EGBOK – als Beraterin auf Zeit in Siem Reap/Kambodscha

Seit über zwei Monaten bin ich nun als Beraterin auf Zeit für EGBOK (Everything’s Gonna Be Ok) hier in Siem Reap, Kambodscha tätig. Und die Zeit ist nur so dahin gerast und tut es immer noch. Aber der Reihe nach.

Es war ein langer Weg, der mich hier hin geführt hat und das nicht nur im geographischen Sinne. Bereits vor mehr als 3 Jahren hatte ich zum ersten Mal Kontakt mit Manager für Menschen und es gab auch schon erste Gespräche mit einigen Projektträgern. Zum damaligen Zeitpunkt musste ich jedoch einsehen, dass ich noch nicht wirklich bereit war, diesen Schritt zu gehen. Ich hätte zu viel improvisieren müssen, zu vieles, wenn überhaupt nur mit schlechtem Gewissen machen können. Schweren Herzens musste ich damals mein Vorhaben verschieben, rückblickend war das allerdings eine gute und richtige Entscheidung. Nun also ein neuer Anlauf. Und wieder wurden passende Projekte vorgeschlagen, Kontakte hergestellt und Interviewtermine vorbereitet. Alles klang auf seine Weise spannend, als das Projekt in Kambodscha dazu kam, war die Entscheidung dann aber relativ schnell getroffen. Meine große Affinität zu Asien war hier sicher ein ausschlaggebender Faktor, aber auch das Projekt selber schien sehr interessant zu sein. Dass jemand gesucht wurde, der oder die aus dem Bereich PR und Marketing kommt, rundete das Profil für mich, als jemand, der seit mehreren Jahren in diesem Feld arbeitet, ab. Nach mehreren skype Gesprächen und email-Austausch war es dann abgemacht: Ich gehe nach Siem Reap und arbeite für EGBOK!

Mitte Februar ging es los. Da ich mich langsam annähern wollte, habe ich noch einen Zwischenstop in Bangkok eingelegt, schon alleine um den Jetlag und den Temperaturunterschied von -8 Grad in Berlin zu 34 Grad in Bangkok verarbeiten zu können. Bis hierhin noch auf vertrautem Gebiet, in Bangkok war ich schon viele Male zuvor. Dann kam der Tag der Anreise nach Siem Reap, nur eine knappe Stunde Flug und doch ein ziemlicher Schritt. Ich war noch niemals vorher in Kambodscha und wusste insofern nicht wirklich, was mich erwarten würde. Der Flug war pünktlich, die Abwicklung am Immigration Schalter dauerte dann etwas länger, währenddessen hatte ich einen bangen Blick auf das Gepäckband, das sich schon bedenklich geleert hatte, ohne dass ich bislang meinen Koffer gesehen hätte. Und dann wurde es zu Gewissheit: Mein Koffer war nicht da. Da mir das nicht zum ersten Mal passierte, bin ich zum lost & found Schalter und nach einer mit Händen und Füßen geführten Unterhaltung bekam ich einen Zettel in die Hand gedrückt und die Zusicherung, dass mein Koffer sicher mit einem der 3 Flüge, die heute noch aus Bangkok ankommen würden, mitgeliefert werden würde. Draußen wurde ich dann aufs Herzlichste von zwei meiner neuen Kollegen empfangen, die leider 1 ½ Stunden ausharren mussten und schon geglaubt hatten, ich hätte es mir anders überlegt. Mit dem Tuk Tuk (Taxis gibt es Siem Reap praktisch nicht, das Tuk Tuk ist das klassische Fortbewegungsmittel) ging es dann zu meinem Hotel. Das hatte ich vorab für ein paar Tage gebucht, um erst mal eine Anlaufstelle zu haben. Wie sich herausstellte, befand es sich fußläufig zum Büro von EGBOK. Mein Start im Büro war für den nächsten Tag geplant. Also erst mal ankommen und erste Erkundungen unternehmen. Umgeben von Menschen auf Fahrrädern, Mopeds oder in Tuk Tuks wird schnell klar, dass hier nur die „Barang“, also Ausländer, zu Fuß gehen.

