…bereits 5 Monate bei Lesedi La Batho in Südafrika

Bereits seit 5 Monaten ist unser Berater auf Zeit Philipp in Südafrika. Hier nun ein weitere Bericht von ihm.

Ich kann es kaum glauben. Bereits sind fünf Monate vergangen. Eigentlich sollte ich mich schon langsam auf die Abreise vorbereiten, denn ursprünglich waren 6 Monate vorgesehen, aber stattdessen habe ich eine Visaverlängerung bis Ende Jahr – und somit eine Verlängerung von drei Monaten – beantragt. Ich schreibe also nicht einen Abschluss- sondern einen Halbzeitbericht.

Die vergangenen 5 Monate waren unglaublich interessant, aufschlussreich und gespickt von wunderbaren Momenten und Erfahrungen.

Privat habe ich mittels unzähligen Wochenendausflügen und Kurzferien schon fast ganz Südafrika und einige der umliegenden Länder gesehen: In Gruppen von 5 bis 12 mieten wir jeweils Autos oder 4×4 und verbringen eine super Zeit. Wir waren bereits in Ländern wie Lesotho, Swaziland und Mozambique, in berühmten Parks wie Krüger und Pilanesberg, in Städten wie Kapstadt, Durban, Johannesburg oder Stellenbosch und natürlich vielem mehr. Für die kommende Zeit bis Dezember möchte ich noch mindestens eine grössere Reise nach Namibia und zu den Victoria Falls machen.

«Beruflich» macht die Arbeit extrem viel Spass. Das letzte Mal habe ich über unsere drei Bereiche – Prevention Program in den Schulen, Skill Training und Social Enterprises – berichtet. In den vergangenen vier Monaten haben wir unsere Strukturen etwas aufgebrochen und somit zielorientierter ausgerichtet. Nun verfügen wir über fünf Segmente, welche als Ganzes einer Maschine gleichkommen sollten, die sozial benachteiligte Menschen in finanziell unabhängige und «empowered individuals» transformieren soll. Die entsprechenden Segmente sind Prevention Program, Social Relief, Skill Training, Job Placement und Entrepreneurship.
Für jeden Bereich haben wir KPIs (Key Performance Indicators) und entsprechende Ziele definiert. Im wöchentlichen Management Meeting werden die KPIs rapportiert und diskutiert. Jeder Segmentsleiter verfügt nun über einen eigenen Bürotisch mit Computer (an dieser Stelle nochmals vielen Dank an die Schweizerische Botschaft in Pretoria), Internet, Emailadresse, Excel-Datenbank, ein Cost Centre und einen klar abgegrenzten Verantwortungsbereich. Anfänglich war die Umstellung für die Mitarbeiter etwas schwierig. Seitdem aber erste Erfolge wie eine Vervierfachchung der «Jobplacementrate» im Juni einschlug, sind die Früchte offensichtlich.

Auch haben wir die Art und Weise wie Geld und Güter an die Hilfsbedürftigen verteilt werden, umgestellt. Statt einfach Gutes auszuhändigen, müssen die Mitarbeiter des Social Relief Segments nun für jeden Begünstigten eine Komplettanalyse durchführen und einen Aktionsplan ausarbeiten. Neue Fälle werden im Management Meeting kurz präsentiert und abgesegnet. Wöchentlich müssen Fortschritte rapportiert werden. Kosten, Zeit und ausgehändigte Güter werden pro Fall in einer einfachen Datenbank erfasst und ausgewertet. Ziel ist es nicht möglichst viel zu verteilen, sondern möglichst viele Individuen zu transformieren. Immer öfter entscheiden wir, dass nur etwas ausgehändigt werden darf, wenn im Gegenzug die Begünstigten an den Life Skill Trainings teilnehmen.

Weiter haben wir das Prevention Program optimiert. Das Team haben wir auf 10 Mitarbeiter reduziert, damit die noch junge Leiterin auch wirklich eine leitende Funktion einnehmen und die Gesamtleistung der Gruppe steigern kann. Auch hier haben wir die Transparenz durch Reporting Formulare und KPIs erhöht, sowie unsere Ansprüche an die verbleibenden Mitarbeiter massiv gesteigert. Mittels einem 12-monatigen Training (an dieser Stelle vielen Dank an Rays of Hope) sollen die Mitarbeiter befähigt werden, schwierige Schüler zu «bekehren» und damit vor Teenageschwangerschaften, Drogenkonsum, Krankheiten und Armut zu bewahren. Zukünftig soll auch alles mittels Fotos und Videos auf unserer Facebookseite dokumentiert werden, was einen positiven Einfluss auf unsere internationalen Geldgeber haben sollte.

Zuletzt möchte ich noch berichten, dass wir ein neues social enterprise geschaffen haben. Wir wollen handgefertigte Sommerschuhe in kleinen Shops in Johannesburg und ev. in der Schweiz verkaufen.
Ich könnte noch vieles mehr über meine Arbeit bei Lesedi berichten, möchte aber den Leser nicht langweilen.

Als Kernbotschaft gilt: Als Berater auf Zeit kann man extrem viel verändern und beitragen. Selbstverständlich kommt aber auch extrem viel zurück in Form von Wertschätzung, Bekanntschaften, grossartigen Momenten und einem besseren Verstehen unserer Gesellschaft und Weltordnung, denn es gilt auch hier:

“Our rewards in life will always be in exact proportion to our contribution, our service (Earl Nightingale).”

