Vollbracht! – Masterplan Lesedi la Batho 2020

Mein Auftrag ist erfüllt!

LLB Der Masterplan Lesedi la Batho 2020 steht, ist allseits gut geheißen und geht nun als hoffentlich reife Saat auf.

RoH LogoInsgesamt erstellte ich dreierlei Dokumentationen:

  1. eine Textfassung
  2. einen Foliensatz in Kurz- und Langversion für Präsentationen mit
    – Analyse aller laufenden Aktivitäten, die wir in acht Bereiche untergliedert haben, sowie von Lesedi la Batho als Unternehmen
    – einer Zukunftsstory, wie Lesedi la Batho in 2020 aktiv sein und aussehen könnte
    – einer Liste zusätzlicher Maßnahmen für die laufenden Aktivitäten
    – einer Liste von 6 neuen sozialen Unternehmen und Aktivitäten, die in den kommenden ein bis zwei Jahren gestartet werden könnten
    – einer Ausarbeitung zu den Voraussetzungen, die es braucht, damit Lesedi la Batho diese laufenden Aktivitäten stabilisieren und das weitere Wachstum umsetzen kann, u. a. der Aufbau einer stärkeren Managementstruktur sowie
    – den nächsten Schritten
  3. einen Satz Anlagen als Hintergrundmaterial, aus dem die beide vorgenannten Dokumente entstanden.

20140407 01 Loftus St Chrisna Loren Jochem Joachim Ria RonelWenn ich alles nüchtern betrachte, dann stellt der Masterplan lediglich die Zusammenstellung alles dessen dar, was Chrisna, Loren, Ronel, und das Team in Mabopane an Ideen und Gedanken im Kopf haben. Nun ist es aber alles strukturiert und aufgeschrieben. In den vielen Gesprächen mit den Kollegen konnte ich obendrein so manchen Impuls geben. Insgesamt eine sehr befriedigende Arbeit für mich, die viel Spaß bereitete. Am allermeisten Freude hatte ich an den sechs Management-Schulungen in Mabopane mit den bis zu 24 Teilnehmern. Die meisten von ihnen machten mit so viel Engagement und Aufmerksamkeit mit, dass ich bis zum Schluss keine Mühe hatte, alle bei der Stange zu halten. Zwar brachte ich das Team bisweilen an die Grenzen der Aufnahmefähigkeit, hatten wir manchmal Probleme, unsere kulturell unterschiedlichen Denkweisen wechelseitig zu verstehen, doch niemals gab es eine Klage. Nur einmal hörte ich ein allgemeines Aufseufzen, als ein Workshop endete. Ich muss aber auch gestehen, dass ich das eine oder andere Mal zum Schluss eines Workshops ganz schön alle war.

20140401 12 Mabopane Child CareUnd nun meine Fazit?

Ich würde das Projekt gerade nochmals machen, sofort! Noch besser: ich würde gerne an der Umsetzung mitarbeiten. Als Berater ist man ja oft nur bis zur Umsetzung dabei. Schade eigentlich.

20140422 08 Mabopane Mgmnt WS GrpNun vielleicht findet sich ein Weg:

Zum einen konnten wir einen Kollegen meines Konzerns hier in Südafrika dafür interessieren, zusammen mit seiner Führungsmannschaft weitere Managementschulungen in Mabopane abzuhalten. Das wäre ein Engagement, das ich enorm zu schätzen weiß, ist Zeit doch das kostbarste, was ein Manager heutzutage hat. Zudem gestehe ich offen und unbescheiden, dass ich meine Arbeit dadurch sehr bestätigt sehen würde.

20140501 87 Mabopane Siegerehrung Jochem Joachim KamogeloZum andern habe ich Chrisna versprochen, an der Auswertung der nun einzuführenden Monatsberichte zu allen Aktivitäten wie auch an der unternehmerischen Planung Lesedi la Bathos von zu Hause aus als Sparringspartner mitzuwirken. Ich denke, auch das wird helfen, die schwierige Einführungs- und Lernphase aller zu überbrücken.

