Es war die beste Entscheidung…

Bei so einer Referenz lacht mein Herz:

“Elke kennengelernt zu haben hat mich ermutigt, mich selbst herauszufordern, alltägliche Routinen hinter mir zu lassen und ein neues Kapitel in meinem Leben zu starten. Rückblickend war es die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Die Zusammenarbeit mit Elke war hervorragend. Ich durfte viel von ihrer Reiseerfahrung lernen, speziell in Vorbereitung auf meinen Einsatz. Und sie war rund um die Uhr erreichbar, wenn ich Hilfe gebraucht habe. Durch ihr weltweites Netzwerk an Projektpartnern konnten wir schnell ein passendes Projekt für mich finden, in dem ich mich super wohl gefühlt habe. Zurückgereist bin ich mit vielen neuen Inspirationen, neuen Freunden und neuen Erkenntnissen für meinen persönlichen und beruflichen Werdegang. Danke Elke für deine positive, ehrliche und angenehme Art. Ich würde mich jederzeit wieder auf das Abenteuer mit Manager für Menschen einlassen.”

Wenn du auch Lust auf ein Abenteuer hast, dann bewerbe dich jetzt!

Mein Leben in zwei Welten – Teil 2

Einige Wochen später, viele Eindrücke, Arbeiten und Erkenntnisse später, möchte ich gerne versuchen, Euch an meinem „Leben in zwei Welten“ teilhaben zu lassen. Bei Lesedi la Batho hat die Arbeit an vielen verschiedenen Ebenen für mich begonnen. Im Moment lebt die Hilfsorganisation von wenigen großen Spenden aus Fördertöpfen, Hilfsprogammen oder Organisationsspenden. Grundsätzlich gibt es daran nichts auszusetzen – es führt allerdings dazu, dass zum einen nur detailliert beschriebene Projekte (und die dazugehörigen Personen) gesponsert werden und zum anderen auch, dass durch den Wegfall eines „Spenders“ ein riesiges Loch entsteht. Daher habe ich angeregt, die Privatspenden  (insbesonders monatliche) aus- bzw. aufzubauen.

Und daran arbeitet Lesedi jetzt mitunter. So sind die Tage in der Community mit Konzept und Ideen für neue Marketingaktivitäten geprägt. Es wird gerade an einer ganz neuen Website gearbeitet, die Strategie, die Inhalte und Zyklen des Quartalsnewsletters werden überdacht/geändert, Flyer und andere Marketingmaterialien auf Vordermann gebracht. Und auch dank Unterstützung von Freuden aus Deutschland werden die „nötigen Grafikdateien “ upgedatet und für alle relevanten Personen zentral verwaltet. Ja, da ist noch einiges an Arbeit zu tun, was aber bei Mary (der verantwortlichen Person für Marketing) in guten Händen liegt. Sie frägt mich wissbegierig aus, brainstormt mit mir und hat selbst auch neue und gute Ideen, die es zu verwirklichen gilt. Ich hoffe, in meinen letzten zwei Wochen hier noch viel Wissen, Know how und Ideen hinterlassen zu können.

Sicher ist auf jeden Fall, dass noch viel „praktische“ Arbeit vor ihnen liegt. Aber mein Augenmerk liegt mehr auf den Know how Transfer. Gerade im Marketing ist ein klar definiertes Ziel essenziell wichtig und die tatsächliche Erstellung eines Flyers nur das Resultat. Und genau dies versuche ich täglich zu transportieren.

Aber auch außerhalb von Lesedi la Batho gibt es einiges für mich zu tun. Schließlich musste auch das Land erkundet werden. Daher habe mich auch recht schnell an die Recherche gemacht, wie ich meine Freizeit verbringen kann. Die ersten Wochenenden habe ich Sonntags mit einer Gruppe von Meetup beim Wandern verbracht. So konnte ich doch einige Hiking-Trails in und um Gauteng kennenlernen. Sowohl von Leuten, als auch von der Landschaft eine neue Erfahrung für mich,  interessant und aufschlussreich. Leider sind die meisten „hikes“ eher Spaziergänge für einen Voralpenlandbewohner. Die Wanderungen sind in der Regel über 200 bis 450 Höhenmeter und es werden mehr Kilometer als Höhenmeter absolviert. Auch einmal schön, aber nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. 

Nachdem ich dann hörte, dass über Ostern Lesedi eine Woche Osterferien hat, stand mein Plan schnell fest. Ich habe schön öfters von dem Wander- und Naturparadies La Reunion gehört. Dies befindet sich oberhalb von Mauritius und ist ein französisches Übersee Departement. 

