Festival und Abschiedsschmerz

Von Januar bis März 2018 war unser Berater auf Zeit Richard in Camphill West/Südafrika und hat dort in einem Community Projekt unterstützt.

 

Teil 3 von 3:
Festival und Abschiedsschmerz

Während die Wochen vergehen und sich die Dinge in der Molkerei in afrikanischem Tempo entwickeln, wird das Sommerfestival des Camps vorbereitet. Ich merke wie sehr sich die Bewohner über das Ereignis freuen und wie unermüdlich vorbereitet und dafür geworben wird. Sehr zu meinem Bedauern bedeutet der Fokus auf das Festival auch die Vernachlässigung dringender Arbeiten in der Molkerei. In der Zwischenzeit habe ich Gelegenheit, mir Kapstadt näher anzuschauen, sowie auf den Tafelberg zu steigen und den Bloubergstrand zu besuchen. Doch auch im Camp wird es nicht langweilig: Nach einer Reihe merkwürdiger Krankheitsfälle über Nacht kommen wir einer verdorbenen Tranche Joghurt auf die Spur, welche fast ein Drittel der Bewohner für eine Woche außer Gefecht setzt. Die Umsetzung von Verbesserungen verzögert sich sehr, auf der Suche nach neuen gebrauchten Teilen komme ich mir wie ein Schrottsammler vor. Und ich verzweifle am internen Bestellsystem, das in punkto Bürokratie und Komplexität jeden deutschen Verwaltungsapparat dagegen wie Amazon aussehen lässt. Nach zwei Monaten kommt das bestellte Büromaterial und der Aktenberg kann in Angriff genommen werden. Fehlt nur noch das dringend benötigte Reinigungsmaterial, verdringlicht durch etliche Borstenteile in Joghurt und Milch. Obwohl es so etwas wie einen Kunden- und Beschwerdeservice nicht gibt, führt der Kundendruck hier letztendlich auch zur Einsicht, an der Hygiene nicht zu sparen.

Die vorletzte Woche steht ganz im Zeichen des Festivals und alle fiebern dem Happening entgegen. Ich freue mich sehr darauf, mehr als nur den Arbeitsalltag der Bewohner zu erleben und den Spirit der Solidarität und des Miteinanders kennenzulernen. Leider macht mir mein Verdauungstrakt einen Strich durch die Rechnung. Aber in den Gesichtern aller sehe ich wie unvergesslich der Abend für sie war. Unvergesslich sind auch die vielen Geschichten um das Festival herum, von stürmischen Romanzen bis hin zu den fehlenden Spirituosen, deren Verbleib nie restlos aufgeklärt werden konnte.

Die letzte Woche wurde zu meiner schwersten, denn der Abschied stand an. Und das Abschiednehmen von so gastfreundschaftlichen und liebgewonnenen Menschen fällt schwer, besonders wenn sie jemanden nicht gehen lassen wollen. So hatte ich fast jeden Abend eine Abschiedsfeier, mal im großen und mal im kleinen Kreis. Mein Entschluss, das Camp wieder zu besuchen steht fest, nicht als Berater, sondern als Freund.

Am Donnerstag vor Ostern sitze ich schon wieder im Flugzeug zurück und resümiere über meinen Aufenthalt. Drei Monate sind wie im Flug vergangen und ich vermisse jetzt schon Brais mit halben Kühen auf dem Grill, Wein mit Eiswürfeln und die lustigen damit gefüllten Abende. Etwas kritischer bin ich mit dem Resümee meiner Leistung vor Ort. Viel habe ich nicht letztendlich nicht bewegen können, aber ich hoffe, dass ich durch meine Arbeit Anreize für weitere Projekte, sowie ein Verständnis für strukturiertes und steuerbares Arbeiten, sowie die Wichtigkeit von Informationsmanagement und Dokumentation schaffen konnte. Es fällt nicht schwer mit dem Finger auf die Unzulänglichkeiten überall im Camp zu zeigen, aber ich bin froh, mich dafür entschieden zu haben. Ich habe in diesen drei Monaten mehr über andere Menschen, freiwilliges Engagement, unterschiedliche Kulturen und letztendlich mich selbst gelernt als jemals zuvor.

Zurück in Camphill – Die Milch macht’s!

Von Januar bis März 2018 war unser Berater auf Zeit Richard in Camphill West/Südafrika und hat dort in einem Community Projekt unterstützt.