20140331 04 LLB Chrisna Ronel Jochem Loren Joachim i BüroDas wichtigste aber: Ich selbst habe gelernt, und das nicht wenig:

  • mit anderen Kulturen umzugehen (in ZA gibt es mehrere parallele Kulturen)
  • Menschen noch mehr abzuholen, wo sie mit ihren Gedanken und ihrem Wissen stehen, nicht einfach nur zu rufen: kommt!
  • dann sie zu fördern, damit sie auf dem Weg zu Neuem folgen können
  • noch mehr zuzuhören und zu beobachten
  • mit Geduld und Offenheit und im Dialog zu überzeugen
  • zu spiegeln, so dass Menschen sich selbst erkennen können
  • viel zu fragen (das ist bisher nicht meine Stärke)
  • wertzuschätzen, und zwar gemessen an der Leistungsfähigkeit und dem Vermögen des anderen, nicht an meinem Maßstab
  • Rückmeldung zu geben, auch kritische, aber immer im richtigen und freundlichen Ton
  • ganz aus eigenem Antrieb zu handeln; hier sagte mir niemand, was ich zu tun hätte; auch gab es keine Umstände, die mich zum Handeln gewungen hätten; nein, alles erfolgte aus eigenem Antrieb, ich war für die mir gestellte Aufgabe des Masterplans die alleinige Lokomotive für mich und für das ganze Team
  • Selbstdisziplin, um an der Aufgabe auch wirklich dran zu bleiben (Reisen wäre eine sehr attraktive Alternative nicht nur an den Wochenenden gewesen)
  • wirklich jeden Handgriff zur Erstellung des Masterplans selbst gemacht zu haben (zu Hause bin ich Chef und bekomme so vieles von fleißigen Köpfen und Händen erledigt!)
  • mein Englisch zu verflüssigen; neulich schrieb ich eine Mail an einen deutschen Adressaten und merkte erst auf halbem Weg, dass ich auf Englisch schrieb, so wie mein ganzes Leben hier auf Englisch abläuft
  • das Zuhause in D mehr zu schätzen: wie gut haben wir es dort, eine weitgehend intakte, wahnsinnig wohlhabende und sichere Gesellschaft mit erträglicher Spreizung zwischen arm und reich, aber mit Jammerkultur auf allerhöchstem Niveau
  • Freundlichkeit als echte Lebenshaltung zu pflegen: hier kann ich das jeden Tag erleben; die Menschen sind freundlich zueinander, und zwar ernst gemeint und nicht aufgesetzt; Freundlichkeit öffnet die Herzen und entspannt enorm, echt!
  • zu skypen und damit fast jeden Tag mit meiner Familie Kontakt zu haben; so hielten wir uns weitgehend auf dem Laufenden – was für ein Unterschied zu vor 20 Jahren!
  • zu wissen, dass mein Team zu Hause bei der Arbeit auch ohne mich zurecht kommt; das macht mich sehr stolz auf dieses Team, zu dem ich gerne zurück kehren werde

SONY DSCSONY DSCWas nehme ich persönlich von diesem Aufenthalt mit?

  • erlebte Freiheit, das zu allererst; ich war ganz mein eigener Herr; das kennen zu lernen, war schon lange mein Traum – ein tolles Erlebnis!!
  • ich habe mir einen Traum erfüllt – und das ganz auf eigene Initiative
  • ich habe so viele wunderbare Menschen kennen gelernt, die mir so viel gegeben haben, mich so viel gelehrt haben und die sich so über mein Zusammensein mit ihnen freuten
  • ich habe mir eine neue Dimension des Lebens erschlossen: die soziale Tätigkeit und zu geben, was mich so sehr erfüllt und mich viel zufriedener macht
  • ich habe besser verstanden, dass ich ganz viel kann und viel Erfahrung habe, die es wert ist, sie weiter zu geben
  • ich lebe langsamer, deutlich langsamer, und trotzdem habe ich so viel bewerkstelligt
  • ich habe dieses wunderschöne Südafrika viel besser erkundet, das Land mit seinen Gegensätzen zu allererst sehr lieben gelernt, dann und wann dazwischen aber auch Momente der Wut auf diese grenzenlose Armut und Gleichgültigkeit des Staates wie auch auf die selbstverständliche Bereicherung Einzelner empfunden
  • die Menschen hier haben mich gelehrt, meinen Glauben an Gott zu stärken, ein Glaube, der Berge versetzt

SONY DSCWie gut, dass meine Firma Sabbaticals anbietet und noch besser, dass ich die Chance nutze.