Aber das sollte nicht das einzige Weltkulturgebiet werden, das ich in Afrika ansehen würde. Daher ging es erst einmal für ein Wochenende nach Zimbabwe, um die Victoria Falls anzusehen. Zimbabwe war einst ein Vorzeigestaat in Afrika, aber leider hat der ehemalige Präsident Mugabe das Land in den Ruin getrieben. Auch in Mabopane sind viele Flüchtlinge aus Zimbabwe. Für uns nicht vorstellbar, dass Menschen ihre Heimat verlassen, um in einem anderen dritten Weltstaat in Slums zu leben. Das lässt erahnen, wie groß die Verzweiflung und Armut in deren Land sein muss. Der Zustand des Landes ist alleine schon am Flughafen bei der Einreise zu erahnen. Wirklich schlimm, was ein Mensch mit Korruption, Unterschlagung und Vetternwirtschaft so alles anstellen kann. Dennoch erwarten einen unfassbar freundliche und aufgeschlossene Menschen. Sicherlich ist der Ort Victoria Falls nicht repräsentativ für das Land, da es den Menschen hier durch den Tourismus verhältnismäßig gut geht. Dennoch ist hier alles viel einfacher und man sieht die Armut an allen Ecken. Mittlerweile gibt es wieder eine eigene Währung im Land namens „Bond“, die aber nur für Einheimische am Geldautomaten zu haben ist. Als Tourist musst du Dollar und Kreditkarte im Gepäck haben. Im Land kommt man auf regulärem Weg (Bank, Wechselstuben usw.) an kein Geld. 

Aber die Victoria Falls sind einfach unfassbar, man sollte sie auf jeden Fall gesehen haben. Es ist wirklich schwierig zu beschreiben, wie toll und auch etwas magisch dieser Ort ist, das muss wohl jeder selbst erleben.

Zwischen meinem Wochenendtrip und Osterurlaub lagen zwei Wochen, in denen intensiv an Website und Vorbereitung für die Career Expo gearbeitet wurde. Das Konzept für die Homepage wurde gefixt und auch amerikanische Volunteers, die an der Universität von Pretoria ein Semester studieren, haben sich bereit erklärt, einen Teil der Seite zu erarbeiten. Mit großer Vorfreude und Spannung ging es dann über Ostern auf die tropische Insel. Mit einer fünf-tägigen Wanderung, die über 7000 Höhenmeter und 64KM lang durch das Mafate-Gebiet ging, habe ich meine Osterferien verbracht – unfassbar schön und verständlich, dass dies zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Ich habe vor dieser Wanderung noch nie eine solche Vielfalt an Fauna und Flora erlebt. Obwohl ich lediglich durch das Mafate-Gebiet gewandert bin und zwei der insgesamt fünf Gebiete kurz gestriffen habe, war von tropischen Obstbäumen bis zu Nadelwäldern alles dabei. Traumblicke und vor allem bestes Wanderwetter.

Zum Abschluss wurden noch drei Tage Erholung am Traumstrand eingelegt. Aber das Erlebte beschreiben die Bilder besser.

Jetzt ist nur noch die Frage offen, wie es zu dem Titel des Blogs kam? Tja, Südafrika ist für mich ein extrem schönes Land mit netten und aufgeschlossenen Menschen. Aber das Leben hier ist schwer zu beschreiben und hat so viele Facetten, die kein klares Bild zeichnen. Der Unterschied zwischen Reich und Arm, Rassismus gegenüber Schwarzen, aber auch Weißen. Essen wie in einer Metropole eines Erste-Welt-Landes, während man von jemandem in Fetzen beäugt wird. Dies sind nur einige von vielen Beispielen, die einem auf einer Urlaubsreise nicht unbedingt auffallen – aber in einem dreimonatigen Sabbatical einer nicht touristischen Stadt ist dieser Kontrast täglich zu sehen. Ich selbst kann und will mir auch hierzu kein Urteil abgeben, da es kein Richtig oder Falsch gibt. Die Wahrheit liegt wohl immer im Auge des Betrachters. Ich für meinen Teil nehme viele Eindrücke, Erfahrungen, Erlebnisse und Erkenntnisse mit nachhause. Ich weiß mittlerweile wieder vieles, das in Deutschland selbstverständlich ist, mehr zu schätzen – stehe aber wohl auch kritischer unserem selbstverständlichen gegenüber. 

Das Resumè meines Sabbaticals ist auf jeden Fall durchwegs positiv. Ich möchte keine Minute meiner Zeit missen und ich weiß eines mit Gewissheit: Es hat mir sehr geholfen, einen unbequemen, unbekannten Schritt zu gehen, um mich und mein Leben noch mehr zu schätzen.

