Social Sabbatical in Zeiten von Corona – Frohe Weihnachten am Strand

„Ist es nicht verantwortungslos in Zeiten von Corona nach Afrika zu reisen?“, „Was passiert, wenn du dort drüben krank wirst? Und im schlimmsten Fall den Einheimischen noch die Krankenbettkapazität wegnimmst?“, „Hast du keine Angst, das Virus aus Deutschland nach Tansania mitzunehmen?“ Ich bin Christin, 28 Jahre alt und diese und weitere Fragen haben mir meine Freunde, Familie und ich mir selbst vor einigen Wochen gestellt. Ich habe nämlich schon seit ca. 1 ½ Jahren mein Social Sabbatical geplant und nun sollte es im November 2020 endlich losgehen. Und dann kam Corona. Anfang des Jahres dachte ich, dass sich das Thema bis zu meinem Start schon erledigt haben würde und dann ging es immer wieder auf und ab. Nach ein paar Gesprächen mit Elke von Manager für Menschen wurde schnell klar, dass Tansania in dem Moment das einzige Einsatzland war, das ich ruhigen Gewissens besuchen könnte. Und weil Tansania sowieso auf meiner Favoritenliste ganz oben stand, war die Entscheidung irgendwann gefallen: Ich wollte meinen Plan trotz Corona durchziehen.

Nach zwei Stornierungen/Verschiebungen meines Fluges kam ich endlich am Abend des 10. Novembers frohen Mutes in Dar es Salaam an. Auf dem Weg aus dem Flughafen wies ein Schild mich darauf hin, dass ich den Mund-Nasen-Schutz nun nicht mehr brauchte und seitdem bekomme ich von der Pandemie nur noch etwas mit, wenn ich Kontakt zu meinen Lieben zu Hause habe. Ich wurde von einem netten Fahrer zu meinem für tansanische Verhältnisse sehr luxuriösem Haus gebracht und am nächsten Morgen ging es nach einem typisch tansanischen Frühstück direkt ins Projekt.

Das Projekt heißt WEEDO – Women Empowerment and Entrepreneurship Development Organization. Kurz gesagt geht es in dem Projekt darum, Mädchen und jungen Frauen im Alter zwischen 13 und 22 Jahren mit sehr schlechten Zukunftschancen einen Zugang zur Bildung zu verschaffen. Somit sollen sie unterstützt werden, unabhängig von ihren Familien und Männern zu werden. Ab dem nächsten Jahr sollen ca. 20 Teilnehmerinnen in einem einjährigen Programm hauptsächlich in Nähen, Englisch, Computer und Gesundheit & Hygiene unterrichtet werden. Meine Aufgabe ist es, gemeinsam mit Rehema, der Projektleiterin, etwas mehr Struktur in das Programm und ihren Alltag zu bringen und das Projektteam zu coachen. Dabei ist in den ersten Wochen meine größte Herausforderung, mich an die Arbeitseinstellung in diesem Land anzupassen und das tansanische Projektteam nicht zu überfordern. Dabei ist sehr viel Geduld gefragt und in diesem Fall passt der Spruch „weniger ist mehr“ hervorragend. Trotzdem machen wir schon in den ersten Wochen große Fortschritte. Auch wenn ich in den ersten Tagen ein wenig überfordert war von all den neuen Eindrücken und einem völlig anderen Leben, habe ich mich nach kurzer Zeit gut eingelebt. Ich musste mich daran gewöhnen, dass hier alles länger dauert (Wege von A nach B, einkaufen, kochen, arbeiten,…), ich viel Zeit mit Warten verbringe und ich als Weiße hier überall auffalle. Nach nun etwas mehr als vier Wochen habe ich mich schon ganz gut daran gewöhnt und fühle mich entschleunigt.