SONY DSCNun habe ich nämlich noch  5 Wochen zu Hause. Ich bin richtig froh, meine Zeit so eingeteilt zu haben, schon alleine deshalb, weil ich mit meinem Lebenstempo doch nach und nach wieder etwas europäischer werden muss, aber auch, dass ich meine Erfahrungen in Ruhe nachwirken lassen und die richtigen Schlüsse für meine weitere Lebensart ziehen kann.

SONY DSCKurz: Diese Art des Sabbaticals stellt für mich eine der besten Erfahrungen meines Lebens dar.

SONY DSCDanke an Manager für Menschen und Rays of Hope und Lesedi la Batho (Light to the People). Jochem und ich dürfen uns jetzt als Lesedi bezeichnen, das empfinde ich wie einen Ritterschlag :-)IMG_1096 (2)Danke an Chrisna, Loren und Ronel wie an das ganze Team in Mabopane, dass ich das miterleben durfte und so viel Inspiration und Ermunterung erhielt.

Danke an meine Frau Dorothea und meine Tochter Sophia, die dem langen Fernbleiben zustimmten.

Übermorgen reise ich zurück mit zwei Koffern und einem Rucksack und einem Kopf voller Erinnerungen und Erfahrungen unschätzbaren Wertes, hell erstrahlend im Glanz des Lichts (= Lesedi).

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Schlussphase meiner Beraterzeit für Lesedi la Batho und Rays of Hope

Seit vergangener Woche sitze ich über dem Schlussbericht zum Masterplan für Lesedi la Batho bzw. Rays of Hope. Damit ist die Schlussphase eingeläutet, und es hilft mir nun gar nicht mehr, die Augen davor zu verschließen: der so erfahrungs- und erlebnisreiche Aufenthalt hier in Südafrika nähert sich seinem Ende.

Einerseits macht es mir Spaß, nun (endlich) die vielen gesammelten Informationen richtig zu strukturieren, zu sortieren und nieder zu schreiben. Anderersets aber ist das bisweilen auch etwas mühsam, denn die Fülle der Themen ist groß, die inhatliche Verflechtung vielfach. Da helfen bei allem Ehrgeiz, es gut machen zu wollen, nur Geduld und Ausdauer.

Der eine Block des Masterplans wird sich mit den Erweiterungen bestehender sowie mit ganz neuen Aktivitäten befassen. Damit wird Lesedi la Batho wachsen und an Bedeutung gewinnen. Die zweite Säule beschreibt all die Maßnahmen, die notwendig sind, um Lesedi la Batho als Organisation für dieses Wachstum nachhaltig stabil zu machen. Lesedi la Batho hat mit derzeit fast 50 Mitarbeitern eine Größe erreicht, die stabile Strukturen mit klarer Arbeitsteilung und Delegation wie auch messbarem Management erfordert.

Eine besondere Freude ist, dass sowohl Chrisna und Loren als auch das Team in Mabopane mich tatkräftig unterstützen und diese Veränderung wollen. Sie sind es, die Lesedi la Batho zum besten Gemeindezentrum in einem Township der Region Gauteng, vielleicht sogar ganz Südafrikas machen wollen. Dabei hat LLB bereits heute einen guten Namen und ist gern gesehener Partner auch staatlicher Stellen.

Morgen werden wir im 5. Management-Workshop in Mabopane das für das Sponsoring wie auch fürs Management so wichtige, oft aber ungeliebte  Berichtswesen behandeln. Das messbare Planen und Steuern werden die beiden ersten ablauforganisatorischen Veränderungen sein, die jetzt eingeführt werden. Mit deren Hilfe kann Chrisna besser delegieren und darauf aufbauend nach und nach die neuen Aktivitäten starten.