Danke Lesedi, Danke an meine Frau, Danke an Manager für Menschen und Rays of Hope für diese Lebenserfahrung! 

Once a Lesedi – always a Lesedi!

Südafrika – mein Leben in zwei Welten

Meine ersten Wochen – Teil 1

Seit Jahren gehe ich Tag für Tag meiner Arbeit nach und im selben Trott Woche für Woche zieht es an mir vorbei. Ein „soziales Engagement“ hatte ich dabei immer im Hinterkopf, aber niemals in die Tat umgesetzt. Als ich von dem  Social Responsibility Programm meines Arbeitgebers gehört habe, dachte ich mir „wenn nicht jetzt, wann dann?“. Und nachdem es meist am ersten Schritt scheitert, habe ich mich umgehend an die Recherche gemacht. Ich bin ziemlich schnell auf eine Seite für humanitäre Hilfe gestoßen, die (älteren) „professionals“ kein klassisches Volunteerprogramm anbietet, sondern deren Intention es ist, die Kenntnisse und Fähigkeiten an andere/NGOs weiterzugeben. Ich fand diesen Gedanken sehr ansprechend und sah vor allem auch für mich eine Chance, mein erlerntes Wissen fernab von dem Profitgedanken einzusetzen. 

Aber vielleicht sollte ich mich erst einmal vorstellen. Mein Name ist Tobias und ich lebe in München. Mittlerweile 45 Jahre alt und seit 19 Jahren im Bereich Marketing tätig. Seit nun über 5 Jahren bin ich für ein internationales Telekommunikationsunternehmen tätig und seit mehreren Jahren glücklich verheiratet.

Ich denke, mit dieser kurzen Beschreibung meiner Person kann sich jeder vorstellen, welche Gedanken einen umtreiben. Bin ich nicht zu alt? Komme ich dort zurecht? Kann ich hier einmal alles stehen und liegen lassen? Was sagt meine Frau dazu? Aber ich habe mir gesagt „keine Gründe es nicht jetzt zu tun!“ Und so habe ich Kontakt mit „Manager für Menschen“ aufgenommen und mit Elke über verschiedene Optionen gesprochen. Einige der Möglichkeiten waren auch in Südafrika. Nachdem ich selbst schon einmal beruflich und auch für die Hochzeitsreise das Land bereist habe und ich extrem angetan war, nahm ich das auch gleich als Zeichen für „das ist es“!

Um das ganze aber etwas abzukürzen: Nach einigen Skype-Terminen, Gesprächen mit meiner Frau und Freigabenrunden meines Arbeitgebers stand mein Projekt und Ziel fest. So bin ich jetzt für Rays of Hope in Pretoria, um dort die Hilfsorganisation Lesedi la Batho zu unterstützen. 

Lesedi la Batho (LLB) bedeutet übersetzt „Licht für die Menschen“ und ist seit 2004 als ein Projekt der Organisation SA Cares und seit 2011 eigenständig tätig. Es hilft bedürftigen Bewohnern des Townships Mabopane in vielen Lebensbereichen. Hierzu zählen Bildung (Hygiene, Computerkurse, Sozialverhalten etc.), Berufsausbildung (Bäckerei, Näherei, Kindergarten etc.), Beratung bei Existenzgründung, Sportförderung, psychologische Unterstützung sowie Kinderbetreuung für berufstätige Mütter. Aber auch Hilfe für HIV erkrankte Menschen und Prosituierten gehören zu dem Aufgabengebiet. Wie auch Aufklärung und Hilfe für Schüler der umliegenden Primary- und Highschools. Ein wirklich breites Feld, das es erst einmal zu verstehen und zu begreifen gilt. 

Nach einem zwei wöchigen Urlaub mit meiner Frau habe ich dann auch meine Arbeit bei LBB angetreten. Das Office befindet sich direkt in Pretoria. Die Community befindet sich ca. 40 Minuten außerhalb von Pretoria. So war die erste Herausforderung für mich, die Arbeiten der Community zu verstehen und auch etwas mehr Einblick in das tatsächliche, hilfebedürftige Südafrika zu bekommen. Bis dato kannte ich eigentlich nur die Postkartenmotive von Südafrika und das Leben der Weißen – und in meinen Augen auch oftmals extrem Reichen. Aber dieses Südafrika steht nur für eine geringe Bevölkerungsschicht und der Großteil der Einwohner lebt auch heute noch am Existenzminimum mit keiner oder nur geringer Schulbildung, und die Gewalt ist außerhalb der Villen und „Weißenviertel“ allgegenwärtig. 

Nach 14 Tagen hatte ich dann einigermaßen einen Eindruck von der Arbeit, den Umständen, aber auch von den Problemen und „liegengelassenem“ Potential.