Dann also der nächste Tag, mein erster offizieller Arbeitstag. Mein Gepäck war übrigens noch nicht eingetroffen, was mein Wohlbefinden ein wenig einschränkte, da ich nun mit den gleichen Klamotten rum laufen musste, wie am Tag zuvor. Allerdgins machte das ohnehin keinen großen Unterschied, da ich nach dem knapp 10minütigen Fußweg ins office bereits komplett durchgeschwitzt war. Dann gab es die erste Einführungsrunde durch das Büro. Hände schütteln, Funktion und Namen merken (zum Glück tragen hier alle Namensschilder!). Dann bekam ich meinen Einarbeitungsplan für die erste Woche und ich war schon ziemlich beeindruckt, wie straff hier alles durchorganisiert war. Es waren Treffen mit allen Abteilungen vorgesehen, das Ganze würde mich ein paar Tage beschäftigen. Aber zunächst ging es auf eine Stadtrundfahrt, die eine meiner kambodschanischen Kolleginnen mit mir auf ihrem Motorroller unternahm. Einmal quer durch Siem Reap, wobei mir das Krankenhaus und eine gute Apotheke (ein Zeichen?!), ein paar Sehenswürdigkeiten wie der Royal Palace, aber auch Hotels gezeigt wurden, die mit EGBOK zusammen arbeiten. Dazu später mehr. Damit war der erste Tag dann auch praktisch schon rum und für mich hieß das, zurück ins Hotel und so kurz nach 20.00 Uhr war ich im Bett. Praktisch noch nichts gemacht und trotzdem total erledigt. Vom Gepäck keine Spur! Am nächsten Morgen gings dann wieder ins office und diesmal bestand der Tag aus vielen Treffen, jeder Menge Informationen und Fragen. Und zwischendurch immer mal wieder zumindest kurze Begegnungen mit den Studierenden, also mit den Menschen, um die es hier eigentlich geht. Egal, wo ich hin kam, wurde ich mit einem lauten „Hallo Teacher!“ und der typisch kambodschanischen Geste der vor der Brust zusammen gelegten Hände gegrüßt. Mittags war ein gemeinsames Essen mit allen Kollegen geplant, das zur Verabschiedung von zwei anderen Volunteers und gleichzeitig zu meiner Begrüßung veranstaltet wurde. Reihum sollte nun jede/r etwas zu mir sagen oder mir eine Frage stellen. Natürlich wurde gefragt, wo ich her komme und warum ich nach Kambodscha gekommen bin. Einige beschränkten sich aber auch einfach nur darauf, sich bei mir dafür zu bedanken, dass ich da bin. „Thank you for coming to my country and for your support!“ Das war einfach nur überwältigend.

Jetzt aber etwas zu EGBOK und dazu, was sich dahinter verbirgt. EGBOK, die abgekürzte Form von Everything’s Gonna Be OK, ist eine NGO, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, unterprivilegierten kambodschanischen Jugendliche eine Ausbildung im Hotel- und Gaststättenbereich zu ermöglichen. Kambodscha ist nach wie vor eines der ärmsten Länder Südostasiens und nur 4 % der Jugendlichen absolvieren eine Hochschulausbildung. EGBOK nutzt hier die wachsende Hotel- und Gastronomieindustrie um die Armut in den örtlichen Gemeinden zu lindern und den Jugendlichen die Grundlage für ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. EGBOK wurde im Jahr 2009 gegründet und hat seitdem mehr als 600 Jugendlichen eine Ausbildung ermöglicht und – fast noch entscheidender – 100% aller Absolventen konnten innerhalb eines Monats nach ihrem Abschluss einen festen Arbeitsplatz finden. Neben der beruflichen Ausbildung in den Bereichen Food and Beverage, Housekeeping und Grundlagen in der Küche, werden Englisch und Mathematik unterrichtet und Computerkenntnisse vermittelt. Der Ansatz geht aber weit über die fachliche Ausbildung hinaus, d.h. es wird sich intensiv um die Jugendlichen gekümmert, es gibt Kurse, Rollenspiele und andere Veranstaltungen, in denen das Selbstvertrauen aufgebaut, soziale Kompetenz vermittelt und auf Führungspositionen vorbereitet werden soll. Dabei darf niemals vergessen werden, dass die Jugendlichen aus zum Teil ärmlichsten Verhältnisse kommen, viele von ihnen als Kinder Alleinerziehender oder als Waisen aufgewachsen. Die meisten sprechen kein Wort englisch, einige beherrschen selbst die eigene Muttersprache nur rudimentär. Die gesamte Ausbildung dauert ein Jahr und beinhaltet neben dem theoretischen Teil auch viele praktische Abschnitte und ein dreimonatiges Praktikum in einem Hotel oder Restaurant. Aktuell sind 45 Studierende hier vor Ort, 19 Männer und 26 junge Frauen, das Alter liegt zwischen 17 und 24 Jahren. Sie alle sind seit August letzten Jahres hier bei EGBOK, d.h. bei meiner Ankunft hier gerade mal seit 6 Monaten und es ist einfach unglaublich, welche Entwicklung sie alle bereits jetzt gemacht haben. Alle begegnen mir mit einem offenen Blick und einem ständigen Lächeln, einige bleiben gerne stehen und halten ein kleines „Schwätzchen“. Die Präsenz und der tägliche Kontakt zu den jungen Menschen hier ist das, was dieses Projekt ganz besonders macht.