In meiner Freizeit kommt hier keine Langeweile auf! Es gibt viele Menschen, die mir gerne die Umgebung und die tansanische Kultur zeigen und ich bin insbesondere mit Rehema, der Projektleiterin, viel unterwegs. Die Fotos können meine Freizeitbeschäftigungen besser erzählen als viele Worte. Und wenn ich mal nichts zu tun habe, verbringe ich die Zeit am Strand oder auf meiner kleinen Terrasse.

Nach nun etwas mehr als vier Wochen freue ich mich auf meinen Urlaub von der Auszeit. Ich werde (versuchen) den Kilimanjaro (zu) besteigen, auf Safari gehen, mir die Stadt Arusha anschauen und über Weihnachten ein paar Tage auf Sansibar verbringen. Dieses Jahr wird Weihnachten also ganz anders als gewohnt. Aufgrund von Corona werde ich leider keinen Besuch aus Deutschland bekommen, wie es ursprünglich geplant war. Aber dafür kann ich einmal Weihnachten am Strand verbringen. Was ich auf meiner Reise erleben werde und wie es im Projekt weitergeht, werde ich im nächsten Jahr in einem neuen Beitrag berichten…

Live-Session: Abenteuer Auszeit in Zeiten von Corona

Geschichten eines aktuellen Volunteer Experts am 12. Dezember 2020 live via Zoom

Zwischen Paradies und Panik

2009 war ich das erste Mal in Tanzania. Aus geplanten 3,5 Monaten wurden zunächst 7, dann immer häufigere Besuche und eine große Liebe zu Land und Leuten. Seit 2015 verbringe ich fast 6 Monate des Jahres in Tanzania. In Kigamboni, einem ruhigeren ländlicheren Distrikt vor den Toren der wirtschaftlichen Hauptstadt Dar-es-Salaam, direkt am Indischen Ozean.

Als ich am 3. Februar in den Flieger in Richtung meiner zweiten Heimat gestiegen bin, da wurde bereits über Covid-19 gesprochen. Das Virus war jedoch noch weit weg, in China. Möglicherweise gab es auch schon Fälle in Deutschland. Ich weiß es nicht mehr. Auf den Flughäfen sind vereinzelt Menschen mit Masken zu sehen gewesen, in Dar-es-Salaam wurde kurz meine Temperatur gemessen, aber das war es auch schon.
Heute, knapp 3 Monate später ist das Virus nicht mehr so weit entfernt. Drüben in der großen Stadt, vereinzelt in anderen Regionen und wenn man der letzten Info glauben darf, auch hier in Kigamboni.

In meinem kleinen Paradies sind dunkle Wolken aufgezogen.

Wie geht es uns hier mit Covid-19? Wie geht es mir? Ein kleiner Einblick in unser Leben mit Corona – aus meiner persönlichen Sicht und meiner persönlichen Einschätzung.

Corona in Tanzania – Erste Maßnahmen
Als am 16. März der erste bestätigte Corona-Fall in Tanzania veröffentlicht wurde, hat die Regierung sofort Maßnahmen eingeleitet.
Einrichtungen wie Kindertagesstätten bis hin zu Universitäten wurden mit sofortiger Wirkung geschlossen. Sportliche Großveranstaltungen, aber auch Musikevents wurden abgesagt. An jeder Ecke schossen plötzlich Eimer mit Wasser und Seife aus dem Boden, selbst an der ATM wurde ein Desinfektionsmittelspender installiert. Straßen wurden desinfiziert, Busse durften nur noch die Anzahl Passagiere wie Sitzmöglichkeiten befördern, an Fähre und Schnellbusstationen stand Hilfspersonal mit Desinfektionsmittel bereit.
Nach und nach wurden Touristen-Hotels geschlossen. Große Restaurants, Clubs und Bars. Ankommende Reisende via Flugzeug oder Land mussten 14 Tage in einem von der Regierung vorgeschrieben Hotel in Quarantäne, auf Selbstzahler-Basis.
Die neu bestätigten Zahlen stiegen langsam. Der Großteil der Infizierten waren Reisende, die gerade aus Europa oder Asien zurück kamen. Mittlerweile sprechen wir nun auch von Community transmission.

Seit dem 11. April sind alle internationalen Flüge bis auf Weiteres gestrichen. Nur noch Cargo-Maschinen sind erlaubt. Die Landes-Grenzen sind weiterhin offen, aber auch hier ist Quarantäne-Pflicht.
Seit diesem Montag, 20. April ist Maskenpflicht auf der Straße. Straßenlokale dürfen nur noch Take-Away anbieten, es ist ein Abstand von 2m einzuhalten und Märkte sind dazu aufgerufen, sich neu zu organisieren. Gotteshäuser bleiben weiterhin geöffnet.
Einen kompletten Lockdown wie in anderen Ländern gibt es bis dato noch nicht. Soll es laut unserem Präsidenten auch nicht geben.
Heute, am 22. April haben wir 284 offiziell bestätigte Fälle – davon der Großteil in Dar-es-Salaam, 11 Personen sind genesen und 10 Tote sind verzeichnet. Doch ich glaube nicht so recht daran, dass diese Zahlen stimmen. Sind es mehr und man sagt es uns nicht? Wird genug getestet? Wer wird getestet? Gibt es überhaupt genügend Test-Kits und Locations zum Testen?

Corona in Tanzania – Was bedeutet das für die Menschen hier?
In weiten Teilen und von außen betrachtet geht das Leben hier ganz normal weiter.
Bis vor kurzem waren Bars und Restaurants noch gut besucht. Kleinbusse in Kigamboni scheinen noch immer voll zu sein. Durch das Limitieren der Passagiere in den öffentlichen Verkehrsmitteln in der Stadt haben sich die Menschenmassen nun jedoch auf die Plattform oder die Straße verlagert. Am Strand treffen sich am Abend die Jugendlichen noch immer zum Fußball spielen oder sitzen zusammen. Und es gibt tatsächlich noch Restaurants, in denen man sitzen und essen kann. Maskenpflicht? Naja, Pflicht sieht anders aus.

 

Es scheint als ob viele die Situation und den Ernst der Lage lange nicht verstanden haben. Wie auch, wenn man in einem Land lebt in dem der Tod allgegenwärtig ist und Krankheiten wie Malaria und HIV, sowie Hunger an der Tagesordnung sind. Da sind die paar Corona-Fälle gelinde gesagt nichts.
Und wie auch, wenn man dem informellen Sektor angehört, der von der Hand in den Mund lebt und morgens aufsteht, um das Abendessen für die Familie zu verdienen. Da hat man ganz platt formuliert die Wahl zwischen Tod durch Hunger oder Corona.
Social Distancing geht hier so gut wie nicht. Und wenn, dann ist es nur etwas für Privilegierte. Menschen mit Autos, mit einem festen Einkommen, vielleicht sogar mit Rücklagen oder Selbstversorger mit eigenem Land.

Mittlerweile sind wir in der Regenzeit angelangt. Das macht die Situation nicht einfacher. Der Tourismus, einer unserer wichtigsten Einnahmequellen ist komplett zum Erliegen gekommen. Die vermutlich letzten Touristen werden morgen durch einen von den Niederländern organisierten Flug das Land verlassen. Wann wieder jemand ins Land kommt, steht in den Sternen.
Und so schließen nicht nur die letzten Hotels und Restaurants, auch Souvenirshops machen dicht und entlassen die Mitarbeiter. Alex, ein Bekannter der am Strand bunte Tücher verkauft sagte bereits letzte Woche zu mir. „Elke, maishi ni ngumu. Nakufa njaa.“ – Das Leben ist hart. Ich sterbe vor Hunger. Ein befreundeter DJ, der aufgrund der Schließung der Clubs nicht mehr auflegen kann, rief heute morgen an, er hat noch 1.000 TSH, also ca. 45 Cent. Und dabei sind wir erst am Anfang der Krise.

Corona in Tanzania – was macht das mit mir?
Ich wollte schon immer länger als 3 Monate am Stück in Tanzania bleiben. Dieser Traum wird jetzt wahr. Wenn auch nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Da macht sich durchaus ein leicht beklemmendes Gefühl in mir breit. Denn in irgendeiner Art und Weise habe ich die Kontrolle verloren. Wenn ich emails von der Deutschen Botschaft bekomme, steigt mein Adrenalin-Spiegel, weil ich dann einfach schwarz auf weiß lese, was ich eigentlich weiß und gerne verdränge.

Ich bin privilegiert. Und das weiß ich aktuell noch mehr zu schätzen als sonst.
Ich habe ein Dach über dem Kopf. Ich kann aktuell noch fast jeden Tag an den 5 Minuten entfernten Strand – meinen Kraftort. Ich habe, wenn sich die Lage verschlechtert in der Tat die Möglichkeit mir einen Vorrat an Wasser und Lebensmitteln zuzulegen. Ich kann zuhause kochen, mir Lebensmittel ins Haus bringen lassen. Ich habe Freunde – hier und überall auf der Welt mit denen ich mich austausche und telefoniere. Denn Freunde, die in der Stadt oder weiter weg wohnen besuche ich aktuell einfach nicht.
Ich zähle mich nicht zur Risikogruppe, dennoch habe ich unterschwellig Angst krank zu werden. In einem Land in dem die medizinische Versorgung nicht wirklich gegeben ist.
Und an manchen Tagen frage ich mich auch, was passiert, wenn die Lage sich hier zuspitzt. Bin ich dann als Weiße, mit vermeintlich Geld in der Tasche, die vermeintlich das Virus nach Tanzania gebracht hat, noch sicher? Schon seit Wochen höre ich immer wieder Corona-Rufe, wenn ich auf dem Markt oder am Strand bin.

Manager für Menschen liegt aktuell auf Eis. Es kann keiner reisen, also kann auch keiner in einen freiwilligen Einsatz gehen. Und keiner weiß, wann das wieder möglich ist und ob meine potentiellen Kunden dann überhaupt Geld haben bzw. den Mut sich in einem sozialen Projekt zum Beispiel in einem afrikanischen Land zu engagieren. Vielmehr mache ich mir aber Sorgen um unseren kleinen Verein. Und um die Projekte, die wir unterstützen. Schaffen wir es unsere Paten zu halten, so dass wir auch im nächsten Jahr die Schulausbildung der Kinder finanzieren können? Bekommen wir in diesem Jahr genug spenden, um das Frauenprojekt aufrecht zu erhalten, aber auch – und ich glaube das wird in diesem Jahr wichtiger als je – um Notfallhilfe in Form von Lebensmittelpaketen oder Arztbesuchen zu stemmen?

Ich will keine Panik schüren, aber ich weiß, dass die nächsten Wochen hart werden. Für die meisten Tanzanier vermutlich noch härter.
Ich werde morgen nicht im Flugzeug nach Europa sitzen. Ich habe mich bewusst dafür entschieden hier zu bleiben, nicht davon zu laufen. In guten wie in schlechten Tagen. Ich weiß, dass wir es gemeinsam schaffen. Akzeptieren was ist und einfach Vertrauen ins Leben haben. Das ist gerade das, was wichtig ist.

Live-Session: Abenteuer Auszeit

Geschichten eines Volunteer Experts am 13. und 27. Juni 2020 live via Zoom

Es war die beste Entscheidung…

Bei so einer Referenz lacht mein Herz:

“Elke kennengelernt zu haben hat mich ermutigt, mich selbst herauszufordern, alltägliche Routinen hinter mir zu lassen und ein neues Kapitel in meinem Leben zu starten. Rückblickend war es die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Die Zusammenarbeit mit Elke war hervorragend. Ich durfte viel von ihrer Reiseerfahrung lernen, speziell in Vorbereitung auf meinen Einsatz. Und sie war rund um die Uhr erreichbar, wenn ich Hilfe gebraucht habe. Durch ihr weltweites Netzwerk an Projektpartnern konnten wir schnell ein passendes Projekt für mich finden, in dem ich mich super wohl gefühlt habe. Zurückgereist bin ich mit vielen neuen Inspirationen, neuen Freunden und neuen Erkenntnissen für meinen persönlichen und beruflichen Werdegang. Danke Elke für deine positive, ehrliche und angenehme Art. Ich würde mich jederzeit wieder auf das Abenteuer mit Manager für Menschen einlassen.”

Wenn du auch Lust auf ein Abenteuer hast, dann bewerbe dich jetzt!

Mein Leben in zwei Welten – Teil 2

Einige Wochen später, viele Eindrücke, Arbeiten und Erkenntnisse später, möchte ich gerne versuchen, Euch an meinem „Leben in zwei Welten“ teilhaben zu lassen. Bei Lesedi la Batho hat die Arbeit an vielen verschiedenen Ebenen für mich begonnen. Im Moment lebt die Hilfsorganisation von wenigen großen Spenden aus Fördertöpfen, Hilfsprogammen oder Organisationsspenden. Grundsätzlich gibt es daran nichts auszusetzen – es führt allerdings dazu, dass zum einen nur detailliert beschriebene Projekte (und die dazugehörigen Personen) gesponsert werden und zum anderen auch, dass durch den Wegfall eines „Spenders“ ein riesiges Loch entsteht. Daher habe ich angeregt, die Privatspenden  (insbesonders monatliche) aus- bzw. aufzubauen.

Und daran arbeitet Lesedi jetzt mitunter. So sind die Tage in der Community mit Konzept und Ideen für neue Marketingaktivitäten geprägt. Es wird gerade an einer ganz neuen Website gearbeitet, die Strategie, die Inhalte und Zyklen des Quartalsnewsletters werden überdacht/geändert, Flyer und andere Marketingmaterialien auf Vordermann gebracht. Und auch dank Unterstützung von Freuden aus Deutschland werden die „nötigen Grafikdateien “ upgedatet und für alle relevanten Personen zentral verwaltet. Ja, da ist noch einiges an Arbeit zu tun, was aber bei Mary (der verantwortlichen Person für Marketing) in guten Händen liegt. Sie frägt mich wissbegierig aus, brainstormt mit mir und hat selbst auch neue und gute Ideen, die es zu verwirklichen gilt. Ich hoffe, in meinen letzten zwei Wochen hier noch viel Wissen, Know how und Ideen hinterlassen zu können.

Sicher ist auf jeden Fall, dass noch viel „praktische“ Arbeit vor ihnen liegt. Aber mein Augenmerk liegt mehr auf den Know how Transfer. Gerade im Marketing ist ein klar definiertes Ziel essenziell wichtig und die tatsächliche Erstellung eines Flyers nur das Resultat. Und genau dies versuche ich täglich zu transportieren.

Aber auch außerhalb von Lesedi la Batho gibt es einiges für mich zu tun. Schließlich musste auch das Land erkundet werden. Daher habe mich auch recht schnell an die Recherche gemacht, wie ich meine Freizeit verbringen kann. Die ersten Wochenenden habe ich Sonntags mit einer Gruppe von Meetup beim Wandern verbracht. So konnte ich doch einige Hiking-Trails in und um Gauteng kennenlernen. Sowohl von Leuten, als auch von der Landschaft eine neue Erfahrung für mich,  interessant und aufschlussreich. Leider sind die meisten „hikes“ eher Spaziergänge für einen Voralpenlandbewohner. Die Wanderungen sind in der Regel über 200 bis 450 Höhenmeter und es werden mehr Kilometer als Höhenmeter absolviert. Auch einmal schön, aber nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. 

Nachdem ich dann hörte, dass über Ostern Lesedi eine Woche Osterferien hat, stand mein Plan schnell fest. Ich habe schön öfters von dem Wander- und Naturparadies La Reunion gehört. Dies befindet sich oberhalb von Mauritius und ist ein französisches Übersee Departement. 

Aber das sollte nicht das einzige Weltkulturgebiet werden, das ich in Afrika ansehen würde. Daher ging es erst einmal für ein Wochenende nach Zimbabwe, um die Victoria Falls anzusehen. Zimbabwe war einst ein Vorzeigestaat in Afrika, aber leider hat der ehemalige Präsident Mugabe das Land in den Ruin getrieben. Auch in Mabopane sind viele Flüchtlinge aus Zimbabwe. Für uns nicht vorstellbar, dass Menschen ihre Heimat verlassen, um in einem anderen dritten Weltstaat in Slums zu leben. Das lässt erahnen, wie groß die Verzweiflung und Armut in deren Land sein muss. Der Zustand des Landes ist alleine schon am Flughafen bei der Einreise zu erahnen. Wirklich schlimm, was ein Mensch mit Korruption, Unterschlagung und Vetternwirtschaft so alles anstellen kann. Dennoch erwarten einen unfassbar freundliche und aufgeschlossene Menschen. Sicherlich ist der Ort Victoria Falls nicht repräsentativ für das Land, da es den Menschen hier durch den Tourismus verhältnismäßig gut geht. Dennoch ist hier alles viel einfacher und man sieht die Armut an allen Ecken. Mittlerweile gibt es wieder eine eigene Währung im Land namens „Bond“, die aber nur für Einheimische am Geldautomaten zu haben ist. Als Tourist musst du Dollar und Kreditkarte im Gepäck haben. Im Land kommt man auf regulärem Weg (Bank, Wechselstuben usw.) an kein Geld. 

Aber die Victoria Falls sind einfach unfassbar, man sollte sie auf jeden Fall gesehen haben. Es ist wirklich schwierig zu beschreiben, wie toll und auch etwas magisch dieser Ort ist, das muss wohl jeder selbst erleben.

Zwischen meinem Wochenendtrip und Osterurlaub lagen zwei Wochen, in denen intensiv an Website und Vorbereitung für die Career Expo gearbeitet wurde. Das Konzept für die Homepage wurde gefixt und auch amerikanische Volunteers, die an der Universität von Pretoria ein Semester studieren, haben sich bereit erklärt, einen Teil der Seite zu erarbeiten. Mit großer Vorfreude und Spannung ging es dann über Ostern auf die tropische Insel. Mit einer fünf-tägigen Wanderung, die über 7000 Höhenmeter und 64KM lang durch das Mafate-Gebiet ging, habe ich meine Osterferien verbracht – unfassbar schön und verständlich, dass dies zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Ich habe vor dieser Wanderung noch nie eine solche Vielfalt an Fauna und Flora erlebt. Obwohl ich lediglich durch das Mafate-Gebiet gewandert bin und zwei der insgesamt fünf Gebiete kurz gestriffen habe, war von tropischen Obstbäumen bis zu Nadelwäldern alles dabei. Traumblicke und vor allem bestes Wanderwetter.

Zum Abschluss wurden noch drei Tage Erholung am Traumstrand eingelegt. Aber das Erlebte beschreiben die Bilder besser.

Jetzt ist nur noch die Frage offen, wie es zu dem Titel des Blogs kam? Tja, Südafrika ist für mich ein extrem schönes Land mit netten und aufgeschlossenen Menschen. Aber das Leben hier ist schwer zu beschreiben und hat so viele Facetten, die kein klares Bild zeichnen. Der Unterschied zwischen Reich und Arm, Rassismus gegenüber Schwarzen, aber auch Weißen. Essen wie in einer Metropole eines Erste-Welt-Landes, während man von jemandem in Fetzen beäugt wird. Dies sind nur einige von vielen Beispielen, die einem auf einer Urlaubsreise nicht unbedingt auffallen – aber in einem dreimonatigen Sabbatical einer nicht touristischen Stadt ist dieser Kontrast täglich zu sehen. Ich selbst kann und will mir auch hierzu kein Urteil abgeben, da es kein Richtig oder Falsch gibt. Die Wahrheit liegt wohl immer im Auge des Betrachters. Ich für meinen Teil nehme viele Eindrücke, Erfahrungen, Erlebnisse und Erkenntnisse mit nachhause. Ich weiß mittlerweile wieder vieles, das in Deutschland selbstverständlich ist, mehr zu schätzen – stehe aber wohl auch kritischer unserem selbstverständlichen gegenüber. 

Das Resumè meines Sabbaticals ist auf jeden Fall durchwegs positiv. Ich möchte keine Minute meiner Zeit missen und ich weiß eines mit Gewissheit: Es hat mir sehr geholfen, einen unbequemen, unbekannten Schritt zu gehen, um mich und mein Leben noch mehr zu schätzen.

Danke Lesedi, Danke an meine Frau, Danke an Manager für Menschen und Rays of Hope für diese Lebenserfahrung! 

Once a Lesedi – always a Lesedi!

Südafrika – mein Leben in zwei Welten

Meine ersten Wochen – Teil 1

Seit Jahren gehe ich Tag für Tag meiner Arbeit nach und im selben Trott Woche für Woche zieht es an mir vorbei. Ein „soziales Engagement“ hatte ich dabei immer im Hinterkopf, aber niemals in die Tat umgesetzt. Als ich von dem  Social Responsibility Programm meines Arbeitgebers gehört habe, dachte ich mir „wenn nicht jetzt, wann dann?“. Und nachdem es meist am ersten Schritt scheitert, habe ich mich umgehend an die Recherche gemacht. Ich bin ziemlich schnell auf eine Seite für humanitäre Hilfe gestoßen, die (älteren) „professionals“ kein klassisches Volunteerprogramm anbietet, sondern deren Intention es ist, die Kenntnisse und Fähigkeiten an andere/NGOs weiterzugeben. Ich fand diesen Gedanken sehr ansprechend und sah vor allem auch für mich eine Chance, mein erlerntes Wissen fernab von dem Profitgedanken einzusetzen. 

Aber vielleicht sollte ich mich erst einmal vorstellen. Mein Name ist Tobias und ich lebe in München. Mittlerweile 45 Jahre alt und seit 19 Jahren im Bereich Marketing tätig. Seit nun über 5 Jahren bin ich für ein internationales Telekommunikationsunternehmen tätig und seit mehreren Jahren glücklich verheiratet.

Ich denke, mit dieser kurzen Beschreibung meiner Person kann sich jeder vorstellen, welche Gedanken einen umtreiben. Bin ich nicht zu alt? Komme ich dort zurecht? Kann ich hier einmal alles stehen und liegen lassen? Was sagt meine Frau dazu? Aber ich habe mir gesagt „keine Gründe es nicht jetzt zu tun!“ Und so habe ich Kontakt mit „Manager für Menschen“ aufgenommen und mit Elke über verschiedene Optionen gesprochen. Einige der Möglichkeiten waren auch in Südafrika. Nachdem ich selbst schon einmal beruflich und auch für die Hochzeitsreise das Land bereist habe und ich extrem angetan war, nahm ich das auch gleich als Zeichen für „das ist es“!

Um das ganze aber etwas abzukürzen: Nach einigen Skype-Terminen, Gesprächen mit meiner Frau und Freigabenrunden meines Arbeitgebers stand mein Projekt und Ziel fest. So bin ich jetzt für Rays of Hope in Pretoria, um dort die Hilfsorganisation Lesedi la Batho zu unterstützen. 

Lesedi la Batho (LLB) bedeutet übersetzt „Licht für die Menschen“ und ist seit 2004 als ein Projekt der Organisation SA Cares und seit 2011 eigenständig tätig. Es hilft bedürftigen Bewohnern des Townships Mabopane in vielen Lebensbereichen. Hierzu zählen Bildung (Hygiene, Computerkurse, Sozialverhalten etc.), Berufsausbildung (Bäckerei, Näherei, Kindergarten etc.), Beratung bei Existenzgründung, Sportförderung, psychologische Unterstützung sowie Kinderbetreuung für berufstätige Mütter. Aber auch Hilfe für HIV erkrankte Menschen und Prosituierten gehören zu dem Aufgabengebiet. Wie auch Aufklärung und Hilfe für Schüler der umliegenden Primary- und Highschools. Ein wirklich breites Feld, das es erst einmal zu verstehen und zu begreifen gilt. 

Nach einem zwei wöchigen Urlaub mit meiner Frau habe ich dann auch meine Arbeit bei LBB angetreten. Das Office befindet sich direkt in Pretoria. Die Community befindet sich ca. 40 Minuten außerhalb von Pretoria. So war die erste Herausforderung für mich, die Arbeiten der Community zu verstehen und auch etwas mehr Einblick in das tatsächliche, hilfebedürftige Südafrika zu bekommen. Bis dato kannte ich eigentlich nur die Postkartenmotive von Südafrika und das Leben der Weißen – und in meinen Augen auch oftmals extrem Reichen. Aber dieses Südafrika steht nur für eine geringe Bevölkerungsschicht und der Großteil der Einwohner lebt auch heute noch am Existenzminimum mit keiner oder nur geringer Schulbildung, und die Gewalt ist außerhalb der Villen und „Weißenviertel“ allgegenwärtig. 

Nach 14 Tagen hatte ich dann einigermaßen einen Eindruck von der Arbeit, den Umständen, aber auch von den Problemen und „liegengelassenem“ Potential.

Meine „Arbeit“ anfänglich war es, alles aufzusaugen und mir unvoreingenommen ein Bild zu machen. Der erste Eindruck war wirklich sehr positiv und vor allem wurde ich überall herzlich aufgenommen. Aber dennoch ist man erstmals über die Umstände und die zur Verfügung stehende Ausstattung verwundert. Aus Deutschland kommend, haben wir mittlerweile eine übertriebene Anforderung an Hygiene, Ausstattung von Büro- und Schulräumen und Equipment, das man zur Arbeit erwartet. Hier ist es doch deutlich einfacher und dennoch wird auf Reinheit und Ordnung geachtet. 

Eines der Probleme ist für mich die notorische Unterbesetzung gerade im Office von Lesedi. Was natürlich bedeutet, dass wenig „Headcosts“ entstehen und jeden Sponsor freut, aber auch dazu führt, dass immer nur die aktuell anstehenden Arbeiten und Probleme gelöst werden. Unter solchen Umständen, und teilweise mit dem fehlenden fachlichen Wissen, bleiben Prozesse, Ideen, Strategien und eine klare Linie auf der Strecke. Auch für mich waren daher die ersten Wochen bzw. Monat von „troubleshooting“ geprägt. So habe ich an einem Tag geholfen, die Excelsheets für Reporting upzudaten, mit Herstellern korrespondiert, um defekte Nähmaschinen reparieren zu lassen und für die im Mai anstehende Career Expo Aussteller zu akquirieren. Sicherlich sind das Arbeiten, die verrichtet werden müssen, aber in meinen Augen kann dies nicht alles gewesen sein. Nach nun mehr als fünf Wochen habe ich doch einige Vorstellung und ich denke, auch für das Projekt förderliche Ideen, die auf jeden Fall noch angegangen werden sollten. 

Wie es bei Lesedi weiterging, was ich neben der Arbeit sonst so erlebt habe, welche Behördenprobleme ich erlebt habe und wie es zu dem Blog-Titel kommt, werde ich in meinem nächsten Post verraten.