Meine „Arbeit“ anfänglich war es, alles aufzusaugen und mir unvoreingenommen ein Bild zu machen. Der erste Eindruck war wirklich sehr positiv und vor allem wurde ich überall herzlich aufgenommen. Aber dennoch ist man erstmals über die Umstände und die zur Verfügung stehende Ausstattung verwundert. Aus Deutschland kommend, haben wir mittlerweile eine übertriebene Anforderung an Hygiene, Ausstattung von Büro- und Schulräumen und Equipment, das man zur Arbeit erwartet. Hier ist es doch deutlich einfacher und dennoch wird auf Reinheit und Ordnung geachtet. 

Eines der Probleme ist für mich die notorische Unterbesetzung gerade im Office von Lesedi. Was natürlich bedeutet, dass wenig „Headcosts“ entstehen und jeden Sponsor freut, aber auch dazu führt, dass immer nur die aktuell anstehenden Arbeiten und Probleme gelöst werden. Unter solchen Umständen, und teilweise mit dem fehlenden fachlichen Wissen, bleiben Prozesse, Ideen, Strategien und eine klare Linie auf der Strecke. Auch für mich waren daher die ersten Wochen bzw. Monat von „troubleshooting“ geprägt. So habe ich an einem Tag geholfen, die Excelsheets für Reporting upzudaten, mit Herstellern korrespondiert, um defekte Nähmaschinen reparieren zu lassen und für die im Mai anstehende Career Expo Aussteller zu akquirieren. Sicherlich sind das Arbeiten, die verrichtet werden müssen, aber in meinen Augen kann dies nicht alles gewesen sein. Nach nun mehr als fünf Wochen habe ich doch einige Vorstellung und ich denke, auch für das Projekt förderliche Ideen, die auf jeden Fall noch angegangen werden sollten. 

Wie es bei Lesedi weiterging, was ich neben der Arbeit sonst so erlebt habe, welche Behördenprobleme ich erlebt habe und wie es zu dem Blog-Titel kommt, werde ich in meinem nächsten Post verraten. 

Marketing für Social Businesses

Marketing. Ein Wort, das so vieles bedeuten kann.

Für mein Bachelor-Studium hatte ich mich 2008 für den Studiengang “Internationales Marketing” entschieden. Im Master-Studium ging es mit dem Programm “Internationale Marketingstrategie” weiter. Direkt im Anschluss bin ich im Produktmarketing eines niederländischen Großkonzerns eingestiegen, und 5 Jahre lang dabei geblieben.

Persönlich interessiere ich mich für soziale und umweltbezogene Themen. Ich möchte Dinge verändern, anpacken, Herausforderungen meistern und zu einer besseren Welt beitragen. Durch einige Recherchen bin ich recht schnell auf die Begrifflichkeit “Social Business” gestoßen, ein wirtschaftliches Konzept, das auf den Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus zurückgeht. Demnach zeichnet sich ein Social Business dadurch aus, dass wirtschaftliche Erfolge erzielt werden, jedoch zu 100% in das Sozialunternehmen und seinem gesellschaftlichen Ziel reinvestiert werden. Der gesellschaftliche Beitrag als nachhaltiger, sozialer Gewinn steht demnach im Fokus; nicht der Profit.

Nach 5 Jahren habe mich also für eine Auszeit von meinem Konzernleben entschieden, und bin über Elke von Manager für Menschen und Urs und Erna von EOS Entrepreneur Foundation nach Nicaragua aufgebrochen, um Sozialunternehmerinnen beim Aufbau ihres Business zu helfen und Marketing für einen guten Zweck anzuwenden.

Spannend für mich war die Frage: Funktioniert Marketing für sozial orientierte UnternehmerInnen genauso wie für Profit orientierte?

Meine Arbeit in Nicaragua hat mir gezeigt, dass die grundlegenden Bausteine und Prinzipien des Marketings gleich sind.

Es gibt jedoch einen, wie ich finde, sehr wichtigen Unterschied.

Durch die Plattform REDFworkshop bin ich auf ein Konzept gestoßen. Direkt in den ersten Tagen, in denen ich mit den Sozialunternehmerinnen unterwegs war um neue Kunden zu gewinnen, habe ich erkannt, dass genau diese Erkenntnis helfen kann, eine der größten Herausforderungen der Sozialunternehmerinnen zu meistern: Wie kann ich mein Business in einem unterentwickelten Land, in welchem 45% der Bevölkerung von weniger als 1 USD am Tag lebt, so vermarkten, dass die Bevölkerung den Mehrwert erkennt und bereit ist, dafür zu bezahlen?

