrüstung nicht an der frau ist.

Der Abschied war wie erwartet nicht wirklich schön.
Es war eine wunderbare, wenn auch zu kurze Zeit. Aber ist das nicht immer so, wenn man sich wohl fühlt? Und ich habe mich mehr als wohl gefühlt. In den Projekten, in Kigamboni, in Dar-es-Salaam. Mit meinen Projektteams, meinen Nachbarn, meinen alten und neuen Bekannten und Freunden.

In allen 3 Projekten haben wir aus deutscher Sicht und mit deutschem Maßstab gerechnet nicht wirklich alles geschafft, was ich mir vorgenommen habe. Aber, wir haben viel geschafft. Mit einigem habe ich nicht mehr gerechnet und bin super stolz auf die Teammitglieder, dass sie das zum Schluss noch alles irgendwie hinbekommen haben. Hongera sana!

Das Konzept im Aids-Waisenprojekt für die nächsten Jahre steht, jetzt muss nur noch die finale Zusage seitens des Sponsoren zur Übernahme aller Kosten kommen.
Die Sekundarschule in Ifakara wird planmäßig im Januar eröffnet. Wenn gleich auch mit ein paar Einschränkungen baulicher Seite und weniger Schülerinnen als geplant.
Und in der Vorschule kann der Projektleiter nun auf ein ordentliches Berichtswesen zurückgreifen und die monatlich geforderten Abrechnungen liefern. Und die Baumaßnahmen für die Erweiterung haben begonnen.

Spannend ist nun, wie sich alles weiterentwickelt…

Ich für mich habe viel mit der Zeit in 2009 und 2010 verglichen: wie ich heute im Vergleich zu damals reagiere und agiere. Und ich kann in der Tat sagen, dass ich in vielen Dingen einfach ruhiger bin und weniger selbst Hand angelegt habe. Akzeptieren kann, dass Dinge nicht so funktionieren wie es Deutschland gerne hätte, und eine bessere Kulturübersetzerin bin. Denn als Kulturübersetzerin sehe ich letztendlich meine Aufgabe. Ich habe viel mehr das Leben genossen, viele neue Dinge ausprobiert, Sonne, Farben und den Alltag dort aufgesogen…so dass ich bis zum nächsten Mal in Tanzania tatsächlich wieder einen Anker habe, an den ich mich halten kann, wenn es mir in Deutschland zu schnell geht und zu grau ist.

Es sind die Begegnungen mit Menschen,
 die das Leben lebenswert machen und die meinen Einsatz als Beraterin auf Zeit so wunderbar gemacht haben.

Daher gilt mein Dank an Fred Walch, der einmal wieder mein Soundboard war, wenn es in den Projekten gehakt hat.
Danke auch an meinen Mann Olli, der mich wieder einmal hat ziehen lassen. Einfach weil er weiß, dass mir Tanzania am Herzen liegt und so wichtig für mich ist.

Mein größter Dank geht aber…
… an meine Teamkollegen, die mich auch ausserhalb des eigentlichen Projekteinsatzes in ihre Familien integriert haben. Die sich von mir haben antreiben lassen und die ich mit Sicherheit das ein oder andere Mal auch ein wenig überfordert habe. Gemeinsam haben wir wieder einiges bewerkstelligt.
… an all meine Freunde und Bekannte in Tanzania, die mich wieder einmal mit offenen Armen empfangen haben, an ihrem Leben haben teilhaben lassen, die mich ihrer Kultur wieder ein Stückchen näher gebracht haben. Die Sätze zig mal wiederholt haben, weil ich den Satz nicht auf Anhieb verstanden habe, die für mich übersetzt haben, die mit mir unterwegs waren und auch die eine oder andere Nacht durchgetanzt haben. Ihr habt mir einmal wieder gezeigt, was wirklicher Luxus ist. Nämlich Zeit haben und das Leben genießen, ohne Uhr, ohne Druck, ohne den ganzen Schnickschnack hier in Deutschland.
Danke! Und es hat sich wieder einmal gezeigt, dass man aus so einem Einsatz mit viel mehr zurück kommt, als man gegangen ist oder eventuell dort gegeben hat.

Ich werde mit Sicherheit wieder eine Weile zu kämpfen haben, bis ich tatsächlich wieder hier angekommen bin. Das Zurückkommen ist einfach wesentlich schwieriger als das Gehen. Aber ich weiß auch, dass ich irgendwann wieder zurück bin – in Tanzania.

Kweli, unaondoka? Utarudi lini?
Bado sijui. Lakini nitarudi – hivi karibuni! Versprochen!

