Gangart-Wechsel

Anne ist als Volunteer Expert für 2 Monate im Projekt Fadhili Teens in Mwanza / Tanzania.

In den ersten Tagen war es für mich eine große Herausforderung beim morgendlichen Gang zum Bus oder wenn ich zu Fuß in der Stadt unterwegs war, auf dem Gehweg hinter den Menschen zu bleiben, die vor mir hergingen. Warum? Alle, die mich kennen, wissen, dass ich eine Schnell-Geherin bin. Für mich gibt es die Gangart “Schritt” eigentlich nicht. Es gibt den Trab als Standard-Gangart und dann noch den Galopp, wenn ich es eilig habe. Aber eigentlich habe ich es immer irgendwie eilig und mir leuchtete bisher auch nicht wirklich ein, WARUM ich langsam gehen sollte.

Und jetzt dann hier in Tansania. Hier gehen eigentlich alle gemächlich, in meinen Augen geradezu SEHR langsam. Ich dachte mir dann, es könnte ja eine gute Übung für mich sein, einfach mal nicht zu überholen, so als persönliche „challenge“. Mich dem hiesigen Tempo anzupassen. Ihr könnt es euch denken: gar nicht so einfach. Und so habe ich es auch kaum jemals geschafft, hinter meinem Vor-Mann oder meiner Vor-Frau zu bleiben.

Und dann dieser Tage auf einmal das: Ich gehe zum Bus hinter einer Frau mit einem Korb voller Tomaten auf dem Kopf. Ich beobachte sie von hinten, ihren aufrechten ja geradezu stolzen Gang. Ich frage mich, wie schwer der Korb wohl ist und wie es ihr gelingt, die Balance zu halten. Dann sehe ich in einem Baum auf einmal wieder einen dieser leuchtend blauen Vögel und bewundere seine wahnsinnige Farbintensität. Mein Blick geht wieder nach vorne und vor mir liegt der Viktoriasee. Ich lächle vor mich hin und stelle voller Verwunderung fest, dass ich gar keinen Impuls verspürt habe zu überholen.

Die Veränderung ist passiert, ganz einfach so. Ohne oder sogar trotz meines Zutuns. Nicht meine persönliche Challenge oder meine eigenen aktiven Versuche haben dazu geführt, dass ich nicht überholt habe sondern vielmehr das Loslassen des eigenen Vorsatzes. Ein Einlassen auf meine Umgebung, auf den Rhythmus hier. Ein Loslassen meiner eigenen tiefen Überzeugung, dass ich nur rennend zum Ziel komme. Und auf einmal ändert sich meine Wahrnehmung, erweitert sich mein Blickwinkel aufgrund des veränderten Tempos.

Das ist keine einfache Sache für jemanden wie mich mit einer so starken westlichen Prägung aus “weiter, schneller, höher”, aus Streben und Anstrengung und in neueren Zeiten auch Selbstoptimierung. Daher bin ich dankbar, dass ich meine Komfortzone verlassen und mich auf diesen Perspektivwechsel eingelassen habe.

Mein Arbeitsplatz in Tanzania

Anne ist als Volunteer Expert für 2 Monate im Projekt Fadhili Teens in Mwanza / Tanzania.

Auf den ersten Blick sieht mein Arbeitsplatz nicht so viel anders aus als in Deutschland und doch ist der Arbeitsalltag hier ein völlig anderer.

  • Mein Tag richtet sich nicht nach meinem Outlook Kalender. 
    Termine geschehen hier eher auf Zuruf und Zeitangaben sind als grobe Anhaltspunkte zu verstehen
  • Äußere Einflüsse nimmt man mit großer Gelassenheit hin: Stromausfall, Wartezeit an der Fähre, Straßensperrungen, starker Regen, der verhindert, dass man zu den Familienbesuchen kann
  • Die Strukturen auch in unserem kleinen Unternehmen sind noch sehr hierarchisch
  • Tempo: Input mit Bedacht einbringen, einen Impuls geben, ihn wieder aufgreifen und dann abwarten.
  • Was genau so ist wie in Deutschland: ich habe tolle Kollegen, die mit ihrem Herzen bei der Arbeit sind und wir lachen viel miteinander!

Aber ich verbringe ja auch nur einen kleineren Teil meiner Arbeit am Schreibtisch.