“Unlike most for-profit consumer businesses, many social enterprises don’t start their businesses by creating a product that is filling an unmet consumer need. For most social enterprises, the starting point is the mission.”

REDFworkshop

Die Grafik veranschaulicht, das neben dem Produkt (oder Service), die Mission / der gute Zweck, das Social Business selbst, und die Marke den Kern der Unternehmung darstellt. Sprich, es wird mehr verkauft als das “Produkt”.

Natürlich gibt es in jedem Unternehmen auch eine Marke. Diese dient in herkömmlichen Unternehmen jedoch in erster Linie dem Zweck der Identität und Bekanntheit. In Sozialunternehmen scheint es ein wesentlicher Bestandteil des Gesamtpakets zu sein, wenn man sich mit der Frage “was biete ich an” beschäftigt.

Es war eine der Dinge, die wir im Projekt in Nicaragua als Erstes angepackt haben.

Bevor ich kam, dachten die Sozialunternehmerinnen, dass sie den Service “Blutzuckerspiegel messen” anbieten.

In Wirklichkeit haben wir gemeinsam erarbeitet, dass es viel mehr ist als das:

  • Produkt/Service: Blutzuckerspiegel messen
  • Mission: Zu einer gesünderen Community beitragen
  • Social Business: Prävention und Kontrolle von Krankheiten zu Preise, die sich jeder leisten kann
  • Marke: Emprendedoras Sociales – ein Programm, welches Frauen dazu befähigt ein eigenes Business zu entwickeln, und somit Arbeitsplätze kreiert, die es vorher nicht gab

Das Ergebnis:

  1. Mehr Vertrauen und mehr Motivation rauszugehen und über das eigene Business zu sprechen
  2. Mehr Kundschaft, die den Mehrwert des Business realisieren und weniger den Preis des tatsächlichen Produktes / Services hinterfragen

Jetzt heißt es: üben, üben, üben.

Nicaragua?

Nach 5 Jahren im Großkonzern, habe ich meinen Job aufgegeben und nach einer Möglichkeit gesucht, meine Kenntnisse im Marketing und Business-Development für einen guten Zweck anzuwenden.

Nachdem ich auf Manager für Menschen gestoßen bin, war meine erste Intuition: Afrika. Ich wollte immer schon einmal auf diesen Kontinent reisen, vor allem getrieben durch meine Begeisterung für Natur und fremde Kulturen. Die ersten Gespräche liefen gut.

Gleichzeitig hatte Elke mitbekommen, dass ich Spanisch in der Schule und durch mein Auslandsstudium in Mexiko gelernt habe, und dass dies in Kombination mit Marketing perfekt zu den Projekten der Schweizer Organisation EOS Entrepreneur Foundation passen könnte, die Sozialunternehmen in Kolumbien und Nicaragua unterstützt. Kolumbien fand ich als Reiseziel immer schon faszinierend. Nachhaltiger Kakao-Anbau als Projektthema durch meine Affinität für gesunde Ernährung ebenso. Also organisierten wir ein Telefonat mit Urs und Erna von EOS.

Und sie erzählten mir von Nicaragua. Von einem Projekt, dass sich mit dem Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen in unterversorgten Gegenden beschäftigt. Zugegeben, ich hatte mich zuvor weder mit dem Land befasst, noch hatte ich medizinische Vorkenntnisse. Ich erinnere mich, dass es extrem schwierig für mich war, mich in das Projekt hineinzuversetzen und die Inhalte zu verstehen, einfach da es ein komplett neues Umfeld war, weit weg von meinen bekannten Konzern-Strukturen, und auch weit weg von sonstigen Erfahrungen, mit denen ich das Gehörte hätte verknüpfen können. Und dennoch sagte mein Bauchgefühl: Nicaragua it is.

Warum? Ich weiß es nicht. Getreu dem Motto, dass es manchmal in Ordnung ist keine Antwort auf eine Frage zu haben, und passend zu einem meiner Lieblingszitate “Wenn nothing is sure, everything is possible”, bin ich meinem Bauchgefühl gefolgt und habe mich eingelassen auf die Reise in das Unbekannte.

Was kann ich euch auf die Reise mitgeben?

Hört auf euer Bauchgefühl! Und seid mutig. Passend dazu habe ich kürzlich die folgende Grafik entdeckt.

Ja, ich war zunächst zögerlich. Zu der normalen Angst vor dem Unbekannten, kamen Bedenken zur Sicherheit im Land Nicaragua hinzu. Jeder, der die Nachrichten verfolgte, konnte nicht nachvollziehen, wie ich mich für solch ein Land entscheiden konnte. Viele meinten beurteilen zu können, dass es gefährlich sei, in ein Land zu reisen, das geprägt zu sein schien von Ausschreitungen, Protesten und Gewalt auf den Straßen.