Die letzten Wochen im Schnelldurchlauf…

Haraka, haraka, haina baraka…Eile mit Weile…Die letzten paar Tage und Wochen hat das leider nicht so wirklich zugetroffen. Wenn man merkt, dass die Zeit immer schneller vergeht und die eigenen Tage in Tanzania gezählt sind, dann versucht man doch immer noch alles unter einen Hut zu bekommen, nochmal alle zu sehen, Teilprojekte zum Abschluss oder auf einen guten Weg zu bringen und fragt sich, wo nur 2,5 Monate geblieben sind.

Daher gibt es heute im Schnelldurchlauf die letzten Tage und Wochen:

Ekke ist da
Es ist unglaublich aber wahr. Mein ehemaliger Arbeitskollege bei hansgrohe, der nur ca. 40km von mir zuhause entfernt wohnt und den ich in Deutschland so gut wie nie sehe, war einmal wieder in Tanzania! Einmal wieder, denn das letzte Mal haben wir uns vermutlich in 2009 auch hier in Tanzania gesehen.
Siehe auch Versprich dem Ekke nichts, was du nicht halten kannst

 

Sherehe ya watoto
Am 10. Oktober war es endlich soweit! Seit mehreren Jahren veranstaltet mein OVC-Projekt einen Kindertag, an dem alle Kinder, Vormünder und Schüler zu einer kleinen Feier eingeladen sind. Es gibt Essen und Trinken, die besten Schüler werden ausgezeichnet und jedes der Kinder erhält ein paar kleine Geschenke. 120 Kinder waren dieses Mal da. Die Kirche in Mabibo war gut gefüllt und wir hatten einen recht lustigen Tag. Ich hatte nun das erste Mal das Glück, am Kindertag mit dabei zu sein. Neben den Homevisits die wir gemacht haben, eine weitere Möglichkeit viele der Kinder von früher wieder zu sehen. Naja, Kinder sind es ja nicht mehr wirklich. Es sind junge Erwachsene geworden und es war schön zu sehen, dass es ihnen gut geht und dass die Unterstützung durch uns sie tatsächlich erreicht und ihnen die Schulausbildung ermöglicht.

 

Geburtstagsfeier in der Shelter
Mapikipiki ist 25 geworden! Er ist einer der großen Jungs in der Shelter von KCC. Und weil viele der kleinen Jungs, die dort wohnen nicht wissen, wann sie geboren sind, hat Mapikipiki kurzerhand seinen Geburtstag zum Geburtstag aller dort lebenden Kinder erklärt. Noch ein Nachmittag mit Kuchen, Huhn, Soda und Tanz!

 

Noch mehr home-visits
Ich bin leider? mittlerweile ziemlich abestumpft, was Leid und Elend angeht. Dennoch lassen mich manche Geschichten dann doch nicht kalt. Die home-visits in der ersten Runde waren gelinde gesagt nichts, gegen das, was ich dieses Mal gesehen habe. Und doch treffe ich dann inmitten des Elends Kinder an, die Klassenbeste sind, die selbstbewusst sind und die es irgendwie schaffen, im heillosen Durcheinander und inmitten betrunkener Nachbarn und Angehöriger zu lachen und an ihrer eigenen besseren Zukunft arbeiten.

 

Erection Day in Tanzania
Die letzten Wochen gab es hier nur ein Thema: die Wahlen! Und so hat dann auch ein boda-boda Fahrer letzten Samstag zu mir gesagt „Tomorrow is erection day in Tanzania!“. Da konnte ich nur darauf antworten: „ Aha! I am very much looking forward to it!“

So viel zu der spaßigen Seite der Wahlen…

Die nicht so spaßige Seite haben schon ein paar Tage vor den Wahlen angefangen. Lebensmittel- und Wasservorräte sollten aufgefüllt werden, es wurde zu erhöhter Vorsicht geraten. Am Samstag, dem Vortag des Wahltags gab es ab 18 Uhr Versammlungsverbot und alle Kneipen haben gegen 23 Uhr dicht gemacht. Es war Totenstille in der Nacht! Tanzanier, die sich für die Wahl registriert haben, haben sich am Sonntag nicht auf den Wahllisten wiedergefunden. Die Uni wurde dicht gemacht. Wer sich also dort registriert hatte, konnte nicht wählen. Auch am Montag waren fast alle Geschäfte hier auf Kigamboni geschlossen, Büros waren zu und am Strand war es herrlich leer.

Heute soll nun eigentlich das Ergebnis verkündet werden….in einigen Teilen des Landes ging es die letzten Tage hoch her. Brennende Wahlurnen, Tränengas im Einsatz, ein paar Tote. In Kigamboni ist es weiterhin ruhig. Auf Zanzibar ist gestern die Wahl für ungültig erklärt worden. „Shida!“, so die Aussage vieler Tanzanier. Ich will mich dazu gar nicht äussern, ausser dass die ganze Veranstaltung eher einer Farce, als einer demokratischen Wahl gleicht. Ich bin gespannt, was heute verkündet wird und wie sich die Lage hier weiter entwickelt.