Für mich galt es nun erst mal, mich zurecht zu finden und runter zu kommen. Und das ist mir schwerer gefallen, als ich im voraus gedacht habe. Während des Vorbereitungsseminars in Frankfurt war das einer der Punkte, die unter eventuell zu erwartenden Schwierigkeiten aufgeführt wurden, von den ich gedacht habe, das wird mir garantiert nicht passieren. Also, dass ich mich selber überfordere und meine Ziele zu hoch stecke. Und doch ist genau das eingetreten. PR?! Kann ich! Klar kann ich das, aber eben unter bestimmten Bedingungen und die sind hier nun mal komplett anders als zu Hause. Es hat mich wirklich viel Zeit und Energie gekostet, das einzusehen und zu akzeptieren. Ich kann sagen, dass ich den ersten Monat gebraucht habe, um das zuzulassen. Auch wenn ich glaube, dass das ziemlich normal ist, empfinde ich es rückblickend gesehen als verschwendete Zeit und kann selber nicht mehr nachvollziehen, was da los war. Einer der Gründe ist wahrscheinlich, dass ich aus dem extrem stressigen Arbeitsalltag raus gekommen bin und ich erst langsam realisiert habe, dass ich hier in einer ganz anderen und neuen Situation bin, in der andere Maßstäbe gelten und niemand von mir erwartet, dass ich von 0 auf 100 durchstarte. Das fing damit an, dass ich am Anfang immer dachte, ich müsste mich an die Arbeitszeiten halten, die hier nun mal für alle Angestellten gelten. Von 9.00 bis 18.00 Uhr sind die offiziellen Bürozeiten und obwohl mir mehrfach gesagt wurde, dass es ok ist, wenn ich außerhalb arbeite oder mal einen halben Tag frei mache, habe ich mich damit sehr schwer getan. Vielleicht auch deshalb, weil ich die einzige war, die das wenigstens ab und an gemacht hat. Das führte dazu, dass vor allem die ersten 4 Wochen extrem anstrengend waren. Inzwischen hat sich das hervorragend eingependelt. Ich verbringe immer noch sehr viel Zeit im Büro oder im hier ja auch noch vorhandenen Restaurant oder setze mich einfach zum Unterricht der Studenten dazu. Gleichzeitig nehme ich mir aber auch immer öfter die Freiheit, früher zu gehen und mir meine Zeit einzuteilen. Etwas, was Temperaturen, die mit Beginn der Regenzeit auch mal um oder über 40 Grad liegen, einfach wichtig für mich ist.

Dass ich diese Balance gefunden habe, liegt nach inzwischen mehr als 2 Monaten sicher auch daran, dass ich immer mehr Teil des Teams geworden bin. Teil eines großartigen Teams! Wie oben beschrieben, geht es hier weiter darüber hinaus, den Jugendlichen eine Berufsausbildung zu geben. Es ist einfach unglaublich, was das – vor allem aus kambodschanischen Mitarbeitern bestehende – Team leistet. Natürlich gehört ein ziemlich großes Maß an festen Regeln, Vorgaben und Organisation dazu. Etwas, was von außen betrachtet und auf den ersten Blick vielleicht etwas zu strikt und zu absolut scheinen mag. Bei näherer Betrachtung kann ich sagen, dass es nur so funktioniert und ich zugleich sehe, dass die Jugendlichen hier mit unglaublichem Engagement und Spaß bei der Sache sind. Denn das ist etwas, was hier definitiv nicht zu kurz kommt. Es wird immer berücksichtigt, dass es sich um junge Menschen handelt, die in eine komplett neue Welt kommen und unter völlig fremden Bedingungen leben und lernen.

Weitere Einzelheiten zu den Aktivitäten und Entwicklungen im nächsten Blogbeitrag.

P.S. Mein Gepäck ist nach 4 Tagen (!) angekommen.