 

Teil 2 von 3:
Zurück in Camphill – Die Milch macht’s!

Zurück in Camphill kümmere ich mich verstärkt um die Molkerei, welche als Arbeitspferd sowohl das Camp versorgt, als auch regionale Supermärkte mit Milch, Joghurt und Käse beliefert. Mit Gerard hat dort seit diesem Jahr ein hervorragender Käser mit einigen Auszeichnungen das Ruder übernommen und hat sich die Perfektionierung der Käsesorten Gauda und Cheddar zum Ziel gesetzt, um durch die höhere Qualität bessere Preise zu erzielen und den Kunden das Potenzial der natürlichen Milchwirtschaft erlebbar zu machen. Er erklärt mir die Produktionsverfahren von Joghurt, Käse, Quark, Sahne und Feta. Außerdem dabei sind noch zwei Volontäre und je nach Tagesverfassung fünf bis sechs Bewohner, die jeden Tag bis zu 300 Liter Milch verarbeiten. Und das nur im trockenen Sommer, den im grünen Winter verdoppelt sich die Menge. Das ist insofern erstaunlich, dass alles mit Hand bewegt und verarbeitet wird. Für mich, der mit anpackt, bei 30-35 Grad am Tag eine schweißtreibende Arbeit.

In den ersten Wochen verschaffe ich mir einen Überblick über die Prozesse des Molkereibetriebs und komme damit vollständig in der afrikanischen Arbeitsmentalität an. Spätestens hier verabschiede ich mich von allen Selbstverständlichkeiten unserer Arbeitskultur. Niedergeschriebene Prozesse oder Anweisungen gibt es keine, jeder weiß nur genau das was er tut. Auskünfte sind schwierig zu bekommen, da sich aus Angst Fehler zu machen keiner aus der Deckung traut. Dazu kommt noch ein unglaublich bürokratisches Dickicht in den Bereichen der Logistik, Beschaffung und HR von Seiten des Managements um im Chaos die Kontrolle zu behalten. Akten und Archivierung sind überbewertet, Papiere werden wahllos und unsortiert in Schreibtische gesteckt, bis diese voll sind. Ich falle vom Glauben und komme aus Aha-Erlebnissen gar nicht mehr heraus.

Mir dämmert in den ersten Tagen ausgiebigen Wissensaustauschs: Ordnung ist eine Ausnahme, das hier ist die Regel. Meine Gastgeberin meint dazu lakonisch, “this is Africa”. Was hätte ich denn sonst erwarten sollen? Frei von Vorurteilen – Recht hat sie! Dieses Land hat sowohl eine andere Zeitrechnung, als auch einen anderen Anspruch an Arbeit an sich. Was mich daran jedoch wirklich bestürzt, ist die Tatsache, dass ich mich daran hervorragend anpasse. In den ersten Tagen staune ich noch, wie man im Camp auf nur vier Stunden Arbeitszeit pro Tag kommt und dabei meint, dass ordentlich was geleistet wurde. Zum Schluss erscheinen mir zwei Stunden Mittagspause und die einstündige Frühstückspause schon etwas knapp bemessen. Zudem werde ich mit zwei Grundprinzipien vertraut gemacht. Das Prinzip “Was du heute nicht kannst besorgen, dass schieb gern nach morgen” ist mir bereits bekannt. Aber das Prinzip “We need to adress this in a meeting” ist noch besser: Ein Problem wird einfach weitergeschoben, bis sich niemand mehr zuständig fühlt oder es zu komplex wird.

Man mag sich fragen, wie trotz all der Umstände Dinge geschehen. Meine Erklärung ist der unglaubliche persönliche Einsatz sowie die hohe Motivation und Leidenschaft aller Bewohner und Mitarbeiter. Trotz das es an allen Ecken fehlt und immer etwas knapp ist, versuchen alle ihr Bestes. Da werden Löcher schon mal mit Klebeband versiegelt und Geräte mit Nägeln und Holzbrettern repariert. Dennoch herrscht generell eine entspannte und angenehme Arbeitsatmosphäre. Durch solche Kleinigkeiten lässt sich außer mir keiner aus der Ruhe bringen. Das Improvisationstalent behandelt Probleme einerseits schnell und unkompliziert, aber es fördert die von-Tag-zu-Tag-leben Mentalität und große Entscheidungen und Veränderungen werden aufgeschoben.