An den anderen Tagen begleite ich meine Kollegen– „out into the field“, wie man hier so schön sagt. Das heißt, wir besuchen zum einen die Familien der Kinder mit Behinderung, die von unserem Programm unterstützt werden und zum anderen betreuen wir einen Girls Club an einer Sekundarschule sowie eine Gruppe junger Frauen in einem Dorf. Die „fieldwork“ ist für mich völlig ungewohnt und mitunter herausfordernd. Der Einblick in die Lebensrealitäten, die sich so unvorstellbar von meiner eigenen in Deutschland unterscheiden. Weite Fahrten zu den Familien draußen auf dem Land. Lehmhütten ohne Strom und Wasser fernab von Infrastruktur und Krankenhaus. Großmütter, selber gebrechlich und fast blind, die ihre Enkelkinder betreuen, weil die Mütter fernab einem Broterwerb nachgehen und die Männer verschwunden sind.

Zu unseren Girls Groups reisen wir mit dala dala (Minibus), Fähre und dann dem boda boda (Motorradtaxi). Eine Fahrt dauert ca. 2 Stunden. Dort versuche ich gerade, mit der Kollegin neue Dinge auszuprobieren, z.B. ein HIV Quiz, Gruppenspiele und Integration von Bewegung. Die Mädchen sollen im Girls Club eine gute Zeit haben, lachen können und spielerisch lernen, da der sonstige Schulalltag ja im Wesentlichen aus Frontalunterricht und dem Wiederholen dessen, was der Lehrer vorträgt, besteht. 
Nach diesen Tagen draußen im Feld bin ich erschöpft und überwältigt. Ich bin beeindruckt zu sehen, wie die Hilfe ankommt mitunter aber auch traurig, frustriert und wütend, weil es eigentlich nie genug ist. Es ist schwer auszuhalten, dass wir eben nur einen Teil beitragen und nicht alle Probleme lösen können.

Ich bin sehr dankbar für diese Einblicke, dafür, einen anderen Arbeitsalltag und eine andere Unternehmenskultur kennenlernen zu dürfen. Es gibt mir die Gelegenheit zu reflektieren, was mir persönlich in meiner Arbeit wichtig ist, was ich hier vermisse und was ich vielleicht auch mitnehme von hier für die Zeit nach meiner Rückkehr.

Bildungsgerechtigkeit?!?

Anne ist als Volunteer Expert für 2 Monate im Projekt Fadhili Teens in Mwanza / Tanzania.

Es wird in letzter Zeit häufiger diskutiert in Deutschland über den vorherrschenden Lehrermangel und über das Thema Bildungsgerechtigkeit.

Ich besuche im Rahmen meines 2-monatigen Volunteeraufenthalts hier in Tansania jede Woche mit meiner Kollegin eine öffentliche secondary school im ländlichen Raum in der Nähe von Mwanza. Wir bieten dort einen “girls club” an, wo die Mädchen in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt werden, Aufklärung erhalten zu Themen wie Sexualität, Menstruation, Schwangerschafts- und Gewaltprävention und sich im geschützten Rahmen austauschen können.

Bei unserem Besuch diese Woche hat der Direktor von seinen Herausforderungen erzählt. Ein paar Fakten:

  • knapp 1200 Schüler:innen besuchen die Schule
  • es gibt 25 Lehrer:innen
  • davon sind 6 “science teacher”, d.h. unterrichten Mathematik, aber auch Chemie, Physik, Biologie, jedoch nur 4 in Vollzeit
  • er hat eine Bewerbung für einen part-time teacher (diese sind noch in Ausbildung) auf dem Tisch liegen, erzählte uns jedoch resigniert, dass dieser absagen werde, wenn er ihm sein Gehalt mitteilt: 150.000 tansanische Schilling (ca. 63 Euro)/Monat und lieber an eine private Schule ginge um selber sein Auskommen bestreiten zu können
  • die Kinder legen im Schnitt 6-7km Fußweg zurück für die einfache Strecke zur Schule

Unsere Tochter besucht in Köln auch eine “secondary school” in etwa gleicher Größe. Sie läuft 15 Minuten zu Fuß zur Schule oder nimmt den Bus mit dem bezuschussten Monatsticket. Ja, es gibt mitunter Unterrichtsentfall, über den ich mich dann ärgere. Aber die ca. 1000 Schülerinnen werden von knapp 90 Lehrer:innen unterrichtet. Wie viele Mathelehrer darunter sind, weiß ich nicht genau, aber zumindest so, dass die vorgesehenen 5 Wochenstunden Mathe in der 7. Klasse in der Regel unterrichtet werden.