Tanzania – The Baobab Home

Wir, Ellis und Nora sind derzeit als Berater auf Zeit in Bagamoyo in Tanzania im Baobab Home. Dieses Projekt wurde 2004 gegründet und begann mit einem Kinderheim, dem Baobab Home. Dort leben derzeit 9 Kinder und zwei Mamas. Später kam eine Schule dazu, in der derzeit 87 Kinder zur Grundschule gehen und komplett in englisch unterrichtet werden. Das Baobab Home, als auch die Schule, namens Steven Tito Acadamy befinden sich auf einer ca. 12 ha großen Farm. Die beiden Gründer des Projektes Terri und Caito haben zudem zwei verschiedene HIV Programme ins Leben gerufen. Zum einen werden HIV-positive Einwohner von Bagamoyo während der Wartezeit im Krankenhaus mit einem warmen Frühstück versorgt und des Weiteren gibt es ein Programm für HIV positive Kinder, stronger together, welches den Kindern einen Rahmen gibt, sich mit anderen betroffenen Kindern am Wochenende zu treffen, um Erfahrungen im Umgang mit der Krankheit auszutauschen und in der Gruppe verschieden Aktivitäten durchzuführen. Sie lernen Tanzen, arbeiten kreativ und haben Spaß miteinander.

Dieses Projekt und insbesondere die Kinder haben uns sehr beeindruckt. So führen sie mehrmals im Jahr, wenn es die Gelder zulassen, verschiedene Theaterstücke auf, um anderen HIV positiven Kindern zu helfen, sollten diese ausgegrenzt oder unwürdig behandelt werden (was leider sehr häufig vorkommt) oder aufzuklären. Für dieses Projekt haben wir jetzt ein paar Spendengelder zusammenbekommen und können/konnten schon verschiedene Sachen umsetzen. So gab es mit 45 Kindern einen Ausflug in den hiesigen Snake- und Krokodilpark, die Kinder bekommen ein neues Dach für ihr Gelände und es gibt einen Ausflug in ein ca. 60 km entferntes Krankenhaus, wo die Kinder in der Theaterstück aufführen können.

Ein ganz tolles Projekt und ganz tolle Kinder. Wir verneigen uns und sagen Danke!

Abschlussfeier in ungewohnten Räumlichkeiten

Von November 2016b bis Februar 2017 war unsere Beraterin auf Zeit Doris in einem Ausbildungs-Projekt im Bergurwald von Peru.
Die dortige Organisation hat sie mit Ideen zur Entwicklung des Tourismus im unterstützt und ein überzeugendes Konzept erstellt.

Im aktuellen Newsletter des deutschen Vereins berichtet sie über das Abschussfeier in der Sekundarschule.
Zum Artikel…

Kraftvolle Metaphern wirkungsvoll eingesetzt

Mein Auftrag in Camphill war es, eine Organisationsanalyse durchzuführen. Wie macht man das?
In Absprache  mit dem Management habe ich semi-strukturierte „conversations“ mit ca. 40 Mitarbeitern durchgeführt. Darüber hinaus gab es intensive Gespräche mit dem Managementteam.
Da ich Projekte gern vom Ende her denke, war die Frage der Auswertung und Rückmeldung sehr präsent in meinem Kopf. Am Anfang war es eher ein weises Blatt, das sich aber mit jedem Gespräch etwas mehr füllte. Nach ca. 10 Gesprächen kam mir die Idee: Viele Gesprächspartner benutzten bunte Bider, Vergleiche und Metaphern in ihren Schilderungen. Das war es! Aufgreifen, was an Angeboten da ist! So reifte in mir der Entschluss, meine Eindrücke an Metaphern festzumachen. Ein Beispiel: Ein Teilnehmer sagte mir, dass er viele „balloons“ über Camphill sehe, die aber alle unterschiedliche Farben und Formen hätten. Dieses Bild habe ich mit meinen Eindrücken ergänzt, dass alle diese „balloons“ im Boden von Camphill in Herzen verankert sind.

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Ein zweites Beispiel: Mein Eindruck war es, dass jeder Teilnehmer glaubte, es gäbe nur eine „richtige“ Perspektive – die eigene. Mit dem nachfolgenden Bild wurde es allen schnell klar, dass jeder aus seiner Perspektive eine andere Wahrnehmung haben kann.

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Ich hatte das Glück, dass eine sehr talentierte Mitarbeitern dabei war, die diese Metaphern in Bilder umsetzen konnte. Das war wunderbar! Diese Bilder entfalteten eine ungeheure Kraft, weil sich alle damit identifizierten und jeder ein kleines Stück dazu beigetragen hatte.
Was habe ich für mich als Lehre daraus gezogen? Ich arbeite mit dem „Material“, das mir angeboten wird und beziehe so weit wir irgend möglich alle Stakeholder mit ein.
Meine Belohnung bestand darin, die glücklichen Augen der Menschen zu sehen, die ihre Gedanken und Aussagen in den Bildern wiedererkannten. Danke.