Meine Zeit in Camphill West Coast: Die ersten Tage

Von Januar bis März 2018 war unser Berater auf Zeit Richard in Camphill West/Südafrika und hat dort in einem Community Projekt unterstützt.

 

Teil 1 von 3:
Die ersten Tage im Projekt

Cape Town Airport, 4. Januar 16 Uhr. Hinter mir liegen das kalte Deutschland, was mich mit Schneeregen verabschiedet hat, 14 Stunden Flug und deutsche Strukturiertheit und Ordnung. Mein erster Tag in Afrika beginnt mit 35 Grad Sonne und der Ankunft in der afrikanischen Welt. Nach einer gefühlten halben Ewigkeit am Einreiseschalter geht es über die Autobahn an endlosen Townships nach Kapstadt, immer begleitet vom mächtigen Tafelberg am Horizont.

Nach meiner Akklimatisierung beginnt nun meine Einführungswoche im Camphill West Coast mit einer 50km Fahrt aufs Land und dem Besuch des Camps, welches sich als völlig anders herausstellt, als dass ich es mir vorgestellt hatte. Auf dem riesigen ländlichen Areal muss man nach dem Dorf schon richtig suchen. Die kleinen Häuschen liegen verstreut, aber schön angelegt auf dem gesamten Gelände, auf dem man sich (ich auch) durchaus gut verlaufen kann. Dazwischen liegen große Wiesen und Feldparzellen, auf denen sich trotz sommerlicher Trockenheit einige Kühe tummeln.

Gleich am ersten Tag im Camp werde ich auf eine Einführungstour mit David, einem sehr netten und redseligen Bewohner geschickt. Nach einer Zickzackrunde und gefühlten 15 Plauderpausen, bei denen ich nicht immer genau wusste, was Ernst und was kleine Scherze waren, werde ich etwas verwirrt in die Mittagspause entlassen. Den Rest des Tages verbringe ich mit Gesprächen mit dem Marketing Manager und dem Director, welche mir die Produkte und geschäftlichen Aktivitäten Camphills etwas näher bringen und der weiteren Planung meines Aufenthalts.

Während der nächsten drei Tage arbeite ich jeweils einen Tag in der Bäckerei, der Molkerei, sowie der Farm. Dabei lerne ich die jeweiligen Manager und die Betriebe, sowie die darin arbeitenden Angestellten und Bewohner kennen. Hier bekomme ich den wohl prägendsten Eindruck meines Aufenthalts: Ich habe noch nie Betriebsleiter mit soviel Passion und Hingabe für ihre Betriebe und Produkte, als auch den darin arbeitenden Menschen gesehen. Genauso habe ich von Mitarbeitern noch nie so viel Dankbarkeit und Pflichtbewusstsein für ihre Tätigkeit erlebt. Trotz des allgegenwärtigen Mangels an Ausrüstung und Material, sowie die schwierigen Arbeitsumstände, wie die große Hitze und alte Infrastruktur leisten alle ihr Möglichstes in der Herstellung und Verarbeitung ihrer Produkte.

Nach der ebenso interessanten, sowie fordernden Einführungswoche nutze ich die Sommerpause für eine Rundreise durch Südafrika entlang der Garden Route und dem Westkap. Hier lerne ich die atemberaubenden und abwechslungsreichen Landschaften, sowie die herzliche Gastfreundschaft der Südafrikaner kennen. Ein Ausflug in eines der vielen weitläufigen Game Reserves ist Pflicht. Auf dem Weg besuche ich eine ökologisch arbeitende Farm, sowie die größte Käserei im Westkap, als auch die Lehrmolkerei der Universität Stellenbosch, um mir ein Bild über die landesspezifischen Best Practices zu machen und diese Erfahrungen in Camphill einbringen zu können.

Kraftvolle Metaphern wirkungsvoll eingesetzt

Mein Auftrag in Camphill war es, eine Organisationsanalyse durchzuführen. Wie macht man das?
In Absprache  mit dem Management habe ich semi-strukturierte “conversations” mit ca. 40 Mitarbeitern durchgeführt. Darüber hinaus gab es intensive Gespräche mit dem Managementteam.
Da ich Projekte gern vom Ende her denke, war die Frage der Auswertung und Rückmeldung sehr präsent in meinem Kopf. Am Anfang war es eher ein weises Blatt, das sich aber mit jedem Gespräch etwas mehr füllte. Nach ca. 10 Gesprächen kam mir die Idee: Viele Gesprächspartner benutzten bunte Bider, Vergleiche und Metaphern in ihren Schilderungen. Das war es! Aufgreifen, was an Angeboten da ist! So reifte in mir der Entschluss, meine Eindrücke an Metaphern festzumachen. Ein Beispiel: Ein Teilnehmer sagte mir, dass er viele “balloons” über Camphill sehe, die aber alle unterschiedliche Farben und Formen hätten. Dieses Bild habe ich mit meinen Eindrücken ergänzt, dass alle diese “balloons” im Boden von Camphill in Herzen verankert sind.