 

Die Bescheidenheit südafrikanischer Polizisten / Erste Eindrücke aus Pretoria

Das Abenteuer beginnt gleich nach der Ausfahrt aus dem Flughafen-Parkhaus: Knapp ein paar hundert Meter, schon kommt die erste Polizeikontrolle und ich bin heilfroh, dass ich nicht alleine unterwegs bin sondern mit Chrisna – der Leiterin der Organisation, für die ich die nächsten 3 Monate volunteere – im Auto sitze. Prompt werden wir rausgewunken. Wahrscheinlich wegen des fehlenden Nummernschildes vorne am Wagen, meint Chrisna. Blöd nur, dass auch ihr Führerschein abgelaufen ist… Den der Polizist natürlich prompt sehen möchte. Das Nummernschild interessiert ihn kaum. Schon entbrennt eine heiße Diskussion zwischen den beiden, warum die Papiere nicht da sind und er sie bitte schön doch trotzdem ohne Bußgeld weiterfahren lassen soll.

Nach knapp 10 Minuten kapituliert der Polizist vor Chrisnas Charme und rhetorischer Urgewalt – und ich bin sehr beeindruckt von der Freundlichkeit und Bescheidenheit der südafrikanischen Polizei. Hatte er doch tatsächlich nur um einen kühlen Drink gebeten, als es darum ging, unter welchen Bedingungen er uns weiterfahren lassen könnte. „A cool drink“, so erfahre ich hinterher, ist in Südafrika die übliche Floskel, um nach Schmiergeld zu fragen. Und damit kein falscher Eindruck entsteht: auch hier hat es Chrisna geschafft, ohne einen Cent zu zahlen weiterzufahren.

So macht man das also: Welcome to South-Africa!

Die ersten Tage sind dann trotzdem ein ziemlicher (Kultur) Schock. Obwohl Pretoria mit seinen gepflegten Straßen und Shopping-Malls ein wenig das Lebensgefühl Kaliforniens ausstrahlt, ist doch jedes Haus von hohen Mauern und Stacheldraht umzäunt und nach Einbruch der Dunkelheit (das ist hier in Südafrika schon um 18 Uhr…) soll man am besten nicht mehr zu Fuß unterwegs sein – auch im sicheren und sehr schönen Stadtteil Brooklyn, in dem ich wohne. Ist man abends oder nachts alleine mit dem Auto unterwegs, soll man an roten Ampeln nur wenn unbedingt nötig halten… die Gefahr, überfallen zu werden, ist groß. An jedem Zaun prangt zudem das Schild eines der ortsansässigen Security-Unternehmen ( mit so klangvollen Namen wie „Ubuntu-Security“ oder „Armed Response“), vor einzelnen Häusern sitzen die Wachleute auch 24 Stunden am Tag Wache – auf einfachen Plastikstühlen.

Da zwei südafrikanische Feiertage in meine Ankunftswoche fallen, habe ich Zeit mich in Ruhe zu akklimatisieren – erst nach ein paar Tagen fahre ich zum ersten Mal nach Mabopane, in das Township, in dem ich die nächsten 3 Monate als Volunteer arbeiten werde. Dort ist das Community-Center von Lesedi la Batho, von dem mein Co-Volunteer Philipp schon ausführlicher berichtet hat. Eine Art Gemeindezentrum des Townships, in dem die Mitarbeiter von Lesedi mit Ausbildungsprogrammen versuchen, die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern.

Philipp nimmt mich die ersten Tage unter seine Fittiche – er ist schon seit Februar hier und gerade mitten dabei, die Organisationsstrukturen von Lesedi umzugestalten.

Mein erster Eindruck vom Center: Wow, was für eine fröhliche und bunte Welt! In jedem Raum befindet sich ein Workshop oder eine Werkstatt, die unter anderem Teddybären, Kleidung, Schmuck oder Taschen herstellen. Daneben gibt es noch die sehr liebevoll eingerichtete Kinderkrippe, die sich um die Kinder von Teenager-Müttern kümmert.

Ria, die Leiterin des Centers vor Ort, beeindruckt mich gleich mit ihrer Herzlichkeit. Sie ist die gute Seele des Townships, auch nach Feierabend noch unterwegs, um beispielsweise den alten und kranken früheren Gärtner des Centers zu besuchen oder eine junge Mutter und ihr Kind. Wer gerade nichts zu essen hat, wird zu ihr nach Hause eingeladen – egal wie wenig sie selbst hat.

Ich stürze mich gleich in die Arbeit, was in meinem Fall heißt, möglichst viele der Menschen kennenzulernen, die vom Center unterstützt werden – denn ich möchte einen Film über die Arbeit von Lesedi la Batho drehen. Deswegen fahre ich in den nächsten Tagen an die verschiedenen Schulen und begleite die ‘Social Auxiliary Workers’ von Lesedi dort bei ihrer Arbeit. An anderen Tagen bin ich mit Monica unterwegs, die sich um junge Prostituierte und ihre Kinder kümmert und begleite sie bei ihren Hausbesuchen. Prostitution ist, wie ich lerne, in den Townships oft die einzige Einnahmequelle für junge Frauen mit Kind und ohne familiäre Unterstützung.

Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist für mich schwer auszuhalten. Die Frauen und Kinder, die wir in diesen Tagen besuchen, leben teilweise in den notdürftigsten Hütten ohne Wasser, Strom oder Toiletten. Die Fliegen schwirren und andere Insekten krabbeln. Auch zu Essen ist häufig nichts im Haus. Diese Bilder bleiben im Kopf, wenn ich abends in mein schönes Guesthouse in Brooklyn zurückkehre.