 

 

Pioniere und Charaktere kennenlernen (und schätzen)

Ich unterstütze zur Zeit Camphill Village (http://www.camphill.org.za)  in Süd Afrika. Camphill steht für eine Gemeinschaft, die sich um Menschen mit intellektuellen Einschränkungen kümmert. Die Idee von Camphill basiert auf dem Glauben, dass jeder Mensch im Zusammenleben mit anderen etwas beitragen kann und jeder Mensch einen Wert hat. Der philosophische Vater und Gründer von Camphill war Karl König, ein österreichischer Kinderarzt und Anthroposoph. Er war Jude und musste wie viele andere Intellektuelle in Österreich nach dem „Anschluss“ fliehen. Das ist ihm nur mit viel Glück gelungen.

In Camphill wohne ich bei Renate Sleigh, die mit ihrem Mann Julien Camphill Village 1964 gegründet hat. Sie ist mittlerweile 86 Jahre alt und – Gott sei Dank – bei bester Gesundheit. Für mich ist es faszinierend mit Renate unter einem Dach zu leben und die Mahlzeiten mit ihr zu teilen. Sie strahlt eine solche Demut und Zugewandheit gegenüber allen Menschen aus, die mich von der ersten Sekunde an eingenommen hat. Mit welcher Souveränität sie darüber spricht, dass sich das von ihr mit begründete Camphill verändern und sich der neuen Zeit anpassen muss, ist bemerkenswert.
Sie nimmt nach wie vor sehr aktiv an dem Gemeinschaftsleben teil. Eine meiner Gesprächspartnerinnen kommentierte ihre Rolle wie folgt: „Sie hält mit ihrer Persönlichkeit Camphill zusammen.“
Per Zufall erwähnte jemand, dass Renate die Tochter von Karl König sei. Beim Abendessen sprach ich sie darauf an, was sie bestätigte. Wir kamen in einen intensiven Austausch über einige geschichtliche und politische Situationen, die sie sehr geprägt haben.

Heute war ich mit einer Gruppe von jungen Menschen aus Amerika, Südafrika und Deutschland zusammen, die in Camphill ein Jahr leben und arbeiten und die Chance nutzen, sich weiterzuentwickeln.  Zufällig kam die Sprache auf Renate, und den Jugendlichen war sofort anzumerken, wie sehr auch sie von ihrer Persönlichkeit angetan sind. Großartig!

Für mich ist es wunderschön erleben zu dürfen, dass es diese Persönlichkeiten gibt, die keine großen Schlagzeilen machen und doch so vieles bewegen. Wer Renate Sleigh googelt, stösst auf einen einzigen Eintrag, der auf die Julien und Renate Sleigh Stiftung auf der Homepage von Camphill verweist.

Gerade erhalte ich einen Tweed, der die neuesten „Un“Taten von Donald Trump aufzählt. Gegensätzlicher kann die Welt nicht sein!

Udo Stauber (http://www.udostauber.com)

 

 

 

 

Let’s orchestrate a plan to give children their right (for) childhood

written by our interim-manager Jessica who supports a community project un Uganda since the beginning of December 2016

 

4:00 a.m. the community announcements start (If you want the people to get informed, there is no better time and way that reading 20 min of various announcements with a loudspeaker when everything is quiet)…

4:30 a.m. the roosters in the area start their wake up call one after the other…

5:30-6:00 a.m. the loudspeakers announce the call for prayer…

7:00 a.m. the neighbor cooks right outside of my room, under my window….

That is the orchestra that got me ready for my days during my 2 months Social Sabbatical in Uganda.  I am here to support a local social organization called NIRP (Ndibwami Integrated Rescue Project) to redefine its strategic plan, working methods and to set up ways to impulse an organizational development.

 

To begin with, I want to mention that I am very thankful for coming here.  I have learned a lot (Particularly about myself) and this experience pointed me towards a slightly different direction than what I had expected. Nevertheless, I also have to admit that in some ways it was harder than I had anticipated.

All in all, I have a range of feelings about my time here. On one hand I have found great hearts, amazing courage to deal with really difficult situations and special cases of true solidarity. On the other, I had to repeatedly put up against absurd excuses and preposterous explanations that support the oppression and underestimation of women and others that justify denying kids their childhood.  All these, is due mainly to a blind and unquestionable belief that the culture so dictates it and that God himself has given his blessing for it in the bible.

I do not intent to tell you if things are right/wrong, correct/incorrect, because being fair, sometimes it depends with what they are compared to and/or in which context they are set, but also some others (many other times) it does not!