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Ein zweites Beispiel: Mein Eindruck war es, dass jeder Teilnehmer glaubte, es gäbe nur eine “richtige” Perspektive – die eigene. Mit dem nachfolgenden Bild wurde es allen schnell klar, dass jeder aus seiner Perspektive eine andere Wahrnehmung haben kann.

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Ich hatte das Glück, dass eine sehr talentierte Mitarbeitern dabei war, die diese Metaphern in Bilder umsetzen konnte. Das war wunderbar! Diese Bilder entfalteten eine ungeheure Kraft, weil sich alle damit identifizierten und jeder ein kleines Stück dazu beigetragen hatte.
Was habe ich für mich als Lehre daraus gezogen? Ich arbeite mit dem “Material”, das mir angeboten wird und beziehe so weit wir irgend möglich alle Stakeholder mit ein.
Meine Belohnung bestand darin, die glücklichen Augen der Menschen zu sehen, die ihre Gedanken und Aussagen in den Bildern wiedererkannten. Danke.

 

 

Pioniere und Charaktere kennenlernen (und schätzen)

Ich unterstütze zur Zeit Camphill Village (http://www.camphill.org.za)  in Süd Afrika. Camphill steht für eine Gemeinschaft, die sich um Menschen mit intellektuellen Einschränkungen kümmert. Die Idee von Camphill basiert auf dem Glauben, dass jeder Mensch im Zusammenleben mit anderen etwas beitragen kann und jeder Mensch einen Wert hat. Der philosophische Vater und Gründer von Camphill war Karl König, ein österreichischer Kinderarzt und Anthroposoph. Er war Jude und musste wie viele andere Intellektuelle in Österreich nach dem “Anschluss” fliehen. Das ist ihm nur mit viel Glück gelungen.

In Camphill wohne ich bei Renate Sleigh, die mit ihrem Mann Julien Camphill Village 1964 gegründet hat. Sie ist mittlerweile 86 Jahre alt und – Gott sei Dank – bei bester Gesundheit. Für mich ist es faszinierend mit Renate unter einem Dach zu leben und die Mahlzeiten mit ihr zu teilen. Sie strahlt eine solche Demut und Zugewandheit gegenüber allen Menschen aus, die mich von der ersten Sekunde an eingenommen hat. Mit welcher Souveränität sie darüber spricht, dass sich das von ihr mit begründete Camphill verändern und sich der neuen Zeit anpassen muss, ist bemerkenswert.
Sie nimmt nach wie vor sehr aktiv an dem Gemeinschaftsleben teil. Eine meiner Gesprächspartnerinnen kommentierte ihre Rolle wie folgt: “Sie hält mit ihrer Persönlichkeit Camphill zusammen.”
Per Zufall erwähnte jemand, dass Renate die Tochter von Karl König sei. Beim Abendessen sprach ich sie darauf an, was sie bestätigte. Wir kamen in einen intensiven Austausch über einige geschichtliche und politische Situationen, die sie sehr geprägt haben.

Heute war ich mit einer Gruppe von jungen Menschen aus Amerika, Südafrika und Deutschland zusammen, die in Camphill ein Jahr leben und arbeiten und die Chance nutzen, sich weiterzuentwickeln.  Zufällig kam die Sprache auf Renate, und den Jugendlichen war sofort anzumerken, wie sehr auch sie von ihrer Persönlichkeit angetan sind. Großartig!

Für mich ist es wunderschön erleben zu dürfen, dass es diese Persönlichkeiten gibt, die keine großen Schlagzeilen machen und doch so vieles bewegen. Wer Renate Sleigh googelt, stösst auf einen einzigen Eintrag, der auf die Julien und Renate Sleigh Stiftung auf der Homepage von Camphill verweist.

Gerade erhalte ich einen Tweed, der die neuesten “Un”Taten von Donald Trump aufzählt. Gegensätzlicher kann die Welt nicht sein!