Erster Monat in Mabopane, Pretoria, Südafrika als Volunteer

Ich bin jetzt ziemlich genau einen Monat in Pretoria, Südafrika. Mein Alltag ist geprägt von Gegensätzen.

Ich wohne in einem luxuriösen Guesthouse in Brooklyn, eine reiche Wohngegend von Pretoria, mit ca. 15 anderen Gästen, alle so zwischen 20-32, mehrheitlich Europäer und Südafrikaner. Die Atmosphäre im Guesthouse ist extrem familiär. Man kocht zusammen, unternimmt Weekend-Trips, geht aus in die vielen Restaurants, Clubs und Bars oder geniesst die Zeit am Swimmingpool. Die Umgebung lässt sich m. E. mit Kalifornien vergleichen: Es ist herrlich warm, blauer Himmel, die Sonne scheint. In der nahen Umgebung hat es alles, was das Herz begehrt: Ein modernes Einkaufszentrum, viele Restaurants und Bars, ein Sportplatz mit Bootcamp (4 mal die Woche), ein Autoverleih, Jogging Gelegenheiten und dergleichen mehr. Es ist sicher und für Schweizer / Deutschland Verhältnisse günstig (Ich habe 1250 Euro pro Monat inkl. Miete gebraucht).

Arbeiten tue ich bei einem NGO mit Namen Lesedi La Batho. Wir verfügen über zwei Lokalitäten: Das Büro befindet sich in günstigen Räumlichkeiten eines Rugbystadions ca. 30 min zu Fuss vom Guesthouse oder 5 min mit dem Auto in einer sehr sicheren Gegend. Dort verfüge ich über einen Labtop und teile das Büro mit Chrisna, unserer Chefin, Ronel, unserer Buchhalterin, Loren, unserer Administratorin und ca. 4 weiteren Personen von einem anderen NGO. Unsere Infrastruktur ist top und der Büroalltag gestaltet sich ähnlich wie in der Schweiz oder Deutschland. Die zweite Lokalität befindet sich in Mabopane ca. 45 min mit dem Auto im Nordwesten von Pretoria. Dort verfügt Lesedi La Batho über ein Community Center inmitten eines “Townships”. Die Gegend dort ist signifikant ärmer als diejenige in Brooklyn. Die Aktivitäten unseres NGOs und damit diejenigen unseres Community Centers, zielen auf die Verbesserung der Lebensumstände der in dieser Gegend wohnenden Bevölkerung ab. Leider ist diese Gegend zurzeit geprägt von Armut, HIV, Arbeitslosigkeit und schlechten Schulen, was die Bevölkerung leider zu Kinderschwangerschaften, Drogenkonsum, Kriminalität und dergleichen Schrecklichem mehr verleitet.

Meine Aufgabe bei Lesedi ist die Strukturierung und Optimierung aller operativen Aktivitäten im Community Center. Diese lassen sich in drei Bereiche gliedern:

Im Center werden lokale Personen während eines drei monatigen Ausbildungsprogamms in den Bereichen Kindererziehung, Nähen, Computeranwendung, Schmuckherstellung, Backen und “Life Skills” ausgebildet und erhalten danach ein Zertifikat, welches es ihnen erleichtern sollte einen Job zu finden. Unser internes Jobberatungsbüro unterstützt sie dabei.

Der zweite Bereich besteht aus 14 sogenannten Social Auxillary Workers. Diese schwärmen tagtäglich zu 9 High- und 4 Primary- Schools aus und schulen / beraten Schüler in den Bereichen HIV, Gewalt, Menschenrechte, Drogenkonsum, Life skills und dergleichen mehr. Diese vollziehen auch sogennante “Home visits” wobei es sich dabei um Hausbesuche handelt um sozial benachteiligte Individuen zu identifizieren und zu unterstützen: entweder mit den Leistungen des Community Centers oder mittels Empfehlungen zu Kliniken, Schulen, Polizei oder schlichtweg mit dem Vorbeibringen von Food Parcels.

Beim dritten Bereich handelt es isch um “Social Enterprises”. Diese sind eine Art Kleinunternehmungen, welche von Absolventen des Ausbildungsprogramms gegründet wurden und nun geführt werden. Zurzeit produzieren diese Kleinunternehmen eine Vielzahl von Produkten: Teddybären für eine Firma aus Cape Town, Schuluniformen für lokalen Schulen, Tragtaschen und ab und zu Schmuckstücke. Auch hat es ein “Child Care Center” für zurzeit 60 Kinder von “Teenage Mothers” welches sich über Tag um Kleinkinder kümmert, damit die Mütter in die Schule gehen können.

Meines Erachtens funktionieren viele Aktivitäten gut. Es gibt aber einige Bereiche, welche noch verbessert werden können. Unser Fokus für die nächsten Monate liegt im Ausbau der “Reporting” Aktivitäten, im weiteren Empowern des 5 köpfigen Management-Teams vor Ort im Center, in der Erweiterung der Infrastrktur und in der stärkeren Abkoppelung der “Social Enterprises”  damit diese unabhängig von Spenden werden. Auch scheint das Potential der Social Auxillary Workers noch nicht vollumfänglich ausgeschöpft. Vergangene Woche haben wir erste Akzente setzen können. Meine Ideen werden von den total 42 Mitarbeiter kritisch aber sehr wohlwollend angenommen und dann weiterentwickelt.