 

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I arrived in Masaka, Uganda on the 2nd of December to find something that was not exactly matching the pictures I had neither in mind nor in the emails, but thankfully this package also unexpectedly included lots of little neighboring kids, which have been a real highlight. With them, I remembered how to jump the rope (and even make one out of a banana leaf), run around chasing each other while avoiding falling in the very bad dirt roads, discovered that people play similar games in Mexico (Specially “Avioncito”) and even learned local games and dances. It is an amazing feeling to come home after a long day in the office and being welcomed by lot of hugs, little voices screaming  “Jesca, Jesca”” and the best is when they knock on my door to ask if I will come out to play. They were also the stars in my bday party. However, let me tell you a little bit of what it means to be a kid here.

“I must have many children to prove that I am Man enough and if they die or have a miserable life is their own luck, because every child brings its own luck”, “I did not go to school and look at me, I have 9 kids and 3 wives, so my children do not need to go to school and who says that one simple meal a day is not enough for them?”,  “You must produce children!”, “Children have to be caned, otherwise how can you educate them”, “Children need to be tamed”,  “The children belong to the father”, “If a child is not good is because there is something wrong with the mother”, “Children are just smaller adults”, “My small daughters are lucky, because if I can’t feed them anymore, I will give them in marriage and I even get a dowry for them”.

Those are just a few quotes of what I have been told about children. Here a woman does not give birth, she produces children.  In the majority of the cases, the fact that children deserve to have a childhood is nonexistent. In a way, kids are as responsible for the well-being of the family as the adults. They cook, work, hand wash the family clothes and clean as early as when they are 5 years old. Being little does not stop you from taking care of one even smaller than you; so very often 3-4 year olds are caring 1-2 year olds on their backs.  Interestingly, this happens not only between siblings, but also among the kids of the community or neighborhood.

Since they are so many, from all ages, going through the same at the same time, they grow very close together. Therefore, the kids look after each other as if they were a big family. A mother can without a problem give instructions to some else’s kid and the child will obey.  If a baby cries, any of the kids around will pick him/her up. Nice is also when you give something to one, it’s automatic that it will be shared among all. Unfortunately, the great majority of adults do not cherish any this.

 

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I had the opportunity to do several home visits in close by, but also very, very remote communities. We targeted vulnerable children. The stories are numerous: single mothers that ran away from strong domestic violence, grandmothers that are left to look after their orphan grandchildren and support up to 6 kids on their own, child headed “homes”, whose parents had died or simply abandon them.

Here are just 2 examples:

There is a man who lives with 6 of his 9 children in a very isolated, tiny one- room mud house with no electricity, no water, no toilet, no beds, no nothing. He does not know how old his kids are (I estimate that they range between 3 to 10 years old), they have never been to school, they are afraid of people, they work from sunrise to sunset in the field, sleep on the floor, do not shower (“why should they? they will anyways get dirty again”; said the father), are almost naked, visibly malnourish (they only get one meal a day: plain posho most of the time) and they show clear signs of having worms. Despite all these, the man has kicked out the mother of the kids and has a new “wife”, who doesn’t have nor feel any responsibility over the children. Additionally, he proudly said that he is planning to produce more children. He has to prove that he is man enough and one has to keep producing because maybe the last kid is the good one.

In another case, the parents of 5 were always fighting, so one day the father left. The mother then did not want to be responsible for “his” kids, so she also left. In that tiny mud house, without electricity, no water, no toilet, the 5 kids were left alone. The smallest was 2 at that time. They are not sure how long it took until someone noticed the situation and went to another far village to get the grandmother. She left her house and moved in with the kids, who she can only provide with a once a day meal and some kind of care. One kid died, one boy has an untreated serious disease on his foot, the oldest girl (14) recently got a baby (not married) and none of them have been to school; because they must help the grandmother with the work and there is no money for that type of luxury. It’s been 6 years since the parents left; no one has heard of them again, the “house” is in truly bad conditions (About to fall on them any moment) and the grandmother is sick and getting too old.

These kids are kept alive only to work and/or as a sign of how big someone else’s ego/virility is, while not being exposed to any type of education, interaction, care or love.

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As a response to the findings, the organization is launching a sponsorship program. This will be closely conducted by the hardworking and big hearted social worker of the organization. The goal is to identify vulnerable kids (We have already 15), to support them to attend and stay in school; it is AMAIZING how much can be done with so little.

If the conditions demand it, the kid could also be allocated to a boarding school (System that is quite popular in Uganda). The program aims to have a holistic approach, in which the kid and his/her main care taker will also receive systematic psychosocial counseling and if appropriate, the main care taker will be coached and supported in her/his main income generating activity; as to provide the child and siblings with the basics of life in a dignified manner.

So, do kids bring their own luck?

Als Beraterin auf Zeit in Namibia

Berater auf Zeit – was ist das eigentlich? Was macht man so? Welche Aufgaben hat man? Und wie schaut ein Tag im Leben eines Beraters auf Zeit aus?