Udo Stauber (http://www.udostauber.com)

 

 

 

 

Welches ist das richtige Sabbatical für Sie?

Dem Arbeitsalltag entfliehen und sich eine längere Auszeit gönnen: Immer mehr Berufstätige in Deutschland können sich das vorstellen. Für jeden zweiten klingt die Vorstellung verlockend — und immerhin jeder Fünfte nimmt tatsächlich ein Sabbatical. Zwar sind die Unternehmen nicht dazu verpflichtet, ihren Mitarbeitern eine solche Verschnaufpause zu ermöglichen, bei vielen gehört es mittlerweile aber zur Strategie in Sachen Work-Life-Balance dazu.

Doch wie sollte man die Auszeit nutzen? Für eine Reise, und wenn ja, für welche? Oder doch lieber für ein größeres, eigenes Projekt? Finden Sie im Test heraus, welches Sabbatical zu Ihnen passen könnte.

Zum Test…

 

 

Good bye Lesedi La Batho

6 Monate wollte er bleiben, dann sind es 8,5 Monate geworden. Unser Berater auf Zeit Philipp zieht am Ende seines Einsatzes ein Resümee:

 

Good bye Lesedi La Batho – Abschlussbericht

Mein Mandat als ‚Berater auf Zeit‘ bei Lesedi La Batho in Südafrika endet nach total 8.5 Monaten. Ich blicke auf eine sehr aufschlussreiche Zeit.

In meinem Halbzeitbericht vom Juli habe ich berichtet über den Fortschritt bei Lesedi. In den ersten vier Monaten haben wir viel eingeführt, umstrukturiert und optimiert. Es kamen Abhängigkeiten an meine Person auf und daher standen die letzten drei Monate eher im Zeichen der Nachhaltigkeit und Übergabe. Hierfür passten wir das Organigramm an, verstärkten das Team in Mabopane mit einer erfahrenen Managerin, tauschten zwei Mitarbeiter aus und schulten / arbeiteten die optimierten Abläufe sauber ein.

Im Oktober hat dann das neue Team gezeigt was es kann. Erstmals wurden fast alle operativen Ziele und KPIs erreicht und gleichzeitig war das 5 Jahres Jubiläum ein super Erfolg (siehe den Bericht von Joachim). Mittels einer neuen Lesedi Broschüre haben wir die Veränderungen an unsere wichtigsten Geldgeber kommuniziert und Lesedi’s Wirkung mittels Zahlen, Fakten und einem tollen Film von Amai kristallklar darstellen können.

Anfangs November folgten dann die Farewells und ich musste von den vielen mir ans Herz gewachsenen Menschen in Mabopane und Pretoria Abschied nehmen. Einmal ein Lesedi – Immer ein Lesedi!

Etwas mehr möchte ich nun über meine Zeit bei Lesedi bezüglich meiner persönlichen Weiterentwicklung berichten, schliesslich steht ja ausser Frage, dass ein solches Sabbatical alles andere als selbstlos ist.

No shit Sherlock – Ich denke mein Aufenthalt in dieser mir kulturell fremden Region hat mich gelehrt ein besserer Zuhörer zu sein. Oft setzte ich Dinge voraus, welche nach meinen Werten richtig und angebracht waren – hier jedoch keine Gültigkeit hatten. Ich habe gelernt mehr aufzunehmen und viel mehr auf Details und Gemütszustände zu achten.

Screw it lets do it – Grundsätzlich wohl fühlte ich mich, wenn ich die Zukunft planen und strukturieren konnte. Schnell habe ich aber lernen müssen, dass die Planungssicherheit aufgrund mangelnder Infrastruktur und Disziplin in Afrika nicht gegeben ist. Oft macht es daher Sinn, einfach mal etwas zu versuchen und schauen, wie es sich entwickelt. Gleiche Herangehensweise hat durchaus seine Berechtigung in der Schweiz: aus irgendwelchen Gründen verbleibt man im Planen und Zögern statt einfach zu handeln und damit vieles ins Rollen zu bringen.

All or nothing – Hinter allen Aktivitäten von Lesedi steht Herzblut und Leidenschaft. Entweder man geht etwas an oder man lässt etwas komplett bleiben. Gleicher Grundsatz gilt bei der Rekrutierung der Mitarbeiter. Von allen ist verlangt, dass sie sich extrem mit dem NGO identifizieren. Wer (nur) Geld verdienen will, hat keinen Platz.