Den Text gestern morgen geschrieben, dann kein ordentliches Internet. Somit geht der Post mit einem Tag Verspätung on air und ich kann nun heute verkünden: wir haben einen neuen Präsidenten. CCM hat das Rennen mal wieder gemacht. Wer hätte das gedacht?!?

 

Erste Abschiedsrunden…

Ein ganz normaler Arbeitstag in Dar

Um 6 Uhr geht die Sonne auf und eigentlich brauche ich hier nicht wirklich einen Wecker. Denn wer bleibt schon im Bett liegen, wenn er von der Sonne wachgeküsst wird? Warme Dusche oder bucket shower, Kaffee und Papaya zum Frühstück. Um 8 Uhr verlasse ich dann das Haus, um spätestens um 10 Uhr in einem der Offices zu sein….und zu warten…auf Kollegen, auf Strom, auf die Möglichkeit was auszudrucken, auf den Fahrer, der uns um 10 Uhr wohin bringen sollte und erst um 12 Uhr auf der Matte steht.

Wenn dann einmal alle bereit sind, geht’s daran Konzepte zu entwickeln, Berichte zu schreiben, die to do’s des letzten Meetings zu checken und neue to do’s zu verteilen. Und schwupp ist es 3 Uhr und wir treten alle den mehr oder minder langen Heimweg an.

Ja, 5 Stunden im Büro hört sich nach recht wenig an. Aber es braucht kein Neid aufzukommen! Ich muss in der Tat gestehen, dass mir, aber auch dem Team 5 Stunden reichen. Ich erwarte und verlange viel für hiesige Verhältnisse, die Schlagzahl ist doch etwas höher wenn ich da bin und die Hitze tut ihr übriges dazu. Aber, Stück für Stück kommen wir dem gesetzten Ziel etwas näher. Langsamer, viel langsamer als in Deutschland, jedoch getreu dem Motto „Haba na haba hujaza kibasa.“

 

Patenkinder und Home visits
In den letzten beiden Woche hatten wir ein wenig Abwechslung zum normalen Projekt- und Büroalltag. Die Patenkinder waren im Office und wir waren auf Home visits.

Am Dienstag waren wir bei ein paar Kindern zuhause. Haben kleine Interviews geführt und qequatscht. Die Zustände zuhause sind für unsere Verhältnisse teils haarsträubend. Auf kleinstem Platz leben viele Familienangehörige zusammen. Teilen sich teilweise zu viert ein Bett, schlafen auf Matratzen, die nicht wirklich Matratzen sind. Es ist immer wieder auch faszinierend – nein, eigentlich ist das nicht das richtige Wort – , wieviel die Kinder im Haushalt helfen müssen und dass sie neben Schule, Haushalt, Wasser holen und auf kleine Geschwister aufpassen, nicht wirklich Zeit für sich oder auch Hobbies haben, so wie es unseren Kindern in Deutschland ermöglicht wird…

Seit 2013 haben 4 Kinder aus unserem AIDS-Waisen Projekt einen persönlichen Paten. 4 Deutsche, die auf Reise in Tanzania waren, haben sich spontan entschlossen, für diese 4 Kinder einer Patenschaft zu übernehmen und unterstützen die Kids und somit das ganze Projekt seither mit 50 Euro im Monat. Damit können wir nicht nur den Schulbesuch und die Betreuung des einzelnen Kindes finanzieren, sondern auch etwas für die Allgemeinheit tun.
Am Donnerstag war nun einmal wieder ein Besuch der Kinder bei uns im Office angesagt. Zusammen mit ihren Vormündern (Mutter, Oma oder Tante) kamen sie zu uns und wir haben ein paar Stunden zusammen verbracht. Probleme und Sorgen kamen zur Sprache, das allgemeine Wohlbefinden wurde abgefragt und die Kinder haben einen kleinen Brief an ihre Paten geschrieben. Es war schön zu sehen, dass es den Kindern trotz all der Sorgen und Nöte gut geht und sie – dank des Projektes und unserer Unterstützung – zu den Besten der Klasse zählen.

50 Euro im Monat sind nicht wirklich viel! Vielleicht hat ja der ein oder andere von euch Lust, einem unserer Kinder für weitere 4 Jahre den Zugang zu Bildung und somit den Einstieg in ein selbstbestimmtes Leben zu geben? Im Hinblick auf Weihnachten, wäre so eine Patenschaft doch auch einmal ein tolles Geschenk oder? Und zwar ein Geschenk für beide Seiten –  Pate und Patenkind!!!!
Gebt euch einen Ruck! 2 T-Shirts weniger pro Monat oder ein Besuch weniger im Restaurant oder einfach 50 Euro weniger für Schnickschnack den eh keiner braucht. Uns macht das nicht wirklich arm, aber ein Kind und seine Familie glücklich! 

Wieviele Zusagen für eine Patenschaft schaffen wir?