Es herrscht ein sehr offenes und angehenmes Betriebsklima. Viele der Mitarbeiter sind sehr interessiert und auch dankbar, dass man versucht ihnen und damit indirekt den vielen Hilfsbedürftigen zu helfen. Die Motivation ist also hoch und ich hoffe, dass ich beim nächsten Update bereits erste Erfolgsstories berichten kann…

 

Neuer Berater auf Zeit auf dem Weg!

Gestern Treffen und letzte Absprachen mit dem deutschen Vorstand, heute Koffer packen und morgen geht es für unseren Berater auf Zeit Philipp für 6 Monate nach Südafrika. Er wird dort unseren Projektpartner Lesedi la Batho im Bereich Prozessoptimierung beraten, sowie das Management-Team in der Administration und Organisation unterstützen.

Eine gute Reise, viel Spaß und viele wunderbare Erfahrungen!

Wir freuen uns auf deinen ersten Blog-Beitrag!

Wie lekker war das denn bitte?! – Das Leben im Camp und Abschied

Paul, 30 Jahre, Accountant aus Hamburg war für 3 Monate in Camphill Village, Südafrika.
Er hat dort im Rahmen eines Social Sabbaticals eine Einrichtung für Menschen mit intellektuellen Defiziten beraten.

 

Das Leben im Camp und vor allem im Haus ist geprägt von Freundlichkeit und Vielfalt. Ich fand es ausgesprochen angenehm, wie freundlich einem die Leute, egal ob Residents, Mitarbeiter oder sonstige Personen, begegnet sind. Man wurde ständig von dem Gefühl umgeben, sehr willkommen zu sein. Gerade im Zuge der aktuellen Flüchtlingsdiskussion in Europa ist diese Willkommenskultur doch ein sehr gutes Beispiel.

Neben der Arbeit im Haus hatten wir aber vor allem auch viel Freude zusammen. Neben einigen Braais haben wir mit dem Haus auch einige Ausflüge zum Strand oder zum Café gemacht. Zu meinem Geburtstag habe ich die Bewohner meines Hauses in ein italienisches Restaurant eingeladen (italienisches Restaurant in Südafrika mit deutschem Besitzer :-) ). Von diesem Ausflug wurde mir bis zum Ende berichtet. Diese Dankbarkeit zu erfahren, war ein Geschenk.

Die freien Tage bzw. Wochenenden konnte ich auch immer sinnvoll nutzen. Es wäre auch eine Schande, sich dieses schöne Land mit seiner unfassbaren Landschaft entgehen zu lassen. U.a. waren wir in Hermanus zum whale watching, einige Male in Kapstadt, am Kap der guten Hoffnungen, in Stellenbosch zum Wine Tasting usw.. Wer sich hier langweilt, ist selber schuld!

Ungewohnt war der Unterschied beim Thema Sicherheit. Gerade in Kapstadt sollte man schon aufpassen, wo man sich hinbegibt. Es ist eine wunderschöne Stadt, jedoch gibt es (wie in ganz Südafrika) relativ viel Armut, was sich vor allem in der Kriminalitätsrate wiederspiegelt. Hierdurch kann ich die Sicherheit in Deutschlands Öffentlichkeit nun umso mehr zu schätzen wissen.

Ich bin sehr froh, das Leben in einer Community kennengelernt zu haben. Es bringt Licht- sowie Schattenseiten zum Vorschein. Ich für meinen Teil habe festgestellt, dass ich schon meine Freiheiten brauche und längerfristig das Leben in einer Community eher schwierig für mich persönlich wäre. Trotzdem bin ich über die Erfahrung sehr dankbar und möchte sie auch nicht missen!

 

Der Abschied aus Camphill ist mir daher auch schwer gefallen. Viele Leute sind mir doch sehr ans Herz gewachsen und es war mir eine große Freude, diese Vielfalt an Menschen, mit den verschiedensten Hintergründen kennengelernt haben zu dürfen. Glücklich bin ich auch darüber, dass ich meine eigentliche Aufgabe erfüllen konnte und zumindest die Basis für eine ausführlichere Kostenkalkulation schaffen konnte. Auch wenn mir viel Dankbarkeit begegnet ist, so muss ich doch am meisten danken. Diese Erfahrungen, gerade im Umgang mit Problemen und Hindernissen, haben mir sehr geholfen. Man kann hier viel planen, Flexibilität in der Umsetzung muss man trotzdem immer beweisen!

Als guter Übergang, bevor es wieder zurück ins kalte Deutschland gegangen ist, konnte ich noch für 2 Wochen die Garden Route bereisen.