We rise by lifting others – Ich musste lernen, dass viele Menschen für ihr Unglück nicht verantwortlich gemacht werden dürfen. Zum Beispiel sind die Grund- und Sekundarschulen in Südafrika in den Townships extrem schlecht und viele Menschen absolvieren ihre Jugend damit alles richtig gemacht zu haben. Trotzdem aber bleibt ihre Zukunft komplett aussichtslos. Diese Menschen sind auf unsere Hilfe angewiesen. Diejenigen die das Privileg haben zu wissen, haben die Verantwortung zu handeln.

Who are you to judge – Während meinen Reisen in Süd – und Südostafrika habe ich die verschiedensten Menschen, Kulturen und Völker kennengelernt. Menschen mit den verschiedensten Werten, Bedürfnissen, Freuden und Problemen. Unmöglich lässt sich hierfür ein gemeinsamer Nenner finden, so dass ich glaube, ein etwas offener Mensch geworden zu sein.

Give precious memories – Anfänglich hatte ich den Anspruch das Leben von Armut geplagten Menschen nachhaltig zu verbessern. Aktionen, die in der Ganzheit für die Menschen ‚eh nichts bringen’ fand ich verwerfungswürdig. Nun, mit den vergangenen Monaten, habe ich aber gelernt, dass auch ‚nur’ einzelne Wohltaten extrem mächtig sein können, denn sie geben einzelnen Individuen schöne Erinnerungen, von denen sie lange zehren können.

Get over yourself – Das eigene Hemd ist uns naturgemäss am nächsten, jedoch macht eine egoistische Haltung nicht immer Sinn für das Ganze. Ich denke, ich habe nun etwas mehr Respekt für die Bedürfnisse anderer, auch wenn diese unsichtbar oder anonym sind.  Auch konnte ich etwas an meiner Fähigkeit arbeiten, die eigenen Bedürfnisse zu analysieren und im Zweifelsfall unterzuordnen. Exemplarisch hat man dies jeweils anhand den älteren Leuten sehen können, welche jedes erdenkliche Individuum mit viel Respekt und Wertschätzung behandelten. Wertschätzung die auch mir als Volunteer tagtäglich gezeigt wurde.

Ja, somit schliesse ich also meine Zeit mit vielen neuen Erfahrungen ab. Die nächsten 6 Wochen werde ich noch etwas in Südostafrika reisen und dann nach total knapp einem Jahr wieder in die Schweiz zurückkehren. Vielen herzlichen Dank an alle, welche dieses unvergessliche Jahr ermöglicht haben.

5 Jahre Lesedi la Batho

Am Samstag war es endlich soweit. Mit einer großen Charity-Gala feierte unser langjähriger Partner Lesedi la Batho in Südafrika sein 5-jähriges Bestehen.

Eigens für das Jubiläum waren auch zwei ehemalige Berater auf Zeit angereist: Karin, die in 2015 im Marketing unterstützt hat und Joachim, der 2014 vor Ort war und der seit seinem Einsatz auch im Vorstand des deutschen Partnervereins ist. Amai, die Anfang des Jahres für 3 Monate in Mabopane war, konnte leider nicht persönlich vor Ort sein. Dafür wurde aber der von ihr gedrehte Film gezeigt. Und unser aktueller Berater auf Zeit vor Ort Philipp präsentierte die Organisationsstruktur von Lesedi la Batho.

Hier nun ein Rückblick auf das Event von Joachim:

Dumelang – so grüßen sich die Bewohner von Mabopane untereinander.

Der Regen gestern Abend wurde von den Südafrikanern im Festsaal begrüßt als ein Geschenk Gottes. Es donnerte während der Ansprache von Chrisna, der lokalen Projektleiterin einmal kräftig, der Wind rauschte hörbar durch das Blätterwerk der Palmen, Bananenstauden und Bäume, trieb den Staub der langen Trockenperiode vor sich her, dann platzte der Regen vom Himmel, kurz und bald schon in sanftes Tröpfeln übergehend. 

Angefangen hatte das Fest mit einem Sekt-Empfang im Atrium des Konferenzzentrums auf dem Campus von Pretorias Universität. Schon bei meiner Ankunft auf dem Parkplatz lief ich den festlich bunt gekleideten Lesedi-KollegInnen aus Mabopane in die Arme. Ein riesen Hallo und gegenseitiges Fotografieren. Unfassbar, wie sich die Lesedis teilweise in Tracht herausgeputzt hatten und vor Freude, dabei zu sein, nicht still stehen konnten.