Christine Stockmann, die für den Verein Make Change Possible e.V. im Sommer 2016 in Namibia war nimmt uns mit nach Mayana…

 

Danke an Christine Stockmann und Make Chance Possible e.V., dass wir den Film nutzen dürfen!

Weihnachten in Peru

Schöne Grüße von unserer Beraterin auf Zeit Doris aus Peru:

Die Weihnachtsstimmung kommt bei mir hier nicht wirklich auf, denn seit 2 Tagen scheint ungebrochen die Sonne. Zwar ist es auf 1.800 m nicht so heiß, aber in der Sonne könnte ich definitiv kurze Hosen tragen. Ich bin gespannt wie Weihnachten hier ablaufen wird. Da ich noch im Projekt mit einigen Mitarbeitern bin, wurde ich von 2 Consejeras (Erzieherinnen unserer 33 Jungs) zu Weihnachten eingeladen. Wir treffen uns morgen Abend um 20.00 Uhr in Oxapampa (kleines Städtchen mitten im Regenwald) und verbringen die Noche Buena (Heiligabend) gemeinsam. Ich bin gespannt wie es ablaufen wird und werde euch berichten … Nun aber erst einmal FELIZ NAVIDAD y BUEN ANO NUEVO. Doris

Elisabeth in Tansania – Karibu Tansania

Karibu Tansania hat in diesem Jahr guten Anklang gefunden. Auch Elisabeth hat sich auf das Abenteure Tansania eingelassen und gemeinsam hatten wir viel Spaß!

 

Liebe Elke,
ganz herzlichen Dank für die umfassende Begleitung und Betreuung vor, während und nach meines Aufenthalts.

Mir hat die Zeit mit Dir in Daressalam persönlich sehr viel gebracht, besonders gut fand ich Deine durchgängig perfekte Organisation unter außerordentlich erschwerten Bedingungen. Deine Strategie, den Wert der empfangenen Leistungen permanent mit der zu erbringenden Gegenleistung zu verhandeln, ist zwar für uns ungewohnt, jedoch ein für mich perfektes Vorbild für eine erfolgreiche Vorgehensweise auch im größeren Zusammenhang, insbesondere natürlich als Ansatz für die eigene Vorgehensweise bei Aufnahme der von Dir vermittelten Tätigkeiten. Am besten gefallen hat mir der Besuch im KCC und das Kochen mit den Burschen. An meine eigenen Grenzen hat mich die Argumentation eines Projektträgers gebracht, der mich mit seiner Anspruchshaltung erschreckt hat.
Ich hätte gerne, egoistischerweise, ein Projekt gesehen, das als erfolgreicher Selbstläufer zeigt, dass es auch ohne permanente Kontrolle und Anschieben mit endlosen Verhandlungen funktioniert. Aber vielleicht war das ja auch Teil Deines Plans, um allzu hochfliegende Erwartungen auf den Boden der Tatsache zu befördern.
Nochmal ganz herzlichen Dank für Deine Mühen und Deine Zeit, ich hab es sehr genossen.

Elisabeth

 

Liebe Elisabeth,
schön, dass du hier warst! Auch ich habe es sehr genossen!
Wer auch einmal Lust auf ein sicheres Abenteuer hat: ab Ende Januar bis bis Mitte April 2017  heisst es wieder Karibu Tanzania!

Good bye Lesedi La Batho

6 Monate wollte er bleiben, dann sind es 8,5 Monate geworden. Unser Berater auf Zeit Philipp zieht am Ende seines Einsatzes ein Resümee:

 

Good bye Lesedi La Batho – Abschlussbericht

Mein Mandat als ‚Berater auf Zeit‘ bei Lesedi La Batho in Südafrika endet nach total 8.5 Monaten. Ich blicke auf eine sehr aufschlussreiche Zeit.

In meinem Halbzeitbericht vom Juli habe ich berichtet über den Fortschritt bei Lesedi. In den ersten vier Monaten haben wir viel eingeführt, umstrukturiert und optimiert. Es kamen Abhängigkeiten an meine Person auf und daher standen die letzten drei Monate eher im Zeichen der Nachhaltigkeit und Übergabe. Hierfür passten wir das Organigramm an, verstärkten das Team in Mabopane mit einer erfahrenen Managerin, tauschten zwei Mitarbeiter aus und schulten / arbeiteten die optimierten Abläufe sauber ein.

Im Oktober hat dann das neue Team gezeigt was es kann. Erstmals wurden fast alle operativen Ziele und KPIs erreicht und gleichzeitig war das 5 Jahres Jubiläum ein super Erfolg (siehe den Bericht von Joachim). Mittels einer neuen Lesedi Broschüre haben wir die Veränderungen an unsere wichtigsten Geldgeber kommuniziert und Lesedi’s Wirkung mittels Zahlen, Fakten und einem tollen Film von Amai kristallklar darstellen können.