Damit endet meine dreimonatige Auszeit. Viel Afrikaans konnte ich leider nicht lernen. Ein Wort jedoch war allgegenwärtig und fasst meine Auszeit außerdem sehr gut zusammen: es war einfach nur LEKKER… Ich durfte so viel Schönes sehen und erleben, wofür ich unendlich dankbar bin. Falls mich jemand nach meiner Meinung bezüglich Weiterempfehlung fragt: nur zu!! Ich kann diese Erfahrung nur jedem empfehlen, sofern er die Möglichkeiten hierfür hat. Vielleicht sei an dieser Stelle auch noch kurz „das Finanzielle“ erwähnt. Für dieses Social Sabbatical gab es für mich kein Geld. Alle Kosten wurden aus meiner eigenen Tasche beglichen, was für soziale Projekte eher die Regel ist. Durch die gute Unterstützung seitens meines Unternehmens, konnte ich allerdings fast die gesamten drei Monate mit Urlaub und Überstunden abdecken, was mir mein normales Gehalt während dieser Zeit gesichert hat. Und in Camphill Village hatte ich das Glück, kostenfrei eine Unterkunft und Verpflegung zu erhalten, was die Ausgabensituation sehr entspannt hat. Es muss an dieser Stelle aber ausdrücklich erwähnt sein, dass sich jeder investierte Euro meinerseits mehr als gelohnt hat. Die Erfahrungen und Erlebnisse sind nicht mit Geld aufzuwiegen.

Danken möchte ich an dieser Stelle vor allem Elke Dieterich von „Manager für Menschen“, welche die komplette Organisation im Rahmen der Vorbereitung meiner Auszeit übernommen hat. Ebenfalls danken möchte ich Dr. Katrin Emmrich von „Rays of Hope“, welche den Kontakt zu Camphill hergestellt hat. Ein weiterer Dank geht an James von Camphill, welcher sich auf dieses Projekt eingelassen hat und mir somit die Möglichkeit für meine Zeit hier gegeben hat. Natürlich gebührt auch ein Dank meinem Unternehmen, welches mir den Freiraum für dieses Social Sabbatical eingeräumt hat.

 

Wie lekker war das denn bitte?! Meine ersten Eindrücke

Paul, 30 Jahre, Accountant aus Hamburg war für 3 Monate in Camphill Village, Südafrika.
Er hat dort im Rahmen eines Social Sabbaticals eine Einrichtung für Menschen mit intellektuellen Defiziten beraten.

 

Die Residents in meinem Haus sind sehr nett und deren Handicaps reichen von klein bis sehr ausgeprägt. Aber alle sind sehr herzlich. Das Leben hier ist von einem 9 – 5 Job so weit entfernt, wie der HSV vom nächsten Meistertitel. Neben den Residents, der Hausmutter und einer Freiwilligen ist unter der Woche auch eine Maid zum Putzen und Mittag kochen da. Aufstehen ist meist um 6 Uhr (an den Wochenenden auch mal etwas später), die Essenzeiten sind fix und werden mit deutscher Genauigkeit eingehalten. Jedem Bewohner des Hauses ist ein Job zugeordnet. Dieser will auch stetig kontrolliert werden. Micheal z.B. muss jeden Morgen die Tische nach dem Frühstück abwischen und die Platzdeckchen einsammeln. Das familiäre Zusammensein macht Spaß. Gewöhnen musste ich mich allerdings an die Mäuse, die manchmal durch die Küche huschen und die Ratten die sich wohl im Dach befinden.

Mein Zimmer (ca. 9 m²) ist sehr einfach. Die Wände haben keine Tapeten und ich habe nur eine Steckdose. Ansonsten gibt es ein Bett, einen Schrank, einen Tisch und einen Nachttisch. Reicht aber vollkommen aus. Das Gemeinschaftsbad ist ebenfalls sehr einfach und nicht unbedingt sauber. Wenn man lange genug wartet, kommt sogar warmes Wasser aus der Dusche. Das Haus ist das mit Abstand am Weitesten entfernteste Haus vom „Farmzentrum“. Das bedeutet jeden Morgen und Abend (und ggf. zwischendurch) einen 30 min. Fußweg. In Deutschland würde mich das ziemlich nerven. Hier finde ich es sogar ziemlich entspannt. Man läuft querfeldein und kann dabei sogar den Tafelberg sehen. Ein wenig auf den Weg achten muss man trotzdem. Neben den Molesnakes (nicht giftig) soll es nämlich auch giftige Kobras und Skorpione geben. „watch your step“

 

Warum bin ich eigentlich hier?
Meine Aufgabe wurde versucht im Vorfeld zu definieren. Ziel soll es sein, meine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse derart einzubringen, dass für Camphill ein Nutzen entsteht. Im ersten Gespräch mit dem Leiter von Camphill (James) wurde festgelegt, dass ich zunächst versuchen sollte, ein neues Kassenprogramm für den Shop zu installieren und zu integrieren. Im Anschluss daran sollte ich für die Molkerei ein Costingmodell aufsetzen um festzustellen, ob die erzielten Verkaufspreise einen Gewinn einfahren oder nicht.

Die Arbeit in beiden Projekten hat viel Spaß gebracht. Außerdem war ich (wie auch alle anderen Mitarbeiter) nicht durchgängig an meiner Arbeit gebunden. Es sind immer wieder Aufgaben angefallen, welche mit meinem eigentlichen Projekt nichts zu tun hatten. Gerade das hat es aber auch sehr interessant gemacht. So konnte ich zwischendurch beim Aufbau des monatlichen Marktes helfen oder einfach mal eine Kuh melken. Gut war hierbei vor allem, dass man sich immer selbst mit Ideen einbringen konnte, egal ob man davon nun Ahnung hatte oder nicht. Gerade diese Flexibilität in jeglichen Lebenslagen war vor allem lehrreich für mich.

Wie lekker war das denn bitte?! Meine Auszeit in Südafrika

Paul, 30 Jahre, Accountant aus Hamburg war für 3 Monate in Camphill Village, Südafrika.
Er hat dort im Rahmen eines Social Sabbaticals eine Einrichtung für Menschen mit intellektuellen Defiziten beraten.