Tatsächlich kamen fast alle der 200 angemeldeten Gäste und füllten das Atrium, das unter dem blau-dunkelnden Himmel der Abenddämmerung vom warmgelben Licht der Gänge ringsum erhellt wurde. 

Später im Verlauf brach der Film von Amai und Alejandro über Lesedi la Bathos Werk das Eis. Mit fast schon beklemmender Stille folgten alle im Saal den Schilderungen der Mitarbeiter Lesedis, den Film-Sequenzen und vor allem den tief berührenden Erzählungen derjenigen, denen Lesedi geholfen hat. Da kamen starke Aussagen herüber wie von einer Teenager-Mutter “Ich habe meiner Mutter gezeigt, dass ich meine Schulausbildung trotz Kind abschließen konnte und jetzt in der Lage bin, meine Familie zu ernähren. Lesedi hat mein Leben verändert” oder “Ich bin 60 Jahre alt und arbeite für Lesedi. Noch immer stehe ich morgens freudig auf und eile zum Bus, um pünktlich im Zentrum zu sein. Dank Lesedi muss ich nicht zu Hause sitzen wie so viele andere” oder “Ich träume davon, eines Tages im Fernsehen auftreten zu können und allen Frauen, die zu Hause sitzen, zuzurufen, kommt zu Lesedi, hier gibt es gute und wichtige Arbeit”. 

Meine kurzer Vortrag über das bis nach Deutschland strahlende Licht (=Lesedi) und warum die Freiwilligen von Rays of Hope so gefangen sind und wieder kehren, klappte auch ganz passabel.

Der Bürgermeister von Tshwane/Pretoria hatte leider eine halbe Stunde vorher absagen lassen und entsandte eine führende Mitstreiterin der Stadtverwaltung. Sie machte Werbung für Pretoria, aber schien zuletzt doch sehr beeindruckt von Lesedis Wirkung. Das galt auch für die Botschafter Frankreichs und der Schweiz wie auch dem Afrikamanager von US-Aid, die alle bis zum Schluss blieben und berührt nach Hause fuhren.

Das Fest war nur möglich geworden, weil unzählige Freiwillige bei der Vorbereitung und beim Aufbau geholfen hatten, Teile des Dinners oder des Ablaufs spendeten oder kostenfrei den Abend mitgestalteten.

Die Helden des Abends waren ganz eindeutig Chrisna als der leidenschaftliche Kopf des Ganzen, die Lesedis aus Mabopane, die allen dankten und mit ihrer Sangeskunst Gänsehaut erzeugten, Franziska, die von den Kindergärtnerinnen Lesedis für die Aufbauarbeit und Schulung bedankt wurde, sowie “Philippi”, der von der Damenwelt der Mabopane-Lesedis für seine immer herzliche und unnachgiebige Arbeit umschwärmt wurde.

Erleichtert und voller Zufriedenheit sank ich um Mitternacht dann ins Bett.

Herzliche Grüße aus Südafrika!

Joachim

 

Wir sagen noch einmal Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum und noch viele weitere erfolgreiche Jahre! Wir sind stolz, einen Partner wie euch an unserer Seite zu haben!

…bereits 5 Monate bei Lesedi La Batho in Südafrika

Bereits seit 5 Monaten ist unser Berater auf Zeit Philipp in Südafrika. Hier nun ein weitere Bericht von ihm.

Ich kann es kaum glauben. Bereits sind fünf Monate vergangen. Eigentlich sollte ich mich schon langsam auf die Abreise vorbereiten, denn ursprünglich waren 6 Monate vorgesehen, aber stattdessen habe ich eine Visaverlängerung bis Ende Jahr – und somit eine Verlängerung von drei Monaten – beantragt. Ich schreibe also nicht einen Abschluss- sondern einen Halbzeitbericht.

Die vergangenen 5 Monate waren unglaublich interessant, aufschlussreich und gespickt von wunderbaren Momenten und Erfahrungen.