Anfangs November folgten dann die Farewells und ich musste von den vielen mir ans Herz gewachsenen Menschen in Mabopane und Pretoria Abschied nehmen. Einmal ein Lesedi – Immer ein Lesedi!

Etwas mehr möchte ich nun über meine Zeit bei Lesedi bezüglich meiner persönlichen Weiterentwicklung berichten, schliesslich steht ja ausser Frage, dass ein solches Sabbatical alles andere als selbstlos ist.

No shit Sherlock – Ich denke mein Aufenthalt in dieser mir kulturell fremden Region hat mich gelehrt ein besserer Zuhörer zu sein. Oft setzte ich Dinge voraus, welche nach meinen Werten richtig und angebracht waren – hier jedoch keine Gültigkeit hatten. Ich habe gelernt mehr aufzunehmen und viel mehr auf Details und Gemütszustände zu achten.

Screw it lets do it – Grundsätzlich wohl fühlte ich mich, wenn ich die Zukunft planen und strukturieren konnte. Schnell habe ich aber lernen müssen, dass die Planungssicherheit aufgrund mangelnder Infrastruktur und Disziplin in Afrika nicht gegeben ist. Oft macht es daher Sinn, einfach mal etwas zu versuchen und schauen, wie es sich entwickelt. Gleiche Herangehensweise hat durchaus seine Berechtigung in der Schweiz: aus irgendwelchen Gründen verbleibt man im Planen und Zögern statt einfach zu handeln und damit vieles ins Rollen zu bringen.

All or nothing – Hinter allen Aktivitäten von Lesedi steht Herzblut und Leidenschaft. Entweder man geht etwas an oder man lässt etwas komplett bleiben. Gleicher Grundsatz gilt bei der Rekrutierung der Mitarbeiter. Von allen ist verlangt, dass sie sich extrem mit dem NGO identifizieren. Wer (nur) Geld verdienen will, hat keinen Platz.

We rise by lifting others – Ich musste lernen, dass viele Menschen für ihr Unglück nicht verantwortlich gemacht werden dürfen. Zum Beispiel sind die Grund- und Sekundarschulen in Südafrika in den Townships extrem schlecht und viele Menschen absolvieren ihre Jugend damit alles richtig gemacht zu haben. Trotzdem aber bleibt ihre Zukunft komplett aussichtslos. Diese Menschen sind auf unsere Hilfe angewiesen. Diejenigen die das Privileg haben zu wissen, haben die Verantwortung zu handeln.

Who are you to judge – Während meinen Reisen in Süd – und Südostafrika habe ich die verschiedensten Menschen, Kulturen und Völker kennengelernt. Menschen mit den verschiedensten Werten, Bedürfnissen, Freuden und Problemen. Unmöglich lässt sich hierfür ein gemeinsamer Nenner finden, so dass ich glaube, ein etwas offener Mensch geworden zu sein.

Give precious memories – Anfänglich hatte ich den Anspruch das Leben von Armut geplagten Menschen nachhaltig zu verbessern. Aktionen, die in der Ganzheit für die Menschen ‚eh nichts bringen’ fand ich verwerfungswürdig. Nun, mit den vergangenen Monaten, habe ich aber gelernt, dass auch ‚nur’ einzelne Wohltaten extrem mächtig sein können, denn sie geben einzelnen Individuen schöne Erinnerungen, von denen sie lange zehren können.

Get over yourself – Das eigene Hemd ist uns naturgemäss am nächsten, jedoch macht eine egoistische Haltung nicht immer Sinn für das Ganze. Ich denke, ich habe nun etwas mehr Respekt für die Bedürfnisse anderer, auch wenn diese unsichtbar oder anonym sind.  Auch konnte ich etwas an meiner Fähigkeit arbeiten, die eigenen Bedürfnisse zu analysieren und im Zweifelsfall unterzuordnen. Exemplarisch hat man dies jeweils anhand den älteren Leuten sehen können, welche jedes erdenkliche Individuum mit viel Respekt und Wertschätzung behandelten. Wertschätzung die auch mir als Volunteer tagtäglich gezeigt wurde.

Ja, somit schliesse ich also meine Zeit mit vielen neuen Erfahrungen ab. Die nächsten 6 Wochen werde ich noch etwas in Südostafrika reisen und dann nach total knapp einem Jahr wieder in die Schweiz zurückkehren. Vielen herzlichen Dank an alle, welche dieses unvergessliche Jahr ermöglicht haben.