Mir bleiben noch zweimal vier Arbeitstage. Das kommende Wochenende verlängere ich wie das eben zu Ende gehende (ich war im Krüger NP), um noch St. Lucia und seinen Naturpark am Indischen Ozean kennen zu lernen. Die Woche drauf werde ich bereits freitags abreisen …

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Die Zielgerade kommt in Sicht

Sechs von neun Wochen meines Aufenthalts hier in Südafrika sind nahezu vorüber. Erlebnis reiht sich an Erlebnis. Mein Erfahrungsschatz wächst täglich. Auch hielt ich schon drei Workshops zum Thema Projektmanagement und konnte dabei mit intensiven Diskussionen über die Vorgehensweisen manches meiner Erfahrung weiter geben. Die größte Herausforderung besteht für mich darin, die Köpfe der Mensche wirklich zu erreichen und ihnen Brücken zu bauen zu eigenen Lebenserfahrungen. Die Lernkultur hier ist eine andere als ich es von zu Hause gewöhnt bin: nur wenige machen sich wirklich systematisch Notizen. Meine Dokumentationen zu den einzelnen Workshops, die ich verteile und für die ich eigens für jeden einen Ordner besorgt hatte, bringen nur ca. 50% der Teilnehmer regelmäßig mit. So dauert es bisweilen, bis ich wirklich den verständigen Blick aufblitzen sehe. Und dann freue ich mich. Neulich arbeiteten wir Kennzahlen für den Output einiger Aufgaben Lesedi la Bathos heraus. Die leuchtenden Augen meiner Workshop-Teilnehmer sind meine Erfolgskennzahl!

20140505_14514520140507 07 Pretoria Natural Hist M

 

Mittlerweile kenne ich mich in Pretoria einigermaßen aus. Gestern am Wahlfeiertag radelte ich durch die Innenstadt. Vor den Wahllokalen hatten sich lange Schlangen gebildet, wie oben auf dem Rathausplatz zu sehen. Auch besuchte ich endlich mal den Bahnhof (s.u.), um als Bahner ein wenig Berührung mit dem hiesigen System zu bekommen. Nach allen Vorwarnungen meiner – weißen – Kollegen hier, die alle niemals die Bahn benützen, muss ich sagen, dass der Zustand ein deutlich besserer ist als erwartet.

Überhaupt ist die Sicherheitslage in Pretorias Innenstadt tagsüber nicht kritisch. Pretorias Innenstadt ist nur mittlerweile sehr fest in Händen der ohnehin sehr großen Mehrheit der Schwarzen, die anders leben als die kleine Minderheit der Weißen. Das wirkt manchmal befremdlich, weil alles viel chaotischer und schmutziger und vernachlässigter ist, aber unwohl fühle ich mich dort nicht. Die Menchen sind aufgeschlossen und neugierig, gerne zu einem Scherz aufgelegt. Freundlichkeit hilft auch hier, ganz schnell Abstände zu überwinden. Ich fühle mich in dieser Verhaltenseise sehr bestärkt!

Es gibt allerdings Gegenden in Pretoria und Umgebung, die ich besser nicht aufsuche, aber dorthin zieht mich auch nichts. Vom Auto aus habe ich da so manchen erschütternden Zustand gesehen bis hin zu Straßenschildern, die vor Überfällen warnen.20140507 09 Pretoria Bahnhof

Die Wochenenden nutze ich gerne und fast immer zu Ausflügen in die nähere und weitere Umgebung. Am liebsten suche ich Parks mit Wildtieren auf. Daran kann ich mich nicht satt freuen.

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Diese Pausen brauche ich auch, um meine Gedanken und Eindrücke zu sortieren. Immer noch regen mich manche Erlebnisse sehr zum Nachdenken an. Auch die langen Autofahrten zu den Zielen eignen sich bestens für solch gedankliche Sortierarbeiten.

Das sich zunehmend heraus bildende Kaleidoskop-Bild aus den strukturellen Bausteinen des Masterplans, aus den Aktivitäten und den Möglichkeiten wie auch den Notwendigkeiten der Veränderung und des Wachstums von Lesedi la Batho beschäftigt mich zunehmend intensiv. Ja, die Zielgerade kommt schon in Sicht, auf der ich dann alles zusammen schreiben und in die in sich schlüssige Form bringen werde.