Diesen erweiterten Blick auf das Thema Bildungsgerechtigkeit im globalen Kontext ermöglicht mir mein Volunteer Aufenthalt hier.

Zukunft statt Zeugs!

Bist du noch auf der Suche nach einem sinnvollen Weihnachtsgeschenk?
Dann hätte ich eine Idee für dich!

Schenke doch in diesem Jahr einfach einmal Zukunft statt Zeugs!
Tanzania hat mehr als 18.000 Grundschulen. 95% davon sind Regierungsschulen, an denen keine Schulgebühr verlangt wird. Eine Schuluniform ist jedoch Pflicht und viele der Familien insbesondere in ländlichen Gegenden können sich diese nicht leisten. Mit nur 10 Euro kann ein Kind mit einer Schuluniform ausgestattet werden und hat so die Chance auf ein selbstbestimmteres Leben.


NIVISHE NISOME – Zieh mich an, damit ich lernen kann! So heisst das neue Projekt von Tabasamu e.V., bei dem noch jede Menge Unterstützung benötigt wird. Mehr Infos findest du auf der Webseite www.tabasamu.org und https://nivishenisome.co.tz/

Du willst dieses Jahr Zukunft schenken? So gehts!

Tabasamu e.V.
Triodos Bank Deutschland
IBAN DE 75500310001053727006
BIC TRODDEF1

oder via Paypal:
info@tabasamu.org
PayPal.me/tabasamu

Ich sage auch im Namen von Tabasamu e.V. herzlichen Dank – ASANTENI SANA und wünsche euch eine frohes Weihnachtsfest und einen guten Start in 2022!

No hurry in Africa

Selbst wenn man sich noch so sehr bemühen mag diesen Satz zu verinnerlichen, so ticken die Uhren auch auf diesem Kontinent – und wer hätte es gedacht, gefühlt fast genau so schnell wie zuhause…der letzte Sonnenuntergang am Strand, das letzte Serengeti Lite mit neu gewonnen Freunden und natürlich die vorerst letzte Fahrt mit dem wohl besten Verkehrsmittel in Tanzania – eMo Bodada 😊

2 Monate in Afrika werden aus mir keinen neuen Menschen machen, aber mich hoffentlich in manchen Situationen geerdeter und reifer reagieren lassen – ein bisschen mehr Hakuna Matata eben!

Ich werde auch weiterhin versuchen ab und an dem eMo BodaBoda Team zur Seite zu stehen. Den Willen und Mut, den einzelne Menschen aufbringen, um etwas zum Positiven zu verändern, verdienen neben der Wertschätzung eben auch ein wenig Unterstützung.

Als kleines Weihnachtsgeschenk würde ich mich freuen, wenn unter nachfolgendem Link genügend Geld für mein persönliches kleines Tanzania Projekt zustande kommt:

Go green with eMo Bodaboda

Asante Sana!

Improvisation und der Blick von Außen statt reiner Fachexpertise

Die Zeit vergeht wie im Fluge und die ersten Wochen meiner 2,5-monatigen Auszeit in Daressalam sind bereits vorbei.
Zeit für einen ersten Zwischenbericht.

Mein Arbeitsalltag ist so kreativ und abwechslungsreich, wie eigentlich das ganze Unternehmen Africraft – mein Projekt. Da meine Aufgabe vor allem die Verbesserung der Produktionsabläufe ist, verbringe ich in den ersten Tagen und Wochen viel Zeit in den kleinen Werkstätten auf dem Gelände, mit den Mitarbeitern und dem Produktionsleiter um die verschiedenen Verbesserungsideen zu entwickeln und umzusetzen. Die Herausforderung ist hierbei vor allem, dass wir die Dinge auch wirklich zu Ende bringen, bevor die nächste kreative Idee uns wieder ablenkt. Oft haben wir auch nicht immer alles Werkzeug oder Material zur Verfügung. Entweder heißt es also improvisieren, oder wir fahren los, um es auf einem der zahlreichen Markstände in Daressalam zu finden.
Neben der Produktion unterstütze ich mittlerweile auch in anderen Bereichen. Ich habe Marketingworkshops durchgeführt und zur Neustrukturierung der Webseite und der Struktur der Kundendatenbank Input gegeben. Oftmals ist ein wenig Struktur und der Blick von Außen das Wichtige und nicht zwingend die Fachexpertise.