Privat habe ich mittels unzähligen Wochenendausflügen und Kurzferien schon fast ganz Südafrika und einige der umliegenden Länder gesehen: In Gruppen von 5 bis 12 mieten wir jeweils Autos oder 4×4 und verbringen eine super Zeit. Wir waren bereits in Ländern wie Lesotho, Swaziland und Mozambique, in berühmten Parks wie Krüger und Pilanesberg, in Städten wie Kapstadt, Durban, Johannesburg oder Stellenbosch und natürlich vielem mehr. Für die kommende Zeit bis Dezember möchte ich noch mindestens eine grössere Reise nach Namibia und zu den Victoria Falls machen.

«Beruflich» macht die Arbeit extrem viel Spass. Das letzte Mal habe ich über unsere drei Bereiche – Prevention Program in den Schulen, Skill Training und Social Enterprises – berichtet. In den vergangenen vier Monaten haben wir unsere Strukturen etwas aufgebrochen und somit zielorientierter ausgerichtet. Nun verfügen wir über fünf Segmente, welche als Ganzes einer Maschine gleichkommen sollten, die sozial benachteiligte Menschen in finanziell unabhängige und «empowered individuals» transformieren soll. Die entsprechenden Segmente sind Prevention Program, Social Relief, Skill Training, Job Placement und Entrepreneurship.
Für jeden Bereich haben wir KPIs (Key Performance Indicators) und entsprechende Ziele definiert. Im wöchentlichen Management Meeting werden die KPIs rapportiert und diskutiert. Jeder Segmentsleiter verfügt nun über einen eigenen Bürotisch mit Computer (an dieser Stelle nochmals vielen Dank an die Schweizerische Botschaft in Pretoria), Internet, Emailadresse, Excel-Datenbank, ein Cost Centre und einen klar abgegrenzten Verantwortungsbereich. Anfänglich war die Umstellung für die Mitarbeiter etwas schwierig. Seitdem aber erste Erfolge wie eine Vervierfachchung der «Jobplacementrate» im Juni einschlug, sind die Früchte offensichtlich.

Auch haben wir die Art und Weise wie Geld und Güter an die Hilfsbedürftigen verteilt werden, umgestellt. Statt einfach Gutes auszuhändigen, müssen die Mitarbeiter des Social Relief Segments nun für jeden Begünstigten eine Komplettanalyse durchführen und einen Aktionsplan ausarbeiten. Neue Fälle werden im Management Meeting kurz präsentiert und abgesegnet. Wöchentlich müssen Fortschritte rapportiert werden. Kosten, Zeit und ausgehändigte Güter werden pro Fall in einer einfachen Datenbank erfasst und ausgewertet. Ziel ist es nicht möglichst viel zu verteilen, sondern möglichst viele Individuen zu transformieren. Immer öfter entscheiden wir, dass nur etwas ausgehändigt werden darf, wenn im Gegenzug die Begünstigten an den Life Skill Trainings teilnehmen.

Weiter haben wir das Prevention Program optimiert. Das Team haben wir auf 10 Mitarbeiter reduziert, damit die noch junge Leiterin auch wirklich eine leitende Funktion einnehmen und die Gesamtleistung der Gruppe steigern kann. Auch hier haben wir die Transparenz durch Reporting Formulare und KPIs erhöht, sowie unsere Ansprüche an die verbleibenden Mitarbeiter massiv gesteigert. Mittels einem 12-monatigen Training (an dieser Stelle vielen Dank an Rays of Hope) sollen die Mitarbeiter befähigt werden, schwierige Schüler zu «bekehren» und damit vor Teenageschwangerschaften, Drogenkonsum, Krankheiten und Armut zu bewahren. Zukünftig soll auch alles mittels Fotos und Videos auf unserer Facebookseite dokumentiert werden, was einen positiven Einfluss auf unsere internationalen Geldgeber haben sollte.

Zuletzt möchte ich noch berichten, dass wir ein neues social enterprise geschaffen haben. Wir wollen handgefertigte Sommerschuhe in kleinen Shops in Johannesburg und ev. in der Schweiz verkaufen.
Ich könnte noch vieles mehr über meine Arbeit bei Lesedi berichten, möchte aber den Leser nicht langweilen.

Als Kernbotschaft gilt: Als Berater auf Zeit kann man extrem viel verändern und beitragen. Selbstverständlich kommt aber auch extrem viel zurück in Form von Wertschätzung, Bekanntschaften, grossartigen Momenten und einem besseren Verstehen unserer Gesellschaft und Weltordnung, denn es gilt auch hier:

“Our rewards in life will always be in exact proportion to our contribution, our service (Earl Nightingale).”