Ein kleiner Denkanstoß: Wenn wir die Bilder des G20 Gipfels in Hamburg Revue passieren lassen, und ein Nicaraguaner zu der Zeit auf Basis des Nachrichtenwesens hätte beurteilen sollen, ob es sicher sei nach Deutschland zu reisen: Wie hätte er sich wohl entschieden? Und was hättet ihr als Deutscher geraten?

Natürlich nicht ganz vergleichbar, aber ähnlich ging es mir mit Nicaragua: Die Leute vor Ort berichteten, dass sich die Lage auf den Straßen entspannt hat. Für mich habe ich die Entscheidung getroffen, dass Nicaragua als zweitärmstes Land in der westlichen Hemisphäre, in welchem 45% der Leute von weniger als 1 USD pro Tag leben, in Zeiten von Krisen und Unsicherheit erst recht internationale Hilfe benötigt! Nicaragua zählte zu den friedlichsten Ländern, und hat innerhalb von 3 Monaten eine komplette Kehrtwende erlebt. Es wird erwartet, dass die Arbeitslosigkeit von 4,4% in 2018 auf 24% in 2019 steigt (kommend von 8,2% in 2009). Menschen verloren ihre Arbeit, da es nicht sicher war, auf die Straßen zu gehen. Viele internationalen Organisationen haben das Land verlassen. Tourismus ist auf 10% des vorherigen zurückgegangen. Restaurants und Hotels mussten schließen.

Was ein Land wie Nicaragua in solchen Zeiten braucht, ist Hoffnung und Mut! Und zurückblickend war meine Entscheidung das beste, was mir hätte passieren können. Denn so bin ich bei AMOS Health & Hope gelandet, eine Organisation, die durch Empowerment und Education für ein gesünderes Nicaragua kämpft.

Nicaragua ist eines der menschlichsten Länder, in die ich bis dato gereist bin. Was mich erwartet hat, war Herzlichkeit und Wärme. Jeder kümmert sich um den Nächsten, die Menschen sind hilfsbereit und interessiert. Es gibt viel Nachholbedarf was das Bildungsniveau angeht, jedoch sind die Menschen extrem positiv und lernbereit. Kaffee, die morgendliche Begrüßung von jedem Einzelnen, herzliche Umarmungen und ein kurzer Schnack stehen an erster Stelle, bevor es an die alltägliche Arbeit geht.

Was durch die politische Situation zudem in Vergessenheit gerät: Die beeindruckende Natur, die Nicaragua zu bieten hat. Mit einer Vielzahl an Vulkanen, Flüssen, Seen und Lagunen, ist Nicaragua bekannt als “Land der Seen und Vulkane”. Sowohl an der Karibik- als auch Pazifikküste können die unberührtesten und schönsten Strände gefunden werden, für lange Spaziergänge, ohne einer Menschenseele zu begegnen, oder für Surf-Sessions in der Abendsonne. Für mich als Deutsche, die genug von all dem Überfluss hatte, in dem wir in Europa leben, genau das Richtige zum Genießen und Abschalten! Und um sich mal wieder daran zu erinnern, was wir wirklich im Leben brauchen, um glücklich zu sein.

Ich weiß nicht wie es euch geht. Wenn ich magische Plätze auf dieser Erde entdecke, möchte ich sie manchmal am liebsten für mich behalten, damit sie in ihrer Unberührtheit erhalten bleiben. Und zeitgleich weiß ich, dass das Land einen neuen Schwung an Touristen benötigt, damit sich das Land und Menschen Stück für Stück von der Krise erholen können, Energie und Kraft zurückgewonnen werden kann, Arbeitsplätze geschaffen und Restaurants und Hotels wieder eröffnet werden können.

Das Land hat so viel zu bieten. Und ich kann wirklich nur jeden ermutigen, der über eine Reise nach Nicaragua nachdenkt: do it. Natürlich am besten kombiniert mit sozialem Engagement – es gibt in jedem Fall genug zu tun.

Wenn ihr Tipps benötigt oder mehr erfahren möchtet, kommt sehr gerne auf mich zu. Für mich geht es in 4 Wochen leider schon wieder zurück. Aber ich bin mir sicher: Ich werde wiederkommen.

Auszeit von der Auszeit

Auszeit von der Auszeit! Hört sich komisch an, ist aber wichtig.
Wie unser Berater auf Zeit Michael seine Auszeit von der Auszeit verbracht hat, lest ihr in seinem aktuellen Blog-Beitrag!