Mittlerweile fühle ich mich schon komplett zum Team zugehörig. Das Wetter und das tolle Gelände auf dem wir arbeiten, lässt jeglichen Büroalltag vergessen und in diesem kreativen Startup-Umfeld macht es einfach Spaß zu arbeiten.
In der Freizeit geht’s entweder zum Yoga auf der Dachterasse, daneben gibt es Veranstaltungen oder auch eine gute Auswahl von Bars und Restaurants. Langweilig wird es also nicht. Die Wochenenden sind gefüllt mit Strand-Nachmittagen außerhalb der Stadt oder einem Kurztrip.
Anstatt eine größere Auszeit von der Auszeit zu machen, habe ich bereits mehrere kürzere Reisen gemacht. Dass ich dann auch mal einige Tage nicht da bin, ist nach Rücksprache für den Projektpartner kein Problem. Oft brauchen die „angeschobenen“ Dinge sowie ein wenig Zeit und außerdem komme ich oft mit neuen Ideen von den Reisen zurück. Meine Reisen führten mich bisher auf eine Safari in die Serengeti, in die Usambara-Mountains und nach Bagamoyo. Tansania ist auf jeden Fall eine Reise wert!


Die zweite Hälfte meiner Auszeit ist angebrochen und ich bin gespannt, was mich noch erwartet!

Halbzeit in Kigamboni /Tanzania

Das ich hier in einem fußballbegeisterten Land gelandet bin, war mir ebenso neu wie dass es auf unserem Planeten im 21. Jahrhundert noch urbane Bezirke ohne exakte Anschrift gibt. Aber genau um diese neuen Erkenntnisse geht es doch bei dem so oft angepriesenen Blick über den berühmten Tellerrand – raus aus der Komfortzone und rein in neues unbekanntes Terrain.

Die ersten 3 von insgesamt 6 planmäßigen Wochen als Volunteer bei Techno Roads Eye (eMo BodaBoda) hatten durchaus zahlreiches Neues zu bieten und haben mein Tagebuch schon jetzt mit der ein oder anderen unvergesslichen Geschichte gefüllt.

Anfangs konnte ich mir nicht im Geringsten vorstellen, wie ich innerhalb kürzester Zeit ein Gewinn für das Team sein sollte. Aufgrund der noch nicht vorhandenen Strukturen und Abläufe konnte ich hier meiner Kreativität jedoch endlich einmal freien Lauf lassen und deshalb hätten meine Aufgaben nicht unterschiedlicher sein können. Von Gesprächen mit neugierigen Kunden, Erstellung von Verkaufsunterlagen und Visitenkarten für das Team bis hin zur Einführung eines digitalen Kanbantools konnte ich mich komplett frei austoben.

Ich würde fast schon behaupten, mich nun richtig eingelebt zu haben…der Weg zur Arbeit und nach Hause ist längst kein zufälliges ausprobieren von Straßen mehr, die Integration im Team lies mich schon zum gefühlten zweiten Chef aufsteigen und im neuen Fitnessstudio bin ich schon längst keine Attraktion mehr.

Ehrlicherweise gibt es dann doch noch die ein oder andere Alltagssituation, die mir ein wenig Kopfzerbrechen zubereitet. Das Aufladen der Handykarte ist in meinen Augen noch genau so ein Mysterium wie der Stromkauf für die Unterkunft. Aber das schöne an diesem Ort der Welt ist, dass hier auf jeden Fall noch kein Meister vom Himmel gefallen ist und am Ende – wenn auch mit etwas mehr Zeitaufwand als gedacht – doch alles zumindest halbwegs funktioniert.

Ich würde sagen, die zweite Halbzeit kann kommen 😊

Live-Session: Abenteuer Auszeit – Vorbereitung auf den Einsatz

Geschichten eines Volunteer Experts am 02. Oktober 2021 live via Zoom

Live-Session: Abenteuer Auszeit – Zurück in Deutschland

Geschichten eines Volunteer Experts am 20. März 2021 live via Zoom

Social Sabbatical in Zeiten von Corona – Frohe Weihnachten am Strand (Teil 2)

In meinem Beitrag vor ca. 2 Monaten habe ich von meinen ersten Wochen in Tansania berichtet und mich gerade noch auf meinen „Urlaub von der Auszeit“ gefreut. Nun – gefühlt ein paar Tage und gleichzeitig eine Ewigkeit später – bin ich schon wieder zu Hause in Deutschland angekommen und habe so viele Erlebnisse im Gepäck, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll…

Zwar waren für meinen Urlaub einige Besucher aus der Heimat angekündigt gewesen, allerdings konnten sie aufgrund von Corona nicht kommen. Erstens hätten sie nach ihrer Rückreise in Quarantäne gehen müssen (und dafür hatte niemand genügend Urlaub) und zweitens war nicht klar, dass die Flüge zuverlässig fliegen oder die Grenzen nach Deutschland offenblieben. Also habe ich mich schließlich allein in das Abenteuer gestürzt.