Vor dem Aufbruch ins unbekannte Abenteuer stand noch ein Abschlussabend mit Freunden an. Erst hier wurde mir tatsächlich bewusst, dass die monatelange Vorbereitung nun ein Ende findet und ich nun wirklich drei Monate meine Auszeit nehmen werde.

Das Packen des Koffers stellte sich als eine größere Herausforderung heraus, als zunächst angenommen. 3 Monate sind doch etwas anderes als 3 Wochen Urlaub. Trotz der langen Überlegungen habe ich natürlich die falschen Klamotten eingepackt. Dass ich die nächsten Monate auf einer Farm verbringen werde, habe ich in meine Überlegungen nicht vollständig mit einbezogen.

Der Flug war lang aber unkompliziert. Wie vereinbart, stand dann auch Eastlynn (60 Jahre?!?) am Ausgang mit einem Schild mit meinem Namen drauf. Sie war sehr nett und wirkte ein wenig verwirrt (Simkarte, Geld tauschen, Schlüssel fallen lassen, Wo ist mein Zettel… Ahhh). Irgendwie sympathisch. Vielleicht war sie auch aufgeregt, weil sie nicht wusste, was sie von mir halten soll. Sie ist doch sehr „öko“ und ich ein (junger) Mann, der zumindest im Job viel mit Geld zu tun hat, was zumindest auf dem Papier schon sehr fremd für sie wirken musste. Auf der einstündigen Fahrt nach Camphill plauderten wir über jedermanns Motivation und Lebenseinstellung. Sie findet Geld und den Kapitalismus nicht gut und will nur so viel haben, wie sie für ihre „needs“ benötigt. Naja, wir warten mal ab.

In Camphill angekommen hat sie mich ein wenig rumgeführt, mich „tausenden“ Menschen vorgestellt und mir „unser“ Haus gezeigt. Vorgestellt wurde ich als der „IT-Guy“, was ich später klarstellen musste. Mit IT habe ich leider nicht viel am Hut. Spätestens als ich Karl (kommt ursprünglich aus Kiel und wohnt seit 45 Jahren im Camp) beim Einrichten des neuen Routers für das Community Center helfen sollte, musste ich das klarstellen. Ich bin ein Accountant!! ☺

Camphill:
Camphill ist ein eigenes Dorf, in welchen Menschen mit verschiedensten Handicaps in einer Community leben und arbeiten. Hierfür gibt es diverse Wohnhäuser, in welchen jeweils 3 – 10 Residents gemeinsam leben. Je nach Handicap sind die Residents auch diversen Workshops zugeordnet, in welchen sie arbeiten oder sich einfach nur beschäftigen. Diese sind u.a. Farm, Gärtnerei, Molkerei, Shop, Bäckerei usw.. Ziel ist es, ein gewöhnliches Leben in einem stabilen Umfeld zu kreieren. Hierfür gibt es für die einzelnen Workshops entsprechende Angestellte, welche die Verantwortung tragen. Genauso gibt es für die Wohnhäuser sogenannte Hausmütter (Co-Worker), welche als Art Hausvorstand verstanden werden können. Außerdem gibt es im Camp noch junge Freiwillige, welche ein Jahr im Camp verweilen und sowohl in den Workshops als auch in den Häusern helfen und wohnen.

Goeie more Paul!

…und noch einmal ertönt die Begrüßung eines Beraters auf Zeit in Afrikaans.

Paul ist heute in Camphill Village, Südafrika angekommen. Im Western Cape gelegen, werden im Village über 80 Menschen mit intellektuellen Defiziten betreut und individuell gefördert. Einnahmen werden erzielt aus dem Betrieb einer Farm (aufgebaut auf organischen und biodynamischen Prinzipien), einer Molkerei sowie weiterer Kleinunternehmen wie einer Bäckerei und einer Kosmetikherstellung.

Und genau da setzt auch Paul Arbeitsauftrag an: er wird in den nächsten 3 Monaten gemeinsam mit dem Team das Buchhaltungssystem durchleuchten und für jedes Social Enterprise ein Monitoring-System aufstellen.

Wir wünschen dir viel Spaß! Lass bald einmal von dir hören!

Rays-Front

Block B und die Baswa Mamas

Heute (20.8.2015) also ein Vormittag in Mabopane mit der Baswa Mama-Gruppe (Teenage-Pregnanacy-Programm).

BASWA MAMA PROJECT: The programme was designed to fight the growing trend of  pregnancies within Mabopane. We do this by using the teenage pregnancy PAIP within the 7 High Schools and 4 of the Primary Schools in Mabopane. This includes information around goal setting, self confidence, contraception, relationship and children’s rights, focussing on learners between 9 and 22 years. We also support young girls who are already mothers or pregnant, holding support groups and events around breast feeding, baby health and hygene, safe care, adequate nutrition and self confidence building.

Wir fahren kreuz und quer durch den Bezirk und ich lerne Block B näher kennen: Da gibt es Straßen mit hübschen, teilweise herausgeputzten Häusern. Ordentlich verputzt mit Zaun und Vorgarten wirkt das fasst kleinbürgerlich. Ab und an sogar 2-geschossige Einfamilienhäuser, die richtig protzig wirken. Aber dann auch wieder die üblichen kleinen Hütten, nicht aus Blech und Müll gezimmert, aber doch so einfach, dass man sich ungefähr vorstellen kann, wie hart und mühsam ein Leben darin ist. Und es fehlt fast jede Infrastruktur; Ab und an eine kleine Bude, in der irgendwas verkauft wird, eine paar undefinierbare Gesundheitseinrichtungen, aber keine Plätze, Ecken, wo man sich treffen könnte. Staubige Strassen mit bepackten Frauen prägen das Bild.