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Das Bild unten zeigt Chrisna, Loren und mich auf dem Empfang der schwedischen Botschaft anlässlich des 20. Jahrstages der freien Demokratie in Südafrika und der diesen Prozess fördernden Zusammenarbeit zwischen Schweden und Südafrika. Hintergrund: Eine schwedische Einrichtung gehört zu den Sponsoren Lesedi la Bathos.

Es gibt also viele Gründe, diese meine Auszeit als einmalig zu bezeichnen und weiterhin intensiv zu genießen!
20140429 05 Pretoria Schwed Botsch Chrisna Loren Joachim

Halbzeit

20140429 03 Mabopane 2. WS

Zum zweiten Management-Workshop in Mabopane war die Pastorin der Gemeinde, Dina Nkube, gekommen, eine würdige aber doch unkomplizierte und sehr herzliche Dame in blauem Hosenanzug. Sie eröffnete unseren Workshop mit einem Kirchengospel, den wiederum Sipho mit seiner kräftigen Stimme anführte. Danach hielt sie eine kurze Predigt, die alle Regeln der Rhetorik ausspielte und zum Beispiel die Wiederholung von kurz gefassten Kernaussagen seitens der Gemeinde einforderte. Entsprechend leidenschaftlich gingen die Teilnehmer mit, war auch ich berührt. Als Thema hatte sie die Geschichte Abrahams ausgewählt, den Gott aufgefordert hatte, das Land Chaldäa zu verlassen und zu neuen Ufern in Kanaan aufzubrechen, dazu alles Liebgewonnene zurück zu lassen und sich zu öffnen für Neues. Denn nur durch das sich Lösen vom Gewohnten kann es Fortschritt geben. Ich fand das einerseits herrlich passend für unsere Workshops, die ja neue Fähigkeiten und Chancen für diese Menschen vermitteln sollen! Aber natürlich fühlte ich mich auch selbst angesprochen, denn seit viereinhalb Wochen erlebe ich täglich Neues in völlig neuer Umgebung – und lerne so viel dazu!

20140429 01 Mabopane 2. WS

Ich bin jeden Tag aufs Neue froh, das Sabbatical angetreten zu haben und mich einer ganz anderen, ja gerade dieser Aufgabe bei Lesedi la Batho zu widmen. Nun ist schon Halbzeit meines Aufenthaltes hier in Pretoria. Ein erster Hauch von Wehmut schleicht sich ein, denn jetzt, vom Berg des Zeitbogens aus, kann ich das Ende schon erahnen.

Einerseits spüre ich mit wachsender Brisanz, mit meiner Aufgabe tatsächlich pünktlich fertig werden zu wollen (gerade wegen dieses Kitzels werde ich das schon schaffen), andererseits frage ich mich zunehmend, welche Lehren ich aus dieser ganz neuen Erfahrung vor allem für mein Berufslebens ziehen möchte. Eines weiß ich jetzt schon noch mehr als vorher zu schätzen: was für eine spannende und ausfüllende Aufgabe ich zu Hause habe, und wie sehr gerne ich mit meinem Team zusammen arbeite. Und auf das gute, wertschätzende, fürsorgliche und fördernde Miteinander kommt es an, wenn man nach Kanaan unterwegs ist. Und wer ist das nicht in dieser Zeit, in der Veränderung die einzige Konstante ist?

Der erste Workshop zum Thema Management mit dem LLB-Team in Mabopane

Der heutige, erste Workshop über Management mit dem Team der “Activity-Leaders” und einigen Potenzialträgern von Lesedi la Batho war ein richtiges Gemeinschaftserlebnis. Die Verbindung vom Team nicht nur zu Chrisna und Loren, sondern auch zu mir Neuling aus dem fernen Deutschland, kam schnell zustande. Es gab rege, teilweise lebhafte Diskussionen, ich habe so viel Identifikation mit Lesedi la Batho erfahren, toll!