Zum Artikel…

Lebendige Beispiele – von der Marketingleiterin zur Gründerin von M4M

Christiane Karsch von CK Coaching hat mich im Juni via Skype interviewt.
War ein spannendes Unterfangen…

Zum Video…

Wozu braucht es Marketing?

Wozu braucht es Marketing?
Unser Berater auf Zeit hat in Peru erneut einen Marketing-Workshop für indigende Kunsthandwerker durchgeführt.
 
Wie der Workshop ablief und wieviel Spaß die Truppe hatte, lesen Sie hier:

Festival und Abschiedsschmerz

Von Januar bis März 2018 war unser Berater auf Zeit Richard in Camphill West/Südafrika und hat dort in einem Community Projekt unterstützt.

 

Teil 3 von 3:
Festival und Abschiedsschmerz

Während die Wochen vergehen und sich die Dinge in der Molkerei in afrikanischem Tempo entwickeln, wird das Sommerfestival des Camps vorbereitet. Ich merke wie sehr sich die Bewohner über das Ereignis freuen und wie unermüdlich vorbereitet und dafür geworben wird. Sehr zu meinem Bedauern bedeutet der Fokus auf das Festival auch die Vernachlässigung dringender Arbeiten in der Molkerei. In der Zwischenzeit habe ich Gelegenheit, mir Kapstadt näher anzuschauen, sowie auf den Tafelberg zu steigen und den Bloubergstrand zu besuchen. Doch auch im Camp wird es nicht langweilig: Nach einer Reihe merkwürdiger Krankheitsfälle über Nacht kommen wir einer verdorbenen Tranche Joghurt auf die Spur, welche fast ein Drittel der Bewohner für eine Woche außer Gefecht setzt. Die Umsetzung von Verbesserungen verzögert sich sehr, auf der Suche nach neuen gebrauchten Teilen komme ich mir wie ein Schrottsammler vor. Und ich verzweifle am internen Bestellsystem, das in punkto Bürokratie und Komplexität jeden deutschen Verwaltungsapparat dagegen wie Amazon aussehen lässt. Nach zwei Monaten kommt das bestellte Büromaterial und der Aktenberg kann in Angriff genommen werden. Fehlt nur noch das dringend benötigte Reinigungsmaterial, verdringlicht durch etliche Borstenteile in Joghurt und Milch. Obwohl es so etwas wie einen Kunden- und Beschwerdeservice nicht gibt, führt der Kundendruck hier letztendlich auch zur Einsicht, an der Hygiene nicht zu sparen.

Die vorletzte Woche steht ganz im Zeichen des Festivals und alle fiebern dem Happening entgegen. Ich freue mich sehr darauf, mehr als nur den Arbeitsalltag der Bewohner zu erleben und den Spirit der Solidarität und des Miteinanders kennenzulernen. Leider macht mir mein Verdauungstrakt einen Strich durch die Rechnung. Aber in den Gesichtern aller sehe ich wie unvergesslich der Abend für sie war. Unvergesslich sind auch die vielen Geschichten um das Festival herum, von stürmischen Romanzen bis hin zu den fehlenden Spirituosen, deren Verbleib nie restlos aufgeklärt werden konnte.

Die letzte Woche wurde zu meiner schwersten, denn der Abschied stand an. Und das Abschiednehmen von so gastfreundschaftlichen und liebgewonnenen Menschen fällt schwer, besonders wenn sie jemanden nicht gehen lassen wollen. So hatte ich fast jeden Abend eine Abschiedsfeier, mal im großen und mal im kleinen Kreis. Mein Entschluss, das Camp wieder zu besuchen steht fest, nicht als Berater, sondern als Freund.

Am Donnerstag vor Ostern sitze ich schon wieder im Flugzeug zurück und resümiere über meinen Aufenthalt. Drei Monate sind wie im Flug vergangen und ich vermisse jetzt schon Brais mit halben Kühen auf dem Grill, Wein mit Eiswürfeln und die lustigen damit gefüllten Abende. Etwas kritischer bin ich mit dem Resümee meiner Leistung vor Ort. Viel habe ich nicht letztendlich nicht bewegen können, aber ich hoffe, dass ich durch meine Arbeit Anreize für weitere Projekte, sowie ein Verständnis für strukturiertes und steuerbares Arbeiten, sowie die Wichtigkeit von Informationsmanagement und Dokumentation schaffen konnte. Es fällt nicht schwer mit dem Finger auf die Unzulänglichkeiten überall im Camp zu zeigen, aber ich bin froh, mich dafür entschieden zu haben. Ich habe in diesen drei Monaten mehr über andere Menschen, freiwilliges Engagement, unterschiedliche Kulturen und letztendlich mich selbst gelernt als jemals zuvor.