Ich habe mit einer Wanderung auf den Kilimanjaro gestartet – ein echtes Erlebnis! Zwar bin ich auf der letzten Etappe Richtung Summit höhenkrank geworden und habe es deshalb nicht bis nach ganz oben geschafft, aber die Erlebnisse und Ausblicke waren es allemal wert.

Als nächstes habe ich mir die Stadt Arusha mit einem Guide angeschaut. Eine sehr schöne Stadt, die etwas kleiner und ruhiger ist als Dar es Salaam. Besonders der Großmarkt war interessant für mich.

Weiter ging es mit einer Safari im Tarangire National Park und dem Ngorongoro Krater. In zwei Tagen habe ich viele Tiere gesehen und eine atemberaubende Landschaft genossen. Hier nur ein paar Eindrücke.

Weihnachten habe ich dann schließlich auf Sansibar verbracht. Es war schon komisch ganz allein Weihnachten zu feiern und meine Lieben nur am Telefon zu hören und zu sehen. Dafür hatte ich bestes Wetter und konnte die Feiertage einmal in Badesachen am Strand verbringen. Das war mal eine ganz neue Erfahrung.

Passend zu Silvester bin ich mit der Fähre wieder zurück nach Dar es Salaam gefahren. Es war ganz verrückt, dass ich alles in meiner „neuen Heimat“ ganz anders wahrgenommen habe als vor dem Urlaub. Nun war alles, was vorher für mich so ungewohnt und neu war, plötzlich ganz vertraut und normal: die Verkehrsmittel, mein Haus (und ja, auch die vielen kleinen krabbelnden und fliegenden Tierchen), die afrikanischen Märkte, die Menschen, die mich als weiße Person ständig interessiert anschauen, … Ich hatte tatsächlich das Gefühl, nach Hause zu kommen und habe mich auch wieder auf den Alltag im Projekt gefreut.

Die Mädels im Projekt
…beim Unterricht

Während sich in Deutschland um den Jahreswechsel die Corona-Situation immer mehr verschärft hat und der Lockdown den Menschen auf das Gemüt schlug, konnte ich meine zweite Hälfte des Sabbaticals in vollen Zügen genießen. Wir konnten uns im Projekt und in der Freizeit mit anderen Menschen treffen, den einen oder anderen Tag am Strand verbringen und an den Wochenenden kleine Städtetrips machen.

Doch je näher die Rückreise nach Deutschland rückte, desto unruhiger wurde ich. Im Laufe der Zeit wurde immer wieder die Absage von Flügen diskutiert und als ein Einreisestopp nach Deutschland ins Gespräch kam, habe ich mich entschieden, so schnell wie möglich wieder zurückzufliegen.

Die Rückreise verlief dann auch nicht ganz reibungslos. Die Fluggesellschaft hat immer strengere Beschränkungen eingeführt, u.a. einen Corona-Test, dessen Frist in Tansania einfach gar nicht erfüllbar war. Nachdem ich zu meinem Corona-Test kein eindeutiges Ergebnis bekommen habe, konnte ich tatsächlich meinen Flug nicht wahrnehmen und musste auf eine andere Airline umbuchen. Das klingt zwar jetzt einfach und unkompliziert, aber das war es nicht. Trotzdem bin ich am Ende gesund und munter etwa eine Woche vor der geplanten Rückkehr zu Hause angekommen – nicht zuletzt durch viel Unterstützung durch meine Familie und Freunde zu Hause und vor Ort. Auch Elke von Manager für Menschen war eine riesige Hilfe.

Auch wenn die Rückreise am Ende etwas turbulent gelaufen ist, würde ich mich immer wieder für dieses Sabbatical entscheiden – auch in Corona-Zeiten! Unterm Strich habe ich drei Monate Lockdown durch viele spannende und bereichernde Erfahrungen sowie Begegnungen mit ganz tollen Menschen eingetauscht. Und nicht zu vergessen: ganz viel Sonne!