Was mich besonders erstaunte: fast alle hatten sich ein wenig heraus geputzt. Ich kam mir in der Rolle des Workshopleiters in den Jeans etwas zu leger vor. Und alle(!!) waren pünktlich um 10.00 Uhr im Saal. Und pünktlich um 14.30 waren wir mit dem Programm des Tages durch! Ist das nicht vorbildlich?

Loren begann mit einer spielerischen Vorstellungsrunde. Anschließend redete ich mit dem Team über Lesedi la Batho: was ist LLB und was macht es erfolgreich? Eine sehr lange Liste entstand, der Stolz der Teilnehmer war richtig zu spüren. Am besten gefiel mir: “Lesedi la Batho, das sind wir.” 

Nach der Vorführung der auf Youtube neu eingestellten Filme über LLB, die viel Anklang fanden und manchen lustigen Kommentar hervorriefen, gab Chrisna einen Überblick über alle Aktivitäten. In der Diskussion dazu kamen etliche gute Ideen auf, wie sie weiter entwickelt oder gar ergänzt werden könnten. – Toller Input für den Masterplan LLB.

Dann goss ich etwas Wasser in den Wein: all die guten Ideen wie auch die laufenden Aktivitäten brauchen ein gutes Management. Was ist das? 

In vier Gruppenarbeiten entstanden mit viel mehr Eifer als geplant, sogar unter Dreingabe eines Teils der Mittagspause, Listen mit im Schnitt 10 Punkten zur Frage, was die Aufgaben eines Managers sind. Da manche – entgegen meines Plans – auch das nächste Thema der Skills der Manager mit einbezogen, hatten wir gleich das ganze Spektrum :-). Und es wurde in der Diskussion zu den Gruppenpräsentationen recht emotional! Es gibt deutliche Erwartungen, das Wort Leadership fiel mehrmals in Abgrenzung zu rein autoritärer, ansagender Führung.      

Andererseits nannten Teammitglieder Punkte, die gutes Management definitiv nicht enthalten sollten. Von diesem klaren Bild war ich recht angetan. 

Nächstes Mal werden wir diese Sammlung dann in Aufgaben und Skills sortieren und diese darin klassifizieren und ausdefinieren.

Dann werde ich auch die Frage stellen, wie der Anspruch in das tägliche Tun jedes Einzelnen übertragen werden kann. Denn darum geht es: wie können diese Mitarbeiter von LLB mehr Managementverantwortung übernehmen und ihre Aufgaben eigenverantwortlicher weiter entwickeln?

Sorgen über die weiteren Workshops mache ich mir nun kaum noch, es gibt ja offensichtlich prima Voraussetzungen. Übrigens: gerade die Trainer der Fußballteams an den Schulen waren mit besonders klaren Vorstellungen dabei.

Maggies Bäckerei sorgte für das leibliche Wohl, was natürlich auch gut ankam.

Und jetzt? Nächsten Dienstag geht es weiter. Bis dahin muss ich noch einiges vorbereiten, aber bei der Resonanz, da macht das doch Spaß.

Unten: zum Gruppenfoto rufen alle “Lesedi”! 

Neben der Arbeit für Lesedi la Batho finde ich auch Zeit für herrliche Ausflüge. Über die Osterfeiertage hielt ich mich zum Wandern in den Drakensbergen auf. Das Foto soll Symbol für diese einzigartige, zum Weltnaturerbe zählende Landschaft sein.

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Lesedi la Batho – Licht für die Menschen in Mabopane

Ich möchte heute gerne durch die erwähnten 7 Bereiche der Aktivitäten von Lesedi la Batho in Mabopane führen.

Auf dem Foto links ist die Straßenfront des Gemeindezentrums zu sehen mit dem Autowaschplatz, einer Geschäftsaktivität, die erst am Anfang steht und mit einigen Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen hat, da die Mädels, die das betreiben, nicht jeden Tag kommen und z. B. auch noch kein Werbeschild angebracht haben. Vielleicht wird daraus einmal der achte Bereich der Aktivitäten, verbunden mit einer Autoreparatur?