Zurück in Camphill – Die Milch macht’s!

Von Januar bis März 2018 war unser Berater auf Zeit Richard in Camphill West/Südafrika und hat dort in einem Community Projekt unterstützt.

 

Teil 2 von 3:
Zurück in Camphill – Die Milch macht’s!

Zurück in Camphill kümmere ich mich verstärkt um die Molkerei, welche als Arbeitspferd sowohl das Camp versorgt, als auch regionale Supermärkte mit Milch, Joghurt und Käse beliefert. Mit Gerard hat dort seit diesem Jahr ein hervorragender Käser mit einigen Auszeichnungen das Ruder übernommen und hat sich die Perfektionierung der Käsesorten Gauda und Cheddar zum Ziel gesetzt, um durch die höhere Qualität bessere Preise zu erzielen und den Kunden das Potenzial der natürlichen Milchwirtschaft erlebbar zu machen. Er erklärt mir die Produktionsverfahren von Joghurt, Käse, Quark, Sahne und Feta. Außerdem dabei sind noch zwei Volontäre und je nach Tagesverfassung fünf bis sechs Bewohner, die jeden Tag bis zu 300 Liter Milch verarbeiten. Und das nur im trockenen Sommer, den im grünen Winter verdoppelt sich die Menge. Das ist insofern erstaunlich, dass alles mit Hand bewegt und verarbeitet wird. Für mich, der mit anpackt, bei 30-35 Grad am Tag eine schweißtreibende Arbeit.

In den ersten Wochen verschaffe ich mir einen Überblick über die Prozesse des Molkereibetriebs und komme damit vollständig in der afrikanischen Arbeitsmentalität an. Spätestens hier verabschiede ich mich von allen Selbstverständlichkeiten unserer Arbeitskultur. Niedergeschriebene Prozesse oder Anweisungen gibt es keine, jeder weiß nur genau das was er tut. Auskünfte sind schwierig zu bekommen, da sich aus Angst Fehler zu machen keiner aus der Deckung traut. Dazu kommt noch ein unglaublich bürokratisches Dickicht in den Bereichen der Logistik, Beschaffung und HR von Seiten des Managements um im Chaos die Kontrolle zu behalten. Akten und Archivierung sind überbewertet, Papiere werden wahllos und unsortiert in Schreibtische gesteckt, bis diese voll sind. Ich falle vom Glauben und komme aus Aha-Erlebnissen gar nicht mehr heraus.

Mir dämmert in den ersten Tagen ausgiebigen Wissensaustauschs: Ordnung ist eine Ausnahme, das hier ist die Regel. Meine Gastgeberin meint dazu lakonisch, “this is Africa”. Was hätte ich denn sonst erwarten sollen? Frei von Vorurteilen – Recht hat sie! Dieses Land hat sowohl eine andere Zeitrechnung, als auch einen anderen Anspruch an Arbeit an sich. Was mich daran jedoch wirklich bestürzt, ist die Tatsache, dass ich mich daran hervorragend anpasse. In den ersten Tagen staune ich noch, wie man im Camp auf nur vier Stunden Arbeitszeit pro Tag kommt und dabei meint, dass ordentlich was geleistet wurde. Zum Schluss erscheinen mir zwei Stunden Mittagspause und die einstündige Frühstückspause schon etwas knapp bemessen. Zudem werde ich mit zwei Grundprinzipien vertraut gemacht. Das Prinzip “Was du heute nicht kannst besorgen, dass schieb gern nach morgen” ist mir bereits bekannt. Aber das Prinzip “We need to adress this in a meeting” ist noch besser: Ein Problem wird einfach weitergeschoben, bis sich niemand mehr zuständig fühlt oder es zu komplex wird.

Man mag sich fragen, wie trotz all der Umstände Dinge geschehen. Meine Erklärung ist der unglaubliche persönliche Einsatz sowie die hohe Motivation und Leidenschaft aller Bewohner und Mitarbeiter. Trotz das es an allen Ecken fehlt und immer etwas knapp ist, versuchen alle ihr Bestes. Da werden Löcher schon mal mit Klebeband versiegelt und Geräte mit Nägeln und Holzbrettern repariert. Dennoch herrscht generell eine entspannte und angenehme Arbeitsatmosphäre. Durch solche Kleinigkeiten lässt sich außer mir keiner aus der Ruhe bringen. Das Improvisationstalent behandelt Probleme einerseits schnell und unkompliziert, aber es fördert die von-Tag-zu-Tag-leben Mentalität und große Entscheidungen und Veränderungen werden aufgeschoben.