Vor der Schule fallen mir dann drei große Busse auf. Es stellt sich heraus, dass dies die Fahrdienste für die Kinder der bessergestellten Familien sind, die ihre Kinder nicht in dieser nächstgelegenen Highschool mit „gemischtem Publikum“ unterrichten lassen. Soziale Segregation at its best. Funktioniert also auch hier.

Unser Ziel ist eine Highschool, in der heute einige betreute Schülerinnen des Baswa Mama Programms besucht werden. Dies geschieht regelmäßig in Kooperation mit der Schulleitung. Dazu muss man wissen, dass in Südafrika, insbesondere in den Townships, Teenagerschwangerschaften keine Seltenheit sind. Ob durch Vergewaltigungen im häuslichen Umfeld, durch Unwissenheit über Verhütung und Empfängnis, oder durch den Machsimo der schwarzafrikanischen Kultur, es kommt viel zu oft vor. Einher geht dies leider oft mit HIV-Übertragungen auf die Mutter und das ungeborene Kind. Ein Teufelskreis. Umso erfreulicher, dass die Arbeit der Baswa Mama Group Früchte trägt: Seit deren Arbeitsaufnahme sind in den teilnehmenden Schulen die Teenager-Schwangerschaften um 60% zurückgegangen. Das ist ein großartiger Erfolg für die Gruppe. Aber damit geben sich die tapferen Baswa Mamas nicht zufrieden.

Das nächste größere Ziel ist die Einrichtung eines geschützten Wohnhauses für bedrohte Frauen und Mädchen. Hier soll unter Obhut einer Erwachsenen Wohnraum für bis zu 6 Frauen/Mädchen mit Kindern und auch Platz  für akute Notfälle geschaffen werden. Camuchele, eine der führenden Köpfe, hat schon ein Objekt im Visier, jetzt geht es um die Finanzierung. Ich finde, dass die Gruppe das sehr souverän handhabt, die wissen was geht und was ein Wunschtraum bleiben wird.

Ein weiteres Projekt ist die Planung eines Tagesausflugs für Mütter und Kinder. Ich lerne, dass viele von diesen Kind-Müttern noch nie wirklich rausgekommen sind aus Mabopane, keine Vorstellung von Pretoria oder anderen Ausflugszielen haben. Man will sie einfach mal entführen aus dem recht trostlosen Alltag und ihnen einen schönen, sorglosen Tag nur fürs Vergnügen bereiten. Geplant ist ein Besuch im Pretoria Zoo. Puh, die Umstände und Hintergründe  sind einerseits bedrückend, aber der Enthusiasmus und die Findigkeit der Baswa Mamas, den Plan in die Tat umzusetzen einfach mitreißend. Es gibt kein Budget, keinen Sponsor und es werden alle Register gezogen, private Netzwerke einzuspannen, um diesen Tag zu gestalten. Ich frage nach der Motivation für so viel privaten Einsatz und höre die Lebensgeschichte einiger Baswa Mamas, die selbst einen sehr harten Weg gehen mussten. Das hat sie geprägt und zu unermüdlichen Kämpfern für eine gute Sache gemacht. Bitterkeit kommt auf, als sie darüber sprechen, dass es keine Unterstützung im Township durch die wohlhabenden Mitbürger gibt. Geld wäre ja schon da, aber das soziale Gewissen scheint in Block B (und bestimmt nicht nur hier!) wenig ausgeprägt zu sein.

Und mein Auftrag für heute? Zuhören, beobachten und Ideen entwickeln, wie man die Arbeit der Baswa Mamas dauerhaft ermöglichen kann.  Sponsors are more than welcome!

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann ?

…wie bitte? 10 Tage bin ich nun schon in Pretoria, meinem Lebensmittelpunkt für die kommenden 3 Monate im Rahmen meines Social Sabbaticals. Es wär übertrieben, zu sagen, dass Pretoria mir schon ans Herz gewachsen,  gar zum „home away from home“ geworden ist, aber spannend ist es allemal und ich kann mein anderes Leben hier durchaus genießen.

Da ist zum einen das sehr herzliche und nette Kollegenteam: Chrisna, Managing Director des Gemeindezentrums Lesedi la Batho, um das es hier geht. Loren, die Sozialarbeiterin und Chrisnas recht Hand in allen Belangen, Renel, die sich um die Finanzen kümmert, und für kurze Zeit auch noch Joachim, der Volunteer Consultant von 2014, der für weitere 2 Wochen beratend vor Ort zur Seite steht.

Lesedi La Batho: das ist kurz  gesagt, ein Gemeindezentrum des Townships Mabopane (Pretoria). Vor gut 10 Jahren als Sport-Kooperation ins Leben gerufen, gibt es hier heute überwiegend Angebote im Bildungsbereich. Der Fokus liegt auf Jugendlichen und jungen Müttern. Ihnen werden hier praktische Fertigkeiten und Lebenshilfe vermittelt. Das Ziel: sie zu starken und zu selbstbewußten Persönlichkeiten zu machen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Schaut man sich die sozialen Strukturen und die prekären Verhältnisse im Township an, so sind diese Hilfsangebote ein Weg aus Armut, Krankheit und Resignation. Mittlerweile arbeiten für Lesedi la Batho mehr als 70 Trainer in einer großen Bandbreite von Workshops.

Zum zweiten hab ich Glück mit meiner Unterkunft: Ein bescheidenes Zimmer in einem gechillten Guesthouse in einem der besseren Wohnviertel Pretorias. Die meisten Mieter sind wie ich mehrere Monate hier, jedoch bedeutend jünger. So wohne ich jetzt mit vielen lustigen Studenten, Botschaftspraktikanten oder Doktoranden aus aller Herren Länder unter einem Dach.  Gemeinsame Aktivitäten wie Braai (die südafrikanische Variante des Barbecues), Ausflüge in die Stadt oder ein Bierchen am Küchentisch machen mir die Eingewöhnung leicht. Ausserdem erfahre ich so viel über das heutige Südafrika, den langen Arm der Apartheid und die aktuell wieder aufflammende Gewalt, die sich gegen afrikanische Immigranten richtet. Xenophobie, das ist auch hier ein großes Thema.

Ich tue mich in den ersten Tagen schwer, mich an die allgegenwärtigen hohen Mauern mit obligatorischem Elektrodraht und spitzen Metallzacken zu gewöhnen. Denn das Afrikaaner Viertel Brooklyn ist sehr hübsch – Jacarandabaumalleen im spätwinterlichen Sonnenlicht – aber fast keine Menschenseele läuft hier einfach so spazieren, obwohl das Wetter prefekt ist. Wie ausgestorben. Die Afrikaaner fahren überall mit dem Auto vor. So sind die Hauptstraßen und das Stadtzentrum Pretorias nahezu ausschließlich von Schwarzafrikanern belebt. Und das ist für mich zumindest am ersten Wochenende mehr als befremdlich. Meine kurzen Ausflüge allein zu Fuß in ein anderes Viertel geraten zum Spießrutenlaufen, ich fühle mich sehr unwohl in meiner weißen Haut. Und um 18.00h geht die Sonne unter und dann läuft aber auch wirklich niemand mehr irgendwo hin. Puh, that´s a challenge! Für mich, als passionierten Läufer und Spaziergänger…

Die erste Arbeitswoche beginnt sehr entspannt: In unserem winzigen und sehr, sehr kalten Büro nehme ich mein erstes „Projekt“ in Angriff. Da mein Arbeitsauftrag als Volunteer Consultant ohnehin sehr offen formuliert ist, fange ich pragmatisch an: Um die chronisch knappen Ressourcen zu erweitern lege ich für Lesedi la Batho ein NGO Profil auf einer virtuellen Spendenplattform an. Ich hatte diese südafrikanische Website schon in Deutschland entdeckt und auch Chrisna ist angetan von den Möglichkeiten, darüber kostenlos Arbeitskräfte und Hilfsgüter zu bekommen. Nun denn, nach einem Tag gibt´s schon die erste Resonanz. Da werden wir dann wohl dranbleiben.

Am zweiten Tag wird´s dann prickelnder: Chrisna, Loren, Joachim und ich fahren raus nach Mabopane, das eine knappe Stunde nördlich von Pretoria liegt. Läßt man Pretoria hinter sich, erstreckt sich die braun-rote Landschaft des Highvelds. Die Strassen sind gut ausgebaut, wir passieren die ersten Townships.  Und zum ersten Mal sehe ich jetzt auch „Informal Settlements“: Siedlungen aus Blechhütten ohne jede Infrastruktur. Das ist wirklich sehr bitter. Da bin ich fast erleichert, das Mabopane richtige Häuser, Straßen und kleine Eckläden hat. Das Gemeindezentrum ist in einer ausgedienten Schule untergebracht. Gleichwohl schlicht, wirkt alles sehr organisiert und ordentlich: die Höfe und Wege sind gehakt, es liegt kein Müll herum, die Räume sind zweckmäßig eingerichtet und aus der Bäckerei duftet es verführerisch nach Franzbrötchen.  Loren stellt mich vor. Wir gehen von Raum zu Raum und ich schüttele unzählige Hände, werde mit strahlendem Lachen begrüßt, umarmt, von den Kindern in den Tagesgruppen besungen und kann mir so viele neue Namen und Gesichter gar nicht merken. Herrlich! Was für ein netter Empfang! Schon jetzt habe ich die Gelegenheit, mir einige Workshops anzuschauen und mit den Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen. Eins ist klar: es wird viel Unterstützung erwartet und die ist auch nötig. Die Frauen stellen handwerklich gute Sachen her, aber Vertrieb und Marketing, damit sind sie überfordert. Umso mehr freue ich mich über die mit viel Sorgfalt hübsch zusammengesteckten Blumen, die mir überreicht werden. So viel Herzlichkeit, aber auch Vertrauen auf fremde Hilfe!

Mit großem Interesse verfolge ich Joachims Team-Building-Workshop für die Trainer. So kann ich mir ein erstes Bild von den Menschen und Aufgaben hier vor Ort machen. Ob und wie ich mein eigenes, selbstgewähltes Projekt –den Aufbau eines Nachbarschaftstauschrings auf der Basis von Zeiteinheiten – hier einbringen kann, das wird sich zeigen. Für heute jedenfalls bin ich voller neuer Eindrücke.

Und meine Angst vorm schwarzen Mann? Die ist gebannt. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: “Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich”. So werde ich es halten!