Der Eingang zum Gelände ist rechts beim weißen Auto.

Von dort aus ergibt sich der Blick auf den unten abgebildeten Hof mit den beiden langgestreckten Gebäuden, in denen nicht nur LLB untergebracht ist.

Links ist der Informationstisch zu sehen, an dem auch Tageszeitungen ausliegen und wo man Unterstützung bei der Jobsuche und Bewerbung bekommen kann.

1. die Social Enterprises: Bei den grünen Stühlen ist das erste Unternehmen der Social Enterprises untergebracht: 1a die Bäckerei mit dem Café (heute wieder eine herrlich lockere und noch warme Zimtschnecke gegessen!). Gegenüber arbeitet das Team von 1 b der Näherei und des Perlenhandwerks. Dort entstehen jedes Jahr 10.000 Teddybären, auch Schürzen, Perlenstickereien und andere bunte Perlenprodukte (Tiere, …)

Hinter der Bäckerei sind 1c die Kleinkinder in der Baby Day Care und Health Care untergebracht. Das sind vorwiegend Kinder von Teenager-Müttern, die derweil in die Schule oder zur Arbeit gehen können. Das Zentrum bietet aber auch Unterstützung bei der Erziehung und Kleinkindpflege und Ernährung an.

Wiederum hinter dem Baby Day Care-Zentrum liegt 1d das Computer-Trainings-Zentrum, wo Jugendliche und Erwachsene die Benutzung von Computern und gängigen Programmen sowie des Internets erlernen können. Heute gab es dort auch eine Schulung zur Nutzung geeigneter Internetseiten zur Jobsuche.

Im Schulungsraum ist – leider – auch das Möbellager untergebracht, in dem sich gut gemeinte Möbelspenden stapeln, die aber von Anfang an unbrauchbar, weil kaputt sind. Da würde Aufräumen helfen, umso mehr, da gleichzeitig Platznot herrscht. Ein Nebenthema in meinem Masterplan für LLB.

Noch weiter hinten, immer noch auf der rechten Seite, ist der allgemeine Trainingsraum, wo 2. das Gesundheitsprogramm seine Schulungen abhält. Dabei geht es um Aus- und Weiterbildung der Sozialarbeiter und Sport-Coaches, damit sie den Kindern an den 7 High-Schools in Mabopane wie auch ihren Lehrern und Eltern die Vorsorge zur Vermeidung von Krankheiten wie TB und HIV beibringen, ihnen aber im Falle der Erkrankung auch Beratung geben, wo sie sich behandeln lassen können und wie sie sich zu verhalten haben, um zu genesen und andere nicht anzustecken. In diesem Raum wie auch im Hof des Gemeindezentrums gibt es 3. die Schulungen zum Sport-Programm, in dem es fast ausschließlich um das von der deutschen GIZ geförderte Fußballspielen geht. Auf dem Bild unten mit mir im Vordergrund (bitte T-Shirt beachten!) sind gerade die Sport-Coaches beieinander. Weitere Bildungsprogramme sind 4. das Berufsbildungsprogramm, das 12 Wochen dauert und neben theoretischen Schulungen auch praktische Ausbildung in den vier Social Enterprises umfasst und mit einem Zertifikat endet.

Als 5. ist das Teenager-Schwangerschaftsberatungsprogramm zu nennen, in dem Teenager-Müttern geholfen wird, mit der Erkenntnis der Schwangerschaft umzugehen (Kind bekommen, zur Adoption frei geben oder abtreiben?), Kindererziehung zu erlernen (s.o.), aber auch Unterstützung im Umgang mit Schwangerschaft und Kind in ihren meist kritischen sozialen Umfeldern. Als 6. ist das Anti-Gewalt-Programm zu nennen, in dem Kinder und Jugendliche lernen, sich gegen häusliche und andere Gewalt zu wehren.

Der 7. Bereich der Aktivitäten widmet sich der Kunst und dem Kunst-Handwerk. Auch der Bereich ist noch neu, aber schon recht aktiv. Die drei letzten Angebote gibt es weitgehend direkt an den 7 High Schools.

Chrisna und seit einem Jahr auch Loren haben da ordentlich was auf die Beine gestellt. Und das  – das muss ich bewundernd anerkennen – ganz aus sich heraus und fast ausschließlich mit ganz persönliche Einsatz und Mikromanagement. Bevor es an weitere Aufgaben gehen kann, heißt es, ein Management aufzubauen, sonst fällt bald einer der 7 Jonglierbälle runter. Das wie auch ein solider Entwicklungsplan für weitere Ideen sind meine spannenden Aufgaben!

Erste Eindrücke meiner Sabbatical-Zeit bei Lesedi la Batho

im Büro im Loftus Sradium, Pretoria, jetzt besteht das Team für 2 Monate aus 5

Maggie´s akery

Baby Day Care

Lesedi la Batho – Light for the people.
Nach einer Woche Miterleben und Beobachtung steht eines schon fest: diese Organisation lebt und bewegt viel. Chrisna Groenewald und Loren Miller arbeiten mit Leib und Seele für die Projekte, die sie in den letzten Jahren ins Leben gerufen haben. Langsam durchdringe ich die Vielfalt und konnte schon viel über die noch nicht umgesetzten Vorhaben und Träume erfahren. Ich habe großen Spaß an der Analyse und der Strukturierung der Tätigkeiten und werde dabei mitgerissen von der Energie und Begeisterung Chrisnas. Wo immer ich hinkomme, erlebe ich herzlichstes Willkommen gepaart mit dem südafrikanischen sonnigen Gemüt. In dieser Umgebung kommt mir meine Tätigkeit gar nicht wie Arbeit, sondern wie eine willkommene Abwechslung und Anregung vor. Wie weit ist mein Berufsalltag zu Hause in Deutschland schon weg! Diesen Abstand wollte ich mit meinem Sabbatical gewinnen und spüre schon jetzt, wie gut und richtig und wichtig diese Entscheidung nach fast 30 Jahren Berufstätigkeit für mein Unternehmen ist.

Es ist schön, mein dort gewonnenes Können in diesem für mich so anderen Umfeld der sozialen Aktivitäten einzusetzen und dabei selbst vielleicht am meisten zu lernen: über die Kultur Südafrikas und insbesondere im Township Mabopane, über die Begeisterung und den Idealismus all der Menschen, die für Lesedi la Batho arbeiten, über die Inhalte der sozialen Projekte und Unternehmungen, über die sozialen Strukturen und Verhältnisse der Menschen in Mabopane und was es alles braucht, um menschenwürdige Verhältnisse für die Bedürftigen zu schaffen. Am meisten beeindrucken mich im Gemeindezentrum zum einen die Babystation, in der Kleinkinder vorwiegend von (sehr jungen!) Teenager-Müttern betreut werden, so dass die jungen Mädchen / Frauen ihre Ausbildung fertig machen können und die Unterstützung für die Kindererziehung bekommen, die ihre Familien meist nicht zu geben bereit sind, zum anderen Maggies Bäckerei mit Café, die sich als soziales Unternehmen schon weitgehend selbst trägt und sich zum Magnet und zur Begegnungsstätte vieler Menschen entwickelt hat. Maggie bildet dabei mit Begeisterung andere Frauen im Beruf des Bäckers aus und steckt voller Ideen, wie sie ihr Geschäft ausbauen kann. Andere Initiativen haben bis dahin noch einen weiten Weg vor sich.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Seit Sonntag ist ein weiterer Berater auf Zeit im Einsatz. Joachim wird für die nächsten 8 Wochen in einem Community Projekt in Pretoria, Südafrika gemeinsam mit dem Team den Masterplan für die nächsten 5 Jahre erarbeiten. Schon jetzt lautet die Aussage unseres Projektpartners vor Ort: “Ihr habt uns den richtigen Mann zur richtigen Zeit an den richtigen Ort geschickt!” Wenn das kein guter Start ist?

Von Zeit zu Zeit wird uns Joachim hier an seinen Erfahrungen und Eindrücken teilhaben lassen. Wir freuen uns darauf, dich zukünftig via Blog ein wenig bei deiner Arbeit zu